Hermann Delbrück: Prostatakrebs
In 17 Kapiteln erhalten Betroffene, ihre Angehörigen und andere Interessierte Antworten auf 268, auch selten gestellte Fragen. Nicht nur zu Ursachen und Behandlung, sondern besonders über das Leben „danach“ wie zur Rehabilitation und zu sozialen Folgen.
Der Autor möchte mit dem Buch dazu beitragen, aus Behandelten Handelnde zu machen. Er will zum Fragen ermuntern, um die Krankheit besser zu begreifen und das Schicksal zu meistern. So beginnt er mit den Ursachen von Prostatakrebs und Risikofaktoren für sein Entstehen. Daran schließen sich Kapitel über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten an sowie über deren eventuelle Folgen und Komplikationen.
Der Schwerpunkt des Buchs liegt auf Fragen, die sich vorwiegend nach der Diagnose und der Erstbehandlung stellen, so zur Tumornachsorge und Rehabilitation, zum möglichen Wiederauftreten der Erkrankung, zu Auswirkungen auf Freizeit und Beruf, sozialen und finanziellen Problemen. Sehr hilfreich sind hier insbesondere Ausführungen über Versicherungen, Rententräger, Ämter und Behörden, ein Gebiet, auf dem sich die wenigsten auskennen und das man in anderen Ratgebern oft vermisst.
Dabei gibt der Autor, Leiter einer Rehabilitationsklinik für Krebspatienten, eine breite Übersicht über sämtliche Bereiche des Lebens „danach“, die berührt sein können. Er geht auch auf Fragen ein, die Betroffene aus verschiedensten Gründen oft nicht stellen, selbst solche über ihren eventuell bevorstehenden Tod und dessen Folgen für ihre Angehörigen und Freunde.
Positiv hervorzuheben sind zudem die aktuellen Hinweise auf weiterführende Literatur und Hilfen, zum Beispiel kostenlose Broschüren von offiziellen Stellen. Sie finden sich nicht nur im Anhang, sondern auch im Text, dort, wo man sie erwartet. Wünschenswert wäre hingegen eine bessere Ausstattung mit Abbildungen und Tabellen, um den Ratgeber optisch etwas aufzulockern und übersichtlicher zu machen.
Sprachlich ist das Buch für Laien stellenweise zu kompliziert und deshalb schwierig zu verstehen. Zwar werden Fachausdrücke im Anhang erklärt, jedoch ist dieses Glossar dafür zu lückenhaft und enthält zudem einige Ungenauigkeiten und Fehler. Letzteres trifft leider auch auf die anderen Texte zu. Ein kritisches Fachlektorat durch den Verlag oder von anderer kompetenter Seite hätten dem Werk also gut getan.
Fazit: Zwar ist die Frage-Antwort-Form nicht dazu geeignet, ein systematisches Wissen zu vermitteln. Jedoch gibt der Ratgeber trotz inhaltlicher Schwächen eine Fülle von wertvollen Anregungen und Hilfen. Er klammert selbst gerne verdrängte Probleme nicht aus und beantwortet vor allem Fragen, die sich oft erst in der Zeit nach der Behandlung, während der Rehabilitation oder später stellen. Eine gute Ergänzung also zu anderen Ratgebern.
Autor: Dr. med. Hubert E. Weiß, 23.10.2006

