Gustav Dobos, Sherko Kümmel: Gemeinsam gegen Krebs

Viele Krebspatienten suchen auch Hilfe bei unkonventionellen Behandlungen, gelegentlich mit negativen Folgen. Dieses Buch über die sinnvolle Integration von Schulmedizin und Naturheilkunde erklärt, worauf es dabei ankommt.

Die Onkologie, die Lehre von den Tumoren und ihrer Behandlung, wird in einer integrativen Medizin immer komplexer. So werden schulmedizinische Therapien mit wissenschaftlich überprüften naturheilkundlichen Methoden wie Ernährungs- und Bewegungstherapie sowie der Anwendung von Heilkräutern, Akupunktur und Entspannungsverfahren zusammengeführt. Und in einer individualisierten Onkologie erhalten Erkenntnisse der Tumorgenetik und Fortschritte in der Molekularbiologie eine neue Rolle.

Bei der integrativen Medizin handelt es sich nicht um eine Alternative, sondern um eine Kombination aus Schulmedizin und einer wissenschaftlich geprüften Naturheilkunde. Unter diesem in den USA entwickelten Begriff wurden vielfältige neue Behandlungsstrategien in der Krebsbehandlung entwickelt, unter anderem Stammzelltherapien, Antikörperbehandlung und Nanomedizin.

Die Erfahrung, dass 60-70% der Patienten, die sich einer onkologischen Therapie unterziehen müssen, zusätzlich Naturheilmittel einnehmen, unterstreicht die Notwendigkeit, dass die Onkologen mit dem Patienten auch über die Möglichkeiten naturheilkundlicher Therapien sprechen, ebenso wie über deren Gefahren. Der Wunsch des Patienten wird dabei unterstützt, selbst etwas für sich und seine Gesundheit zu tun.

In zahlreichen Kliniken in den USA, dem Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York oder in der berühmten Mayo-Klinik, gibt es bereits Abteilungen für integrative Onkologie. In Deutschland leitet Professor Dr. Gustav Dobos, einer der Autoren des Buchs, die Klinik für Naturheilkunde und integrative Onkologie an den Kliniken Essen Mitte.

Im Rahmen immer individueller werdender Tumortherapien hat die Naturheilkunde vieles zu bieten, was die gefürchteten Nebenwirkungen einer onkologischen Behandlung mildern kann. Die Wirkung pflanzlicher Stoffe wird zunehmend erschlossen, aber auch die Risiken und Wechselwirkungen pflanzlicher Stoffe bei gleichzeitiger konventioneller Krebstherapie erkannt.

Die Patienten sollten eher naturbelassene Lebensmittel verzehren und nicht nur einzelne Wirkstoffe daraus isoliert zu sich nehmen. Nahrungsergänzungsmittel können bei einer ärztlichen Indikation wie ein Medikament mit entsprechender Vorsicht eingesetzt werden.

Beispielsweise lindern optimale Ernährung, Bewegung, Entspannung und Selbsthilfestrategien Schmerzen, Übelkeit und auch Angst. Bewegungstherapien in Verbindung mit gesunder Ernährung beugen nicht nur langfristig gegen einen Rückfall vor, sondern helfen auch kurzfristig gegen Depressionen und chronische Müdigkeit. Ein regelmäßiges „Achtsamkeitstraining“ lindert deutlich Nebenwirkungen der Chemo- und Strahlentherapie und erhöht die Stresstoleranz des Körpers.

Auf eine spezielle Ernährung bei Männern mit Prostatakrebs wird im einzelnen eingegangen: Empfohlen wird die mediterrane Vollwertkost mit reichlich lycopinreichen Tomatenprodukten – das Lycopin sollte aus der Nahrung stammen – oder mit Granatapfelsaft zur Stabilisierung der PSA-Werte.

Erkenntnisse der präventiven Forschung - aus Naturheilkunde und Komplementärmedizin - werden in dem Buch detailliert wiedergegeben. Die Themen der integrativen Medizin werden in dem lesenswerten Buch einprägsam und verständlich behandelt.

Autor: Prof. Dr. med. J. Sökeland, 17.05.2012