Doris Bardehle, Matthias Stiehler: Erster Deutscher Männergesundheitsbericht
Vernachlässigen Männer ihre Gesundheit oder werden sie in unserem Gesundheitssystem vernachlässigt? Beides trifft zu, so der Bericht, für den erstmalig viele Fakten dazu gesammelt und zusammengefasst wurden.
Im Vergleich zu Frauen haben Männer eine geringere Lebenserwartung und höhere Risiken am Arbeitsplatz, und sie zeigen häufiger ein selbstschädigendes Verhalten. Doch warum ist das so? Welche Gründe gibt es für ein solch ungesundes Mannsein und was muss passieren, damit es gesünder wird?
Warum Männer krank werden und wie sie medizinisch versorgt sind, darüber fehlten bislang aussagekräftige Erkenntnisse. Zwar gibt es in Deutschland umfangreiche Daten über die Gesundheit und Lebenssituation der Bevölkerung, jedoch wurden diese bisher nicht speziell für Fragen der Männergesundheit aufbereitet. Mit dem ersten Männergesundheitsbericht soll sich das jetzt ändern:
Herausgeber sind Prof. Dr. med. Doris Bardehle, wissenschaftlicher Vorstand der Stiftung Männergesundheit, und Dr. phil. Matthias Stiehler, Vorstand Soziales und Politik der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit e.V. Der Bericht geht zurück auf eine Initiative dieser beiden Organisationen im Jahre 2001. Doch es bedurfte noch fast eines Jahrzehnts Beharrlichkeit, der Zusammenarbeit mit anderen Initiativen und der Unterstützung durch die DKV Deutsche Krankenversicherung AG, bis der erste Männergesundheitsbericht schließlich erscheinen konnte.
In der öffentlichen Gesundheitsdiskussion, die von den Medien und von zahlreichen anderen Interessengruppen geprägt wird, ist der Mann in den letzten Jahren „vom gesunden Idealbild zum schwierigen Behandlungsfall abgestiegen“, so der Medizinhistoriker Martin Dinges im Buch. Dennoch schwieg die deutsche Politik zum Thema Männergesundheit beharrlich, wohl aus Scheu vor möglichen Kosten. Dies im Unterschied zu Österreich und der Schweiz, wo solche Berichte längst vorliegen. Aber auch im krassen Gegensatz zur Frauengesundheit, über die es seit 2001 einen ausführlichen Bericht des deutschen Familienministeriums gibt.
Grund genug für die beiden gemeinnützigen Organisationen, die sich die Verbreitung dieses Themas auf die Fahnen geschrieben haben, initiativ zu werden. Denn in Fachkreisen war längst klar: Während Frauen selbstverständlich von der Pubertät bis ins hohe Alter von ihrem Frauenarzt betreut werden, gibt es für Männer keine entsprechenden Vertrauensärzte. Für ihre Gesundheit sind mehr Dinge wichtig als nur die typischen Männerkrankheiten wie Prostataerkrankungen und Störungen der Sexualfunktion. Und ein einziger Lehrstuhl für Männergesundheit in Deutschland reicht bei weitem nicht aus.
So wurden für das Buch zahlreiche Fakten zusammengetragen und ausgewertet. Es ist gegliedert in fünf Kapitel mit 11 Beiträgen, gefolgt von einem Fazit, geschrieben von 19 Autoren, allesamt Experten aus den verschiedensten Bereichen der Männergesundheit. Im ersten Kapitel geht es um die gesundheitliche Lage von Männern, auch im Lauf der jüngeren Geschichte, im zweiten um die Gesundheit speziell von Jungen und alternden Männern. Das dritte Kapitel ist Gesundheitsrisiken in der Arbeitswelt und gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen gewidmet, das vierte den eigentlichen Männerkrankheiten, anderen Krankheiten unter fachübergreifender Betrachtung sowie Störungen von Psyche und Verhalten. Im letzten Kapitel schließlich werden Männergesundheit aus der Sicht der DKV und das online-Angebot zu diesem Thema dargestellt.
Die Beiträge sind – wie in der Wissenschaft üblich – klar weiter unterteilt, stark mit Fakten unterfüttert, mit Literaturangaben versehen und zumeist mit Schaubildern und Tabellen ausgestattet. Sprachlich sind die Texte wissenschaftlich und somit wie der gesamte Inhalt anspruchsvoll. Dies ist insofern verständlich, als sich der Bericht vorrangig an Mediziner und andere Wissenschaftler, Politik und Krankenkassen richtet.
Fazit
Der Erste Deutsche Männergesundheitsbericht stellt die gesundheitliche Lage, die Gesundheitsversorgung, die Lebensweisen und das Gesundheitsverhalten von Männern dar. Er zeigt Defizite ihrer Gesundheitsförderung und medizinischen Versorgung auf, liefert Impulse für weitere Forschungen und stellt Forderungen für die Weiterentwicklung der Männergesundheit. Eine gute und übersichtliche Zusammenfassung für jeden, der sich für dieses komplexe Thema interessiert.
Mehr Informationen und eine Bestellmöglichkeit finden sich auf der Internetseite des Männergesundheitsberichts.
Autor: Dr. med. Hubert E. Weiß, 07.11.2011

