Wie wird das Prostatakarzinom behandelt?

Beim Prostatakarzinon handelt es sich vorwiegend um einen Drüsenkrebs ausgehend von den Zellen der äußeren Drüsenanteile. Die Entstehungsursachen des Prostatakarzinoms sind weitgehend unbekannt. Der Zeitpunkt der Diagnosestellung eines Prostatakarzinoms bzw. das vorliegende Stadium entscheidet über weitere Therapiekonzepte.

Operation beim Prostatakrebs

Der organbegrenzte Tumor kann durch eine radikale Prostatektomie geheilt werden. Im frühen Tumorstadium des Prostatakarzinoms kann die lokale Strahlenbehandlung, die Brachytherapie, eine Alternative zur radikalen Prostatektomie sein.

Treten beim Prostatakarzinom Blasenentleerungsstörungen auf - die Beschwerden sind die gleichen wie bei der gutartigen Prostatavergrößerung -, kann man durch eine Elektroresektion den Harnabfluss verbessern. Die Elektroresektion der Vorsteherdrüse beim Vorsteherdrüsenkrebs hat jedoch nur die Beseitigung der Blasenentleerungsstörung zum Ziel und führt nicht zur Heilung.

Konservative Behandlung

Die Behandlung mit weiblichen Hormonen war seit den Untersuchungen von Huggins (1941) neben der operativen Entfernung des Hodengewebes im allgemeinen die Therapie der Wahl. Huggins erhielt 1956 für die Entdeckung, dass das Wachstum des Prostatakrebses hormonabhängig ist, den Nobelpreis. Die Behandlung beruht auf der Beobachtung, dass bei Eunuchen niemals ein Prostatakrebs festgestellt wurde und sich die Vorsteherdrüse nach Kastration sowie unter weiblichen Hormonen zurückbildet.

Die hormonsenkende Therapie ist der Grundpfeiler der Therapie des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms. Männliche Hormone gelten als fördernd für einen Prostatakrebs

Fast alle medikamentöse Maßnahmen haben einen Kastrationseffekt zur Folge.

Über 40 Jahre lang waren die gegengeschlechtliche Behandlung (Östrogenbehandlung) und Orchiektomie die Therapie der Wahl bei metastasierendem Prostata-Karzinom. Die Behandlung mit Östrogenen ist wegen der Nebenwirkungen - Gynäkomastie, Ödemneigung sowie Herz-Kreislauf-Komplikationen - heute verlassen.

Die Orchiektomie dient auch heute noch der Behandlung des Prostatakarzinoms mit sicherem Absenken des Testosteronspiegels auf Kastrationsniveau (10% des ursprünglichen Wertes).

Als bessere Alternativen zur Orchiektomie gelten heute die LHRH-Analoga, die zu einer medikamentös induzierten Kastration führen oder der Einsatz von Antiandrogenen. Antiandrogene blockieren die männlichen Hormone, so dass das Wachstum der bösartigen Prostatazellen gebremst wird. Die Nebenwirkungen sind zu beachten.

Die medikamentös anerkannteste Methode der Androgenabsenkung ist mittlerweile die Behandlung mit LHRH-Agonisten.

Das natürlich vorkommende Luteinisierungshormon-Releasing-Hormon (LHRH) stimuliert die Freisetzung der Gonadotropine, des Luteinisierungshormons und Follikelstimulierenden Hormons aus dem Hypophysenvorderlappen. Die Folge davon ist eine Freisetzung von Testosteron aus den Leydig-Zellen der Hoden. Unter physiologischen Verhältnissen wird das Luteinisierungshormon-Releasing-Hormon in Form von Wellen freigesetzt, die für ihre Wirkung erforderlich sind. Die chronische Anwendung starker Analogverbindungen führt zu einer Entleerung von Luteinisierungshormon aus der Hypophyse, an die sich eine Abschwächung der Rezeptoren für Luteinisierungshormon-Releasing-Hormon anschließt. Als Folge davon wird die Hypophyse gegenüber weiterer Stimulierung refraktär und unempfindlich. Die anschließende Gonadotropinunterdrückung und Senkung der Serum-Testosteronkonzentrationen sind die Begründung für den Einsatz von Luteinisierungshormon-Releasing-Hormon analogen Verbindungen bei Patienten mit Prostatakarzinomen.

Die Medikamente werden als Monats- oder Dreimonatsdepots unter die Haut injiziert. Alle LHRH-Agonisten weisen etwa gleiche Wirkqualitäten auf. Der Therapieerfolg ist vergleichbar mit der Kastration. Der Androgenentzug ist allerdings reversibel. Jede begonnene Hormonbehandlung muss konsequent bis an das Lebensende fortgeführt werden, eine intermittierende Behandlung wird z.Z. erprobt. Nebenwirkungen sind Hitzewallungen sowie psychische Probleme des Patienten mit Verlust von Libido.

Eine weitere auch zusätzliche Behandlung mit sogenannten Antiandrogenen wird zu Beginn der Therapie empfohlen. Antiandrogene sorgen in Kombination mit einem LHRH-Agonisten oder einer operativen Kastration für eine komplette Androgenblockade bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom. Eine alleinige Therapie mit Antiandrogenen sollte nicht durchgeführt werden. (02/2004)