Spezielles Risiko: Verlust der Gliedsteife (Erektion)

Eine weitere, möglicherweise wichtige Folge nach der Operation ist der Verlust der spontanen Gliedversteifung (Erektion).

Warum ist nach der Operation die Gliedversteifung beeinträchtigt?

Gefäß-Nervenbündel

Abb. 8 Lage des Gefäß-Nervenbündels

Die Gliedversteifung wird bei sexueller Stimulation durch Blutgefäße und Erektionsnerven reguliert, die an beiden Seiten unmittelbar neben der Prostata verlaufen und in den Penis bzw. in die Schwellkörper ziehen (Abbildung 8). Dieses Gefäß-Nerven-Bündel steuert den für die Versteifung von Penis und Schwellkörper notwendigen vermehrten Bluteinstrom. Das Gefäß-Nerven-Bündel kann bei der radikalen Operation verletzt werden - oder es wird aus Gründen der notwendigen radikalen Krebsentfernung bewusst auf einer oder beiden Seiten mit entfernt. Grundsätzlich ist es heute durch die verfeinerten Operationstechniken jedoch möglich, das in oder unmittelbar an der Prostatakapsel gelegene Gefäß-Nerven-Bündel und somit die Erektionsnerven und Blutgefäße zu erhalten. Leider neigen im Rand- bzw. Kapselbereich der Prostata gelegenen Prostatakarzinome zum Einwachsen in das Gefäß-Nerven-Bündel (Abbildung 8). Da in diesen Fällen ein hohes Risiko besteht, dass der Krebs bei Schonung des Gefäß-Nerven-Bündels nur unvollständig chirurgisch beseitigt werden kann, wird heute in aller Regel das Gefäß-Nerven-Bündel auf der tumorbefallenen Seite mit entfernt. Das Gefäß-Nerven-Bündel auf der anderen Seite kann erhalten werden, wenn aufgrund der erhobenen Befunde davon auszugehen ist, dass die betreffende Seite tumorfrei ist. Im besten Fall kann bei Vorliegen sehr kleiner Prostatakrebsherde auch die Erhaltung der Blutgefäße und Erektionsnerven auf beiden Seiten erfolgen. Trotz der stetigen Verbesserung der Operationsmethoden und der Verfeinerung der Operationstechniken kann es aufgrund der Gewebeverhältnisse im Einzelfall nicht möglich sein, die Erektionsnerven sicher zu erhalten. Bei Erhaltung der Erektionsnerven kann nach der Operation bis zum Auftreten von spontanen Erektionen durchaus ein längerer Zeitraum vergehen. Auch bei Anwendung der nerverhaltenden Operationstechnik haben einige Patienten nach dem Eingriff keine für den Geschlechtsverkehr ausreichenden Erektionen mehr.

Veränderter Orgasmus

Der Verlust der spontanen Erektionsfähigkeit darf nicht mit einer Empfindungsstörung des Penis bzw. der Eichel verwechselt werden. Es ist wichtig festzustellen, dass das Gefühl im Penis (Sensibilität) und das Orgasmusgefühl erhalten bleiben. Der Orgasmus ist nach der Operation jedoch „trocken“, da große Teile der Samenflüssigkeit in der Prostata und den Samenblasen, die bei dem Eingriff entfernt werden, gebildet werden. Durch die Unterbindung der Samenleiter und Entfernung der Prostata besteht nach dem Eingriff Zeugungsunfähigkeit. Da einige Patienten einen unwillkürlichen Urinverlust beim Orgasmus beklagen, sollte die Harnblase vor dem Geschlechtsverkehr entleert werden.

Behandlungsmöglichkeiten bei Potenzverlust

Schwellkörperautoinjektionstherapie ("SKAT")

Abb. 9 Schwellkörperauto­injektionstherapie ("SKAT")

Vakuumerektionshilfesystem ("Vakuumpumpe")

Abb. 10 Vakuumerektionshilfesystem ("Vakuumpumpe")

Hydraulische Penisprothese

Abb. 11 Hydraulische Penisprothese

Nach der körperlichen und seelischen Erholung von der Operation bleibt abzuwarten, ob sich spontan Erektionen einstellen und ob diese für die Ausübung des Geschlechtsverkehrs ausreichend sind. Der Erhalt der Erektionsnerven bei der Operation ist hierfür von großer Bedeutung. Zur Behebung einer ggf. auftretenden erektilen Dysfunktion (Impotenz) nach der Operation stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Eine medikamentös-orale Therapie (Einnahme von Tabletten) hat sich aufgrund der Einführung effektiver Wirkstoffe heute zum Standard entwickelt. Bei den Präparaten handelt es sich um so genannte Phosphodiesterase-5-Inhibitoren (PDE-5-Inhibitoren), die über einen komplexen Wirkmechanismus zu einer Verstärkung der Erektion führen. Es ist wichtig zu wissen, dass die zur Verfügung stehenden Medikamente nur wirken können, wenn die Erektionsnerven und Blutgefäße (Gefäß-Nerven-Bündel) bei der Operation erhalten werden konnten. Sollte die medikamentös-orale Therapie (Einnahme von Tabletten) nicht funktionieren, so gibt es weitere moderne Therapieverfahren, die die Gliedsteife sozusagen „auf Abruf“ wiederherstellen können. Bei der Schwellkörperauto­injektionstherapie („SKAT“) werden gefäßerweiternde Medikamente, die eine Erektion auslösen, vom Patienten selbst in den Schwellkörper gespritzt (Abbildung 9). Eine mechanische Wiederherstellung der Gliedsteife ist mit einem Vakuumerektionshilfesystem („Vakuumpumpe“) möglich (Abbildung 10). Des Weiteren steht als operative Therapie die Einpflanzung einer Penisprothese zur Verfügung (Abbildung 11).

Alle Therapieverfahren können frühzeitig nach der Operation eingesetzt werden. Es liegen wissenschaftliche Hinweise vor, dass sowohl der regelmäßige als auch der bedarfsgesteuerte postoperative Einsatz einer medikamentös-oralen Therapie (PDE-5-Inhibitoren) oder der Schwellkörperauto­injektionstherapie („SKAT“) der Wiederherstellung von Erektionen förderlich sein kann (Rehabilitation der erektilen Funktion). Bitte lassen Sie sich ohne falsches Schamgefühl oder übertriebene Zurückhaltung - auch zusammen mit Ihrer Partnerin - von Ihrem behandelnden Urologen bezüglich der einzelnen Behandlungsmöglichkeiten beraten.

Letzte Änderung am 29.12.2015