Weißbach, Boedefeld: Diagnose Prostatakrebs
Der Ratgeber will offen sein, Mut machen, Für und Wider abwägen und Entscheidungsmöglichkeiten aufzeigen. So sehen die Autoren ihre Aufgaben selbst und lösen sie auch.
Im Vorwort findet sich dann folgerichtig die Forderung der Autoren: Raus aus der Scham-Ecke, mehr öffentliche Diskussionen, um mit mehr Nachdruck Verbesserungen zu erreichen. Deshalb werden gleich im Anschluss Prominente abgebildet, vor denen der Prostatakrebs auch nicht Halt gemacht hat, wie diese selbst bekennen oder bekannt haben.
Neben den Herausgebern, dem Urologen Professor Weißbach und der Wissenschaftlerin Frau Dr. Boedefeld, haben weitere ärztliche und auch nicht-ärztliche Fachleute an dem Buch mitgewirkt. Es ist in fünf große Abschnitte mit jeweils mehreren Kapiteln gegliedert:
- „Den Körper verstehen“ beinhaltet die Anatomie, Risikofaktoren von Prostatakrebs und Krebsvorbeugung mit dem Schwerpunkt Ernährung.
- „Der Prostatakrebs im Frühstadium“ beschäftigt sich mit der Früherkennung, der Diagnosestellung und den Behandlungsgrundsätzen, mit den Therapieoptionen Abwarten, Strahlentherapie, Operation und anderen Verfahren sowie mit der Potenz bei Prostatakrebs.
- „Der Prostatakrebs im fortgeschrittenen Stadium“ informiert über die Hormon-, Chemo- und Schmerztherapie.
- „Das letzte Wort hat der Patient“ berichtet aus Patientensicht über die Anforderungen an den Arzt und Erfahrungen mit der Krankheit.
- „Wo kann ich mich informieren“ und „Anhang“ bieten Hilfe für die Suche im Internet, viele Adressen und ein ausführliches Glossar.
Die Darstellungen und Beschreibungen sind stets ausführlich und umfassend. Sie werden oft mit guten Zeichnungen und Ablaufschemata veranschaulicht, und es finden sich reichlich Tabellen zur besseren Übersicht. Hierzu dienen auch die kurzen Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels.
Die Vorgänge rund um den Prostatakrebs sind großteils recht kompliziert, beispielsweise die Abschätzung des individuellen Risikos, dass sich der Krebs weiter ausbreitet, oder die Entscheidung zum geeignetsten Behandlungsverfahren. Deshalb ist der Inhalt des Buches nicht immer auf Anhieb zu verstehen, sofern man sich nicht näher mit dem Thema befasst.
Die Autoren bemühen sich aber durchgängig, besonders die „W-Fragen“ konkret zu beantworten, zum Beispiel: Wo ist die Veränderung? Was passiert? Wann muss etwas gemacht werden? Wer kommt infrage? Wie wird es durchgeführt? Auch wissenschaftliche Streitfragen wie aktuell um den PSA-Test werden mit großer Offenheit diskutiert und bewertet. Anhand solcher Ausführungen und von Beispielfällen kann jeder Betroffene selbst schwierige Zusammenhänge und Abwägungen gut nachvollziehen und seine persönliche Entscheidung treffen.
Raum für Verbesserungen bei einer Neuauflage findet sich lediglich bei Abbildungen, um die gelegentlich langen Texte etwas aufzulockern, und bei den Frauen: Ihre wichtige Rolle bei der Begleitung des kranken und wieder genesenden Partners wird nur am Rande erwähnt, anders als der Untertitel „Ein Ratgeber - nicht nur für Männer“ verspricht (und übrigens auch der Titel des Vorgänger-Buchs „Ein Ratgeber für Männer und für Frauen, die ihre Männer lieben“). Zum Einstieg in dieses Thema empfiehlt sich der Erfahrungsbericht von Karin S. „Diagnose Prostatakarzinom – Leben danach!“ im Magazin.
Fazit: Ein übersichtliches und aktuelles Buch, das ausgewogene und verlässliche Informationen zu nahezu allen Aspekten von Prostatakrebs bietet, auch aus Patientensicht. Hinzu kommt eine offene und abwägende Darstellung, so dass das Buch ein wirklicher Ratgeber für alle ist, die sich ausführlich über das Thema informieren, auf das Gespräch mit dem behandelnden Arzt vorbereiten und Entscheidungen über die eigene Gesundheit nicht aus der Hand nehmen lassen wollen.
Autor: Dr. med. Hubert E. Weiß, 08.06.2006

