Lokale Strahlenbehandlung statt Radikaloperation?

Brachytherapie

Als kurative Behandlungsform - Behandlung mit grossen Heilchancen - des lokalisierten Prostatakarzinoms gilt die radikale Prostatektomie (Totalentfernung der Prostata), die externe Radiotherapie und die interstitielle (lokale) Brachytherapie.

Die Brachytherapie mit Seed-Implantation (Bestrahlung durch Radioisotope) steht beim lokal begrenzten Prostatakarzinom in Konkurrenz zur radikalen Prostatektomie, der konventionellen Bestrahlung und der frühen Hormontherapie.

Etwa 50 %der lokal begrenzten Prostatakarzinome werden in der USA einer Brachytherapie zugeführt. In Europa findet die Brachytherapie eine zunehmende Verbreitung. Die Kostenübernahme durch die Kassen ist allerdings noch ungeklärt.

Die radikale Prostatektomie ist immer noch die Standardtherapieoption des lokalisierten Prostatakarzinoms in Deutschland. Allerdings kommt die American Prostate Cancer Guidelines Panel aufgrund einer Literaturanalyse zu der Feststellung, dass zur Zeit kein deutlicher Unterschied zwischen den Verfahren der Radikaloperation, der externen Bestrahlung und der Brachytherapie besteht. Für die externe Bestrahlung sind die Überlebensraten fast vergleichbar mit der radikalen Prostatektomie bei ähnlichen Stadien.

Die interstitielle Brachytherapie ist eine Alternative zu den genannten Verfahren. Die transperineal applizierte Brachytherapie verwendet Jod-125 oder Palladium103. Allerdings ist die Brachytherapie nur indiziert bei Patienten mit einem auf das Organ beschränkten Krebs mit niedrigem PSA-Spiegel und niedrigem Gleason-Score.

Die unter transrektaler Ultraschallkontrolle durchgeführte transperineale Implantation in Spinalanästhesie oder Allgemeinnarkose ist heute eine Standardtechnik.

Die Brachytherapie wird im allgemeinen vor bzw. während der Behandlung mit einer Hormontherapie - LHRH-Analoga kombiniert.

Nach Untersuchungen zur Lebensqualität ist nach 3 bis 7,5 Monaten das Leben der Patienten wieder ungestört. Vorteile hat die Brachytherapie bei zusätzlichen belastenden Erkrankungen, bei denen eine radikale Prostatektomie nicht in Frage kommt. Nach radikaler Prostatektomie waren nach 7 Jahren 85 %, nach Brachytherapie 79 % rezidivfrei.

Eine zwingende Indikation für die Brachytherapie mit Seed-Implantation besteht nach allgemeiner Meinung zur Zeit nicht, da die anderen Verfahren zumindest gleichwertige Ergebnisse zur Folge haben. Bisher existieren keine Daten, die die Überlegenheit dieser Therapieform im Rahmen von gesicherten Studien belegen können. (02/2004)