Hormonentzug
Die Sexualität
Fast jeder Mensch verliert nach einer Unterleibsoperation erst einmal die Lust am Sex, zumal die seelischen Folgen von Krankheit und Behandlung hinzu kommen. Deshalb ist es zunächst nicht unterscheidbar, ob der Hormonentzug überhaupt Auswirkungen auf sexuelles Empfinden und sexuelle Funktion hat. Unter idealen Umständen muss es bleibende Funktionseinschränkungen gar nicht geben. Mit zunehmendem Alter wächst jedoch auch die innere Bereitschaft, das Kapitel Sexualität abzuschließen.
Wenn Sie Ihre allgemeine Lebensfreude wiedergewonnen haben, sich an vielen Dingen erfreuen und in einer guten Partnerschaft leben, sollten Sie vermehrt Körpererfahrungen suchen, wie Sport, Massagen, Sauna, Streicheln. Die Fähigkeit zu körperlicher Lust ist auch abhängig von Gelegenheit und Training. Dann kann die erotisch-sexuelle Komponente wiederkommen. Sollte die Gliedversteifung gelitten haben, wären Erektionshilfen - manchmal nur vorübergehend - notwendig.
Das Hormonentzugssyndrom
Die bereits beschriebenen Symptome eines Hormonentzuges lassen sich wirkungsvoll unterdrücken durch oft nur eine einzige einmalige Injektion eines Progesteron-Abkömmlings, zum Beispiel Farlutal © 1000. Gelegentlich sind in mehrwöchigen Abständen weitere Injektionen erforderlich. Hilfreich sein kann auch die tägliche Einnahme des Präparats Androcur © , dessen Wirkstoff Cyproteronacetat heißt. Diese Mittel täuschen den Körper, indem sie ausreichende Hormonspiegel vorgaukeln, aber keine Hormonwirkung haben. Ansonsten sind die Symptome in hohem Maße auch abhängig von der seelischen Stabilität und der Stabilität des vegetativen, des unwillkürlichen Nervensystems.
Alle stabilisierenden Maßnahmen sind hilfreich, von psychotherapeutischen Gesprächen über Entspannungsverfahren bis zu Kneipp'schen Maßnahmen und pflanzlichen Beruhigungsmitteln. Wirksam sind auch Substanzen, die sich zur Unterdrückung anderer Entzugssymptome bewährt haben, zum Beispiel das sonst gegen depressive Verstimmungen eingesetzte Doxepin oder das blutdrucksenkende Mittel Clonidin.
Die Wirkung der hormonellen Veränderungen
Jeder Mann hat auch weibliche Sexualhormone, Östrogene, im Blut. Diese werden in der Nebennierenrinde gebildet. Wenn der Gegenspieler Testosteron als männliches Sexualhormon ausgeschaltet wird, können die körpereigenen Östrogene trotz ihrer geringen Menge stärkere Wirkung erzielen. Wie bereits geschildert, hat das Übergewicht der weiblichen Hormone jedoch mehr nützliche als schädliche Auswirkungen. Einige Veränderungen sind nicht zu verhindern. Nur vor der Hormon-Therapie kann man zur Verhinderung eines gelegentlich vorkommenden übermäßigen Anschwellens der Brustdrüsen eine Bestrahlung durchführen lassen. Wenn die Schwellung eingetreten ist, ist die Bestrahlung meist nicht mehr zufriedenstellend wirksam. Für die Gewichtsentwicklung kann es ratsam sein, auf überflüssiger Kalorien, auch in Form alkohol- oder zuckerhaltiger Getränke, zu verzichten. Sportliche oder gymnastische Aktivität bleibt empfehlenswert.

