Die Prostata und ihre Erkrankungen

Ansicht der Organe im Beckenbereich
Abb. 1 Ansicht der Organe im Beckenbereich

Die Prostata liegt zwischen Blase und Beckenboden. Sie bildet die Schnittstelle zwischen dem Harntrakt und dem Genitaltrakt des Mannes: in den Bereich der von der Prostata umschlossenen Harnröhre münden die Samenleiter (am sog. Samenhügel): Die Harnröhre wird zur Harnsamenröhre. Unmittelbar unterhalb der Prostata liegt der äußere Blasenschließmuskel.

Feingeweblich besteht die Prostata aus Drüsen, Bindegewebe und glatter Muskulatur. Der Drüsenanteil der Prostata produziert Sekrete für die Samenflüssigkeit. Die genaue Funktion dieser Sekrete und damit die Funktion der Prostata als Drüse ist unklar. Der Muskelanteil der Prostata geht direkt in den Blasenhals (-innerer Schließmuskel) über. Diese Muskulatur verschließt den Blasenhals bei der Ejakulation und sorgt für den Ausstoß der Samenflüssigkeit nach außen. Werden die Prostata oder der Blasenhals operativ entfernt oder eingeschnitten, kann es zur sog. „retrograden Ejakulation“ kommen: der Samenerguss geht nicht nach außen, sondern in die Blase.

Mit der Pubertät beginnt die Prostata – unter dem Einfluss des männlichen Geschlechtshormons Testosteron – zu wachsen. Mit dem 20. Lebensjahr erreicht sie die Größe einer Kastanie und bleibt bis etwa zum 40. Lebensjahr größenkonstant. Ab diesem Alter zeigen sich zunehmende feingewebliche Veränderungen, die bis zum 80. Lebensjahr praktisch alle Männer betreffen. Bei 50 % der Männer gehen diese feingeweblichen Veränderungen mit einem Größenwachstum der Prostata einher, das als benignes (gutartiges) Prostatasyndrom (BPS) bezeichnet wird. 25 % der Männer erfahren Symptome wie abgeschwächten Harnstrahl, gehäuftes Wasserlassen und nächtliches Wasserlassen, die eine Behandlung – medikamentös oder chirurgisch – erforderlich machen. Die genauen Ursachen für die feingeweblichen Veränderungen und das Wachstum der Prostata mit zunehmendem Alter sind nicht abschließend geklärt.

Die Symptome von Prostatakrebs unterscheiden sich nicht von denen der gutartigen Prostatavergrößerung. Wenn solche Symptome durch Prostatakrebs verursacht werden, ist dieser in aller Regel bereits fortgeschritten und hat die Organgrenzen überschritten. Ziel ist es folgerichtig, das Prostatakarzinom zu erkennen, bevor es Symptome macht, da es in diesem (auf das Organ begrenzten) Stadium die besten Heilungschancen hat. Dieses Ziel ist durch die Früherkennungsuntersuchung erreichbar, die bei Männern zwischen 40 und 70 Jahren durchgeführt werden sollte. Wesentliche Maßnahme dabei ist die Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) durch eine Blutentnahme: bei erhöhtem PSA-Wert besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass ein Prostatakarzinom vorliegt. Weitere ergänzende Maßnahmen sind das Abtasten der Prostata und die Ultraschalluntersuchung. In der Zusammenschau der Befunde wird entschieden, ob eine Biopsie der Prostata erforderlich ist.

Bei der Biopsie werden mit einer dünnen Nadel unter Ultraschallkontrolle mehrere, in der Regel 10 - 12 Gewebeproben aus der Prostata entnommen. Diese Gewebeproben werden vom Pathologen untersucht, der letztlich die Diagnose Prostatakrebs sichert oder ausschließt. Während vor Jahren im Frühstadium die radikale Operation (Radikale Prostatektomie) als alleinige Methode der Heilung in Deutschland galt, hat sich hier eine tiefgreifende Änderung vollzogen. Inzwischen sind sowohl die Strahlentherapie über die Haut von außen („perkutane“ Bestrahlung) oder auch die Bestrahlung von innen („permanente Seed-Implantation“) als gleichwertige alternative Therapieformen anerkannt.

Aber auch bei einem fortgeschrittenen Tumorstadium kann eine effektive Therapie durchgeführt werden. So können 40 - 60 % der Patienten noch geheilt werden; bei den übrigen können das Tumorwachstum aber zumindest über einen sehr langen Zeitraum gestoppt und Beschwerden dadurch vermieden werden.