Vorbeugung gegen BPS
Die Rolle der Ernährung beim benignen Prostatasyndrom wird heftig diskutiert. Genauso wie die Vorbeugung mit Nahrungsergänzungsmitteln oder Medikamenten.
Um es vorweg zu nehmen: Bislang ist es in keiner kontrollierten Studie gelungen, irgendetwas nachzuweisen, was gegen eine BPH (gutartige Vergrößerung der Prostata) und damit gegen das BPS vorbeugt. Die einzigen bekannten Risikofaktoren sind wohl nicht beeinflussbar: Das Alter und die Androgene (männliche Geschlechtshormone): So erkranken beispielsweise Eunuchen nie an BPS (vgl. Abschnitt Ursachen und Entstehung).
Aus vergleichenden Untersuchungen ist bekannt, dass es bei der BPH (anders als beim Prostatakarzinom) kaum rassische und geographische Unterschiede in der Häufigkeit gibt (siehe Abschnitt Häufigkeit). Schon dies macht einen Einfluss der Ernährung sehr unwahrscheinlich. Zudem haben zahlreiche Studien gezeigt, dass die Ernährung, selbst spezielle Diäten das Wachstum der Prostata nicht direkt beeinflussen.
Die genauen Ursachen der BPH sind aber immer noch ungeklärt, auch die Rolle der Östrogene (weibliche Geschlechtshormone; siehe Abschnitt Ursachen und Entstehung). Auch im Körper des Mannes werden Östrogene in geringen Mengen gebildet und kommen selbst in der Nahrung vor: Als Rückstand (z.B. in Fleisch) oder als normale Pflanzeninhaltsstoffe, die Phytoöstrogene (pflanzliche Östrogene, z.B. Isoflavonoide, Lignane). Dass Östrogene in der Nahrung das Wachstum der Prostata fördern, wurde bisher nicht nachgewiesen. Zudem müsste dann die BPH bei asiatischen Männern häufiger auftreten, denn ihre Kost ist reich an Phytoöstrogenen.
Nahrungsergänzungsmittel: Für keines der vielen angebotenen Präparate ist bisher stichhaltig nachgewiesen, dass es gegen BPS vorbeugen kann. Bitte beachten Sie hierzu auch den Hinweis unter „Weitere Arzneimittel“ im Abschnitt Medikamente.
Medikamente: 5-alpha-Reduktase-Hemmer werden bei BPS bereits zur Verkleinerung der Prostata eingesetzt (siehe Abschnitt Medikamente). Dass die Hemmung der 5-alpha-Reduktase auch vorbeugend wirkt, scheint aber unwahrscheinlich. Denn die Aktivität dieses Enzyms ist bei Asiaten geringer als beispielsweise bei Europäern, und dennoch tritt die BPH bei ihnen in etwa gleich häufig auf (das Prostatakarzinom jedoch seltener).
Weitere Untersuchungen betreffen Aromatase-Hemmer (siehe Abschnitt Medikamente), die Verminderung von Bindungsstellen für Androgene auf den Prostatazellen und die Beeinflussung von Wachstumsfaktoren (vgl. Abschnitt Ursachen und Entstehung). Bitte beachten Sie auch den Hinweis unter „Weitere Arzneimittel“ im Abschnitt Medikamente.
Fazit: Gegenwärtig gibt es keine Empfehlungen zur Vorbeugung gegen das BPS. Da aber außer dem Alter und den Androgenen bisher auch keine Risikofaktoren bekannt sind, spricht nichts gegen die Umstellung der Ernährung auf eine asiatische oder mediterrane Kost. Dies soll ja gegen viele andere Krankheiten vorbeugen (z.B. Prostatakarzinom, andere Krebsformen, Gefäßerkrankungen). Förderlich ist auf alle Fälle eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, frischer Luft und vor allem viel Bewegung. Denn die Prostata ist in die Beckenbodenmuskulatur eingebettet und wird bei sportlicher Betätigung auf natürlichem Wege massiert.
Autor: Dr. med. Hubert E. Weiß, 20.12.2004
