Radikale Prostatektomie

Abb. 4: Zustand vor der Operation. Markierung des Operationsgebietes bei der Radikaloperation der Prostata (- - - -)

Das Ziel der radikalen Prostatektomie ist es, die ganze Prostata mit ihrer Kapsel, den anliegenden Samenbläschen und den örtlichen Lymphknoten zu entfernen (Abbildung 4).

Es gibt mehrere etablierte operative Verfahren, um die radikale Entfernung der Prostata durchzuführen. Die einzelnen operativen Verfahren unterscheiden sich in der Operationstechnik und im operativen Zugangsweg, führen aber alle zum gewünschten postoperativen Ergebnis, d.h. der vollständigen Entfernung der krebsbefallenen Vorsteherdrüse. Als Zugangsweg, um die Prostata auf die oben beschriebene Art komplett zu entfernen, eignet sich ein Unterbauchschnitt (retropubische radikale Prostatektomie), der minimal-invasive (laparoskopische) Zugang im Unterbauch (laparoskopische radikale Prostatektomie, ggf. roboterassistiert) und der Dammschnitt (perineale radikale Prostatektomie).

Aus tumorchirurgischer Sicht sind alle genannten Verfahren als gleichwertig einzustufen. Bei allen Verfahren kann in gleicher Sitzung auch die Entfernung der örtlichen Lymphknoten erfolgen (pelvine Lymphadenektomie). Ihr Arzt wird mit Ihnen besprechen, ob eine Beurteilung der Lymphknoten während der Operation (pathohistologische Schnellschnittdiagnostik) in Ihrem Erkrankungsstadium sinnvoll ist.

Des Weiteren kann der ein- oder beidseitige Erhalt des neben der Prostata verlaufenden Gefäß-Nerven-Bündels bei allen Verfahren (in Abhängigkeit von der Ausbreitung des Tumors) erfolgen. Diese Schonung des Gefäß-Nerven-Bündels kann für die Erhaltung der postoperativen Potenz und auch für die Wiedererlangung der Kontinenz wichtig sein. Ihr Arzt wird mit Ihnen vor der Operation besprechen, ob die ein- oder beidseitige Erhaltung des Gefäß-Nerven-Bündels im Rahmen der Operation durchgeführt werden kann (siehe auch Abb. 6 und 7).

In einem ausführlichen Aufklärungsgespräch vor der Operation wird Ihnen Ihr Operateur erklären, welches der oben beschriebenen Operationsverfahren in Abhängigkeit von Ihrem individuellen Erkrankungsstadium gewählt und bei Ihnen durchgeführt werden sollte.

In der Regel werden im ersten Operationsschritt die der Prostata und Harnblase benachbarten Lymphknoten aufgesucht und entfernt (pelvine Lymphadenektomie). Mit einer so genannten Schnellschnittuntersuchung (mikroskopische Untersuchung) kann bei Bedarf auch während der Operation mit großer Wahrscheinlichkeit festgestellt werden, ob bereits Absiedlungen des Prostatakarzinoms in den Lymphknoten vorhanden sind oder nicht. Ein ausgeprägter Befall der Lymphknoten mit Tumorzellen kann ein Grund sein, das geplante operative Vorgehen zu ändern und von der Prostataentfernung Abstand zu nehmen. Möglicherweise kann es in dieser Situation für Sie günstiger sein, dass eine andere Behandlung, z.B. eine Hormonentzugstherapie, eingeleitet wird. Andererseits kann bei Befall nur einzelner bzw. weniger Lymphknoten eine (ausgedehnte) operative Lymphknotenentfernung (mit Entfernung der Tochtergeschwülste) in Verbindung mit der radikalen Prostatektomie eine Heilungschance darstellen. Auch bezüglich dieses speziellen Problems erfolgt vor der Operation ein ausführliches Gespräch mit Ihrem Operateur.

Bei tumorfreien Lymphknoten ist von einem auf die Prostata begrenzten Tumor auszugehen. In diesen Fällen schließt sich im zweiten Operationsschritt die Entfernung der Prostata mitsamt ihrer Kapsel und den hinter der Harnblase liegenden Samenblasen an (radikale Prostatovesikulektomie), ggf. unter Schonung des Gefäß-Nerven-Bündels ein- oder beidseitig. Die Samenleiter werden dabei auf beiden Seiten unterbunden.

Abb. 5: Zustand nach der Radikaloperation mit liegendem Dauerkatheter

Abschließend wird eine neue Verbindung (Anastomose) zwischen Blase und Harnröhre hergestellt und mittels Nähten gesichert. Die Anastomose der Blase mit der Harnröhre wird durch einen während der Operation eingelegten Dauerkatheter geschient (Abbildung 5). Der Dauerkatheter dient gleichzeitig der Sicherung des Urinabflusses aus der Harnblase in der Zeit nach der Operation. Zusätzlich wird eine Wunddrainage eingelegt, die den Abfluss des Wundsekretes sicherstellt. Nach der Operation wird der Patient in aller Regel für einige Zeit auf einer Überwachungsstation betreut.