Was wird gemacht?
Die Prostatastanzbiopsie ist ein sicheres Verfahren und stellt zur Zeit für den Patienten die beste Möglichkeit einer definitiven Abklärung von vorliegenden Verdachtsmomenten für ein Prostatakarzinom dar.
Im Hinblick auf das Tumorwachstum ist die Prostatastanzbiopsie ein sicheres Untersuchungsverfahren, denn bei der Gewebeprobenentnahme durch den Enddarm kommt es nach heutigem Wissensstand nicht zur Ausbreitung der Tumorzellen im Stichkanal oder zu einer Begünstigung der Entstehung von Tumorabsiedlungen. Es sollte betont werden, dass durch die Entnahme der Gewebeproben das weitere Wachstumsverhalten des Prostatakarzinoms nach heutigem Stand der Forschung nicht beeinflusst wird.
Bei der Prostatastanzbiopsie werden (ggf. in örtlicher Betäubung) mit Hilfe einer Hohlnadel sehr dünne Gewebezylinder aus der Prostata entnommen. Die Hohlnadel wird ultraschallgesteuert, das bedeutet unter Sichtkontrolle, in die verschiedenen Abschnitte der Prostata eingestochen. Mit Hilfe einer Auslösevorrichtung wird die gespannte Stanznadel ausgelöst, wobei sie in einem Arbeitsgang in das Prostatagewebe eindringt und einen Gewebezylinder herausstanzt. Dieses Verfahren hat den Vorteil, dass eine für die weitere feingewebliche Untersuchung ausreichend große Gewebeportion nahezu schmerzfrei entnommen werden kann. Die Biopsienadel wird zusammen mit dem Ultraschallkopf in den Enddarm eingeführt (siehe Abb. 4 + 5).
Es sollten immer mehrere Gewebeproben entnommen werden (siehe Abb. 6). Sinnvoll ist die gezielte Gewebeentnahme aus den Risikozonen der Prostata, nämlich aus verschiedenen Anteilen der Basis, der Mitte und der Spitze der Prostata jeweils rechts und links. In einigen Fällen, z.B. bei Wiederholungsbiopsien, kann es auch notwendig sein, noch weitere Gewebezylinder zu entnehmen. Die Stelle der jeweiligen Probenentnahme wird dokumentiert, um sie später dem Ergebnis der feingeweblichen Untersuchung zuordnen zu können (siehe Abb. 7).
Die exakte Zuordnung ist wichtig für die weitere Therapieplanung. Die Anzahl der entnommenen Gewebezylinder, die Prostatakarzinomzellen enthalten, können Hinweise auf die örtliche Tumorausdehnung und auf die Größe des Prostatakarzinomes geben.
Die Gewebezylinder werden nach der Entnahme eingefärbt und mikroskopisch durch einen Pathologen untersucht (siehe Abb. 8). Bei der feingeweblichen (histopathologischen) Untersuchung können normale von bösartigen Prostatazellen unterschieden werden. Liegt ein Prostatakarzinom vor, so wird die Bösartigkeit der Tumorzellen bestimmt. Je mehr sich die Prostatakarzinomzellen von normalen Prostatazellen unterscheiden, desto unreifer oder aggressiver ist der Tumor. Ein unreifes (entdifferenziertes) Prostatakarzinom wächst in der Regel schneller und führt eher zu Tumorabsiedlungen als ein hochdifferenziertes Prostatakarzinom.
Bei feingeweblichem Nachweis eines Prostatakarzinoms erfolgt die stadiengerechte Therapieplanung unter Berücksichtigung der weiteren Untersuchungsergebnisse. Hinweise zur örtlichen Tumorausdehnung geben der rektale Tastbefund, der PSA-Wert, die Anzahl der befallenen Gewebeproben, die Aggressivität der Prostatakarzinomzellen und der transrektale Ultraschall der Prostata. Die Abklärung von Fernabsiedlungen (in der Regel Knochenmetastasen) erfolgt mit Hilfe einer Skelett- oder Knochenszintigraphie. Diese Untersuchungsergebnisse sollten der endgültigen Therapieplanung zugrunde liegen.
Lassen sich in keinem der entnommenen Gewebezylinder rostatakarzinomzellen nachweisen, so kann das bedeuten, dass trotz erhöhtem PSA-Wert kein Prostatakarzinom vorliegt. Es kann aber auch sein, dass ein kleiner Tumorherd nicht getroffen wurde. Daher ist es oft sinnvoll, bei einem solchen negativen Befund und einem weiterhin erhöhten PSA-Wert, die Prostatabiopsie nach einiger Zeit zu wiederholen.






