Untersuchung beim BPS
Die Basis sind das Erheben der Vorgeschichte (Anamnese), die körperliche Untersuchung, Urin- und Blut-Tests sowie die Ultraschalluntersuchung. Weitere Untersuchungen können hinzukommen.
Beim Erheben der Vorgeschichte (Anamnese) fragt der Arzt nach früheren und jetzigen Krankheiten und Beschwerden sowie nach dem Sexualleben. Im Vordergrund steht beim BPS natürlich das Wasserlassen. Nützlich ist dabei ein Protokoll mit Gewohnheiten und besonderen Vorkommnissen. Wie stark die subjektive Beeinträchtigung durch die Beschwerden ist, lässt sich mit dem standardisierten IPSS-Fragebogen messen (internationaler Prostata-Symptomen-Score); er liefert die wichtige IPSS-Punktezahl.
Bei der körperlichen Untersuchung richtet sich das Augenmerk vor allem auf Bauch und Geschlechtsorgane. Die Prostata wird mit dem Finger vom Mastdarm aus abgetastet (digitale rektale Untersuchung, DRU). Beim BPS ist sie meist vergrößert und prall elastisch; die Härte wird von der Vermehrung des Zwischengewebes bestimmt. Zudem können Knoten zu tasten sein. Ein Druckschmerz spricht für eine Entzündung.
Der Urin wird mit einem Teststreifen besonders auf Entzündungszeichen und Blutbeimengungen (Mikrohämaturie) untersucht (s. auch Urinuntersuchungen). Außerdem werden Konzentration und Säuregrad des Urins bestimmt und das Harnsediment mikroskopisch analysiert. Zum Ausschluss einer bakteriellen Entzündung von Harnwegen oder Prostata dient die Viergläserprobe: Man untersucht die einzelnen Harnportionen auf Keime und bestimmt mittels Kulturen deren Art und die Widerstandsfähigkeit (Resistenz) gegen Antibiotika (Antibiogramm).
Bei der Uroflowmetrie (Harnflussmessung) wird die pro Sekunde entleerte Harnmenge gemessen. Bei Harnröhrenverengung zeigt sich eine typisch verzögerte Kurve mit vermindertem maximalen Harnfluss.
Blut-Tests liefern allgemeine Werte und Aussagen über Entzündungen und Nierenfunktion. Zusätzlich empfiehlt sich eine PSA-Bestimmung (Prostataspezifisches Antigen). Denn in der vergrößerten Prostata kann sich ein Karzinom verbergen; verdächtig sind vor allem Knoten. Dabei ist wichtig zu wissen, dass der PSA-Blutspiegel auch von Größe, Entzündungen und mechanischen Belastungen der Prostata abhängt. Deshalb sollte auch das Blut vor der digitalen rektalen Untersuchung abgenommen werden.
Bei der Ultraschalluntersuchung (Sonographie) von Prostata, Harnblase und Nieren lassen sich zum Beispiel Prostatagröße, Restharnmenge, Harnblasensteine und Harnrückstau in die Nieren feststellen. Genauere Bilder von Prostata und Samenblasen liefert die hochauflösende transrektale Ultraschalluntersuchung (TRUS), wobei der Schallkopf in das Rektum (Mastdarm) eingeführt wird.
Weitere Untersuchungen können im Einzelfall erforderlich werden:
- Biopsie (Entnahme einer Gewebeprobe), zum Beispiel bei Knoten: Mit einer Nadel, meist unter Ultraschallkontrolle (TRUS) vom Mastdarm aus (Näheres siehe Prostatabiopsie).
- Urethrozystoskopie (Spiegelung von Harnröhre und Harnblase): Dabei ist auch zu erkennen, welche Teile der Prostata die Harnröhre verengen und ob eine Operation durch die Harnröhre möglich ist.
- Katheterisierung zum Ablassen von Restharn oder Einbringen von Röntgenkontrastmittel.
- Röntgenaufnahmen oder Durchleuchtung: Gegebenenfalls wird ein Kontrastmittel in eine Vene gespritzt oder mit einem Katheter in die Harnwege eingebracht.
- Harnblasentonometrie (Druckmessung): Vor allem zum Ausschluss von Funktionsstörungen der Harnblase.
Weiterführende wissenschaftliche Informationen finden sich in der aktuellen Leitlinie „Diagnostik des Benignen Prostata-Syndroms (BPS)“. Sie ist Bestandteil der Leitlinien der Deutschen Urologen bei der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) und dort zugänglich über das Menü „Leitlinien nach Fächern“ und dann das Fachgebiet „Urologie“.
Autor: Dr. med. Hubert E. Weiß, 20.12.2004
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