Ist eine Behandlung mit Mistelextrakten sinnvoll?

Mistelextrakte

Die Mistel ist botanisch ein Halbschmarotzer und wurde zuerst durch den Begründer der Antroposophie Rudolf Steiner parenteral in der Tumortherapie eingesetzt, in einer Zeit also, in der er weder über die Inhaltsstoffe noch über die Wirkungsweise etwas wußte.

Die Anwendung von Mistelpräparaten steht beispielhaft für die Anwendung einer Gruppe von pflanzlichen Heilmitteln im Grenzbereich zwischen analytisch bestätigter und traditionell empirisch gefundener Wirksamkeit. Die Beobachtungen zeigen, dass diese pflanzlichen Präparate Tumorpatienten ein besseres Wohlbefinden schenken, schmerzlindernd wirken und z.T. auch das Zellwachstum hemmen können.

Heute werden Mistelpräparate mehr denn je diskutiert und sogar an Hochschulen geprüft. Es ist inzwischen gelungen, Einzelstoffe der Mistel zu isolieren und einzelne Präparate zu standardisieren. Inhaltsstoffe sind Ribonukleinsäuren, basische Viskoproteine, Viskotoxine sowie besonders die für die Wirksamkeit wahrscheinlich verantwortlichen Lektine.

Allerdings gibt es keine wissenschaftlichen Erkenntnisse die nachweisen, dass die Präparate speziell wirksam gegen Prostatakrebs sind, so dass eine Behandlung eigentlich nur als adjuvante unterstützende Therapie infrage kommt.

Ein absolut sicheres Therapieprinzip der Mistelpräparate beim Prostatakarzinom ist nicht belegt.

Aufgrund ihrer Popularität, geweckt durch umfangreiche Werbemaßnahmen und ausgedrückt in beachtlichen Umsätzen verdienen Mistelextrakte gesonderte Betrachtung. Marktgängig sind acht Produkte. Ihre Zulassung erfolgte im Rahmen der gesetzlichen Sonderregelung der "Besonderen Therapierichtungen" nach wesentlich erleichterten Bedingungen relativ zum Normalverfahren.

Trotz markanter Unterschiede in der Herstellung, Fermentation und Potenzierung nach den Regeln der Homöopathie einschließend, wird ein ähnlicher Indikations- und Wirksamkeitsanspruch für alle Marken erhoben. (02/2004)