Afterloading-Therapie mit Iridium 192 (HDR-Brachytherapie) in Verbindung mit einer perkutanen Strahlentherapie

- Abb. 15 Aus dem „High-dose-rate“-Brachytherapiegerät fährt die Strahlungsquelle in vorgegebener Zeit in die einzelnen Schläuche; bis zu 17 Schläuche können eingesetzt werden. Von diesen Schläuchen fährt die Quelle in die Hohlnadeln, die in die Prostata eingebracht wurden, und anschließend wieder zurück.
Anders als bei der „permanenten Seedimplantation“ (einmalige Applikation) werden bei der Afterloading-Therapie mit Iridium 192 in der Regel zweimal im Abstand von einer Woche unter rückenmarksnaher Betäubung („Anästhesie“) kleine Hohlnadeln in die Prostata eingebracht, die dort wenige Stunden verbleiben. Der grundsätzliche Vorteil dieser Therapie besteht darin, dass durch physikalische Eigenschaften des Iridium 192 jeweils eine sehr hohe Einmaldosis in die Prostata eingestrahlt werden kann. Während bei der perkutanen Bestrahlung die Dosis relativ weit bis in das gesunde Normalgewebe reicht, fällt die Dosis bei Iridium 192 sehr steil ab. Dadurch können die umliegenden Organe (Blase und Enddarm) gut geschont werden.
Diese Therapie wird durch Strahlentherapeuten und Urologen gemeinsam durchgeführt. Für die zweimalige Einlage der Afterloadingnadeln werden Sie in der Regel mehrere Tage stationär aufgenommen. Vor der Bestrahlung werden Ihr behandelnder Urologe, ein Anästhesist (ein Spezialist für die Narkose) und Ihr Strahlentherapeut Ihnen das Vorgehen genau erläutern und Sie über mögliche Nebenwirkungen aufklären (siehe Mögliche Komplikationen und Folgen der Strahlentherapie).
Zunächst wird Ihnen der Anästhesist ein Betäubungsmittel über einen kleinen Schlauch um den unteren Anteil des Rückenmarksackes („peridural“) spritzen. Der Schlauch wird während der gesamten Bestrahlungszeit verbleiben, um die Betäubung optimal zu steuern. Auch eine Allgemeinnarkose ist möglich. Im nächsten Schritt werden durch den Urologen unter Ultraschallkontrolle (die Ultraschallsonde liegt im Enddarm) zwischen fünf und 20 Nadeln über eine Lochplatte durch den Damm in die Prostata eingebracht. Dieses geschieht vollständig schmerzlos. Sind die Nadeln optimal platziert, wird der Strahlentherapeut die beste Bestrahlungsform ermitteln. Diese sogenannte „Bestrahlungsplanung“ dauert in der Regel zwischen 30 und 90 Minuten. Nach Abschluß der Planung wird die ferngesteuerte Strahlerquelle Iridium 192 (Abbildung 14 und 15) nach einem genau vorgegebenen, computergestützt errechneten Bestrahlungsplan in die Hohlnadeln eingefahren, die Bestrahlungsdosis wird abgegeben und dann wird die Quelle wieder in den Sicherheitsbehälter zurückgefahren (daher der Name „Afterloading-Nachladung“). Ist die Bestrahlung beendet, werden selbstverständlich noch unter Betäubung alle Nadeln zügig entfernt. Im Anschluss werden Sie auf die Station gebracht und zur Sicherheit noch 1 - 2 Tage beobachtet.
Diese Afterloading-Therapie wird in der Regel einmal wiederholt, also insgesamt zweimal durchgeführt. Danach wird die perkutane Strahlentherapie eingeleitet, die exakt wie in dem entsprechenden Kapitel beschrieben appliziert wird. Wegen der zusätzlichen Afterloadingtherapie wird jedoch die Gesamtdosis der perkutanen Bestrahlung verringert, so dass sie nicht 7 - 9 Wochen, sondern 4 - 6 Wochen dauern wird.


