Hormonbehandlung
Frage: Ich erhalte seit 2 Jahren zur Behandlung meines Prostatakarzinoms ein GnRH-Analogon und ein Antiandrogen. Unter dieser Behandlung kam es nun zum Fortschreiten der Erkrankung und der behandelnde Arzt will nun das Antiandrogen absetzen. Ist das sinnvoll und wie soll ich das verstehen?
Antwort: Ja, es ist sinnvoll, da bei kompletter Androgenblockade über einen längeren Zeitraum das Antiandrogen nicht mehr als Gegenspieler des männlichen Sexualhormons wirkt (Antiandrogen), sondern durch Veränderung des Rezeptors als Androgen und damit das Tumorwachstum fördert. Setzt man also das Antiandrogen ab und behandelt alleine mit dem GnRH-Analogon weiter, kann es in vielen Fällen zu einer Rückbildung des Tumorwachstums kommen. Man nennt dies im englischen Sprachgebrauch "antiandrogen withdrawal syndrome".
Frage: Ich leide unter starkem Schwitzen und Hitzewallungen, seitdem ich ein GnRH-Analogon zur Behandlung meines Prostatakarzinoms erhalte. Ich möchte daher meine Hoden chirurgisch entfernen lassen. Gehen dann diese unerwünschten Begleiterscheinungen zurück?
Antwort: Nein, das ist nicht sinnvoll, da die Spritze mit einem GnRH-Analogon die chirurgische Entfernung der Hoden ersetzt und diese Nebenwirkungen auch bei chirurgischer Kastration weiter bestehen bleiben.
Frage: Kann man gegen Schwitzen und Hitzewallungen, die mich insbesondere nachts belästigen, etwas tun?
Antwort: Man kann durch verschiedene Medikamentengruppen (Östrogene, Gestagene und Clonidin) Schwitzen und Hitzewallungen günstig beeinflussen. Da alle diese Substanzen aber auch Nebenwirkungen haben können, müssen Sie mit Ihren Arzt absprechen, welches Medikament für Sie am besten geeignet ist.
Frage: Ich habe bisher 4 Spritzen eines 3-Monats-Depot GnRH-Analogon erhalten. Das Prostatakarzinom ist vollständig abgeklungen und es sind keine Krebszellen mehr nachweisbar. Ich möchte die Behandlung beenden, da ich in einer neuen Partnerschaft lebe.
Antwort: Die Behandlung mit einem GnRH-Analogon ist grundsätzlich eine lebenslange Behandlung und Sie sollten diese nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt abbrechen. Wenn Ihnen aber Ihre Potenz so wichtig ist, könnten Sie mit Ihrem Arzt eine ganz engmaschige Kontrolle des PSA-Wertes absprechen. Spätestens dann, wenn der PSA- Wert wieder ansteigt, sollten Sie die Behandlung erneut beginnen. Diese Behandlungsform ist derzeit eigentlich nur klinischen Studien vorbehalten, da Langzeitergebnisse noch fehlen.
Frage: Ich habe ein Prostatakarzinom und erhalte ein Monats-Depot eines GnRH-Analogons. Die monatliche Anreise zum Urologen macht mir große Mühe, da ich bereits 83 Jahre alt bin. Gibt es keine länger wirkenden Spritzen?
Antwort: Zu den GnRH-Analoga gibt es seit einiger Zeit auch 3-Monats-Depot Formulierungen, d.h., Sie erhalten nicht 12, sondern nur 4 Spritzen pro Jahr. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob er Sie auf ein solches 3-Monats-Depot umstellen kann.
(02/2004)
