Mögliche Komplikationen und Folgen der Strahlentherapie

Allgemeines

In der Strahlentherapie werden sogenannte „Akut-“ und „Spätreaktionen“ unterschieden. Unter den „Akutreaktionen“ versteht man Nebenwirkungen, die während der Zeit der Strahlentherapie (genau: während der ersten zwölf Wochen seit Beginn der Strahlentherapie) auftreten können – aber keineswegs müssen. Typisch sind, insbesondere wenn Sie bei voller Blase bestrahlt werden, eine Zunahme der Frequenz des Wasserlassens und, unabhängig davon, des Stuhlgangs. Das erklärt sich dadurch, dass Teile der Blase und des Enddarmes bis fast zum Schließmuskel direkt im Bestrahlungsfeld oder in dessen Nähe liegen. Hierbei kommt es zu einer leichten entzündlichen Irritation und es entsteht häufig im Verlauf der Wochen dauernden Bestrahlung das Gefühl, Stuhldrang zu haben, ohne dass wirklich Stuhlgang kommt. Ähnlich ist es beim Wasserlassen. Gelegentlich kommt es zu einer Infektion der Blase, die mit Antibiotika behandelt werden muss. Sollten Sie unter Hämorrhoidalknoten leiden, kann diese Symptomatik verstärkt werden. Selten kommt es durch diese Hämorrhoiden zu Blutauflagerungen im Stuhl.

Während der Strahlentherapie wird Ihr betreuender Arzt Sie in der Regel einmal pro Woche sehen, eventuell auftretende Probleme mit Ihnen besprechen und diese behandeln. Entstehen Probleme außerhalb dieser Sprechstunden, so zögern Sie nicht, diese Ihrem Arzt trotzdem mitzuteilen. Die beschriebenen Akutreaktionen können in der Regel durch den Einsatz diätetischer Maßnahmen und mit Hilfe von Medikamenten sehr gut behandelt werden. Bei Ende der Bestrahlung bilden sich diese Akutreaktionen sehr schnell und komplett zurück. Sollten Sie an den Lymphabflusswegen bestrahlt werden, so sind einige zusätzliche Punkte zu bedenken. Da die Bestrahlungsfelder größer sind als bei der alleinigen Bestrahlung, ist das Spektrum der Akut- und Spätreaktionen etwas erweitert. Es kann in diesem Fall zu gelegentlicher Übelkeit und Erbrechen kommen wie auch zu vermehrten Durchfällen, die mit Medikamenten sehr gut behandelbar sind.

Selten kann es noch nach Jahren zu sogenannten Spätfolgen am Enddarm oder der Harnblase kommen. Diese können sich in chronischen Durchfällen, unter Umständen auch mit Blutbeimengungen im Stuhl oder blutigem Urin äußern. Schwere Spätfolgen, die Ihre Lebensqualität erheblich beeinflussen, sind heutzutage sehr selten geworden. Die Wahrscheinlichkeit hierfür liegt unter 3 - 4 %. Im Fall der Strahlentherapie nach der Radikaloperation liegt diese Wahrscheinlichkeit noch niedriger und zwar 1 - 2 %. Nach der Strahlentherapie der Lymphabflusswege kann es mit einer Wahrscheinlichkeit von ein bis zwei Prozent zu einer Verengung des Dünndarms kommen. Diese Verengung muss dann operativ beseitigt werden, sie heilt jedoch folgenlos ab. Auch die Potenz kann durch die alleinige Strahlentherapie negativ beeinflusst werden. Eine genaue Abschätzung der Wahrscheinlichkeit ist schwierig, da bei den meisten Patienten im Alter zwischen 60 - 75 Jahren die Potenz auf natürlichem Wege nachlässt. Ungefähr müssen Sie damit rechnen, dass durch die Strahlentherapie in 30 - 50 % der Fälle ein langsamer Potenzverlust innerhalb von fünf Jahren auftritt. Dieser Potenzverlust ist jedoch in etwa 75 % der Fälle heutzutage medikamentös sehr gut therapierbar.

Permanente Seedimplantation

Grundsätzlich gelten auch hier die Definitionen für Akut- und Spätnebenwirkungen wie bei der perkutanen Strahlentherapie. Die möglichen Nebenwirkungen sind vergleichbar, es gibt jedoch einige Unterschiede. Bei den möglichen Akutreaktionen ergibt sich zusätzlich das geringe Risiko eines Urinverhaltes nach der Applikation sowie die Risiken der Narkose. Sehr selten können einzelne Seeds aus der Prostata „abwandern“ und z.B. bis in die Lunge gelangen, was in der Regel aber keine Beschwerden verursacht. Sehr selten ist eine Inkontinenz, das heißt, der Verlust der Fähigkeit des Harnhaltens möglich. Ansonsten sind auch hier schwere Nebenwirkungen selten.

Afterloading-Therapie in Verbindung mit einer perkutanen Strahlentherapie

Hier gelten grundsätzlich die möglichen Nebenwirkungen der perkutanen Strahlentherapie. Wegen der geringeren Gesamtdosis sind jedoch Nebenwirkungen noch seltener. Durch die zusätzliche Afterloadingtherapie sind einige andere Akut- und Spätnebenwirkungen zusätzlich möglich. Neben den Risiken der Narkose kann es durch die Lage der Nadeln zu Blutungen kommen, die jedoch gut beherrschbar sind. Darüber hinaus besteht durch die zwei hohen Einmalstrahlendosen das Risiko einer chronischen Entzündungsreaktion des Enddarmes und der Blase, beides tritt jedoch selten auf.

Behandlungsmöglichkeiten bei Potenzverlust nach Strahlentherapie

Für die Behandlung der Impotenz stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung:

  • Medikamente in Tablettenform bewirken über verschiedene Angriffspunkte eine Erweiterung der zuführenden Gefäße an den Schwellkörpern. Diese wirken nach neueren Daten in 60 - 80 % der Fälle.
  • Medikamente, die direkt in den Schwellkörper eingespritzt werden, (SKAT = Schwellkörper Autoinjektions-Therapie) wirken unabhängig von einer intakten Nervenversorgung und sind damit bei 75 - 80 % der Patienten wirksam. Das Spritzen wird durch den behandelnden Urologen gezeigt und kann dann selbst durchgeführt werden.
  • Vakuumpumpen sind ebenfalls unabhängig von der Nervenversorgung der Schwellkörper und damit in einem hohen Prozentsatz wirksam.

Der behandelnde Urologe ist Ansprechpartner für Potenzprobleme und kann die Therapie auf die individuellen Präferenzen des Patienten abstellen.