Gutartige Prostatavergrößerung
Benigne Prostatahyperplasie (BPH) und benignes Prostatasyndrom (BPS)
Frage: Im Zusammenhang mit der gutartigen Prostatavergrößerung tauchen so viele verschiedene Begriffe auf, z.B. Hyperplasie, Hypertrophie, Adenom, Prostatasyndrom. Was bedeutet das alles?
Antwort: Die korrekte Bezeichnung für die gutartige Prostatavergrößerung ist benigne Prostatahyperplasie (BPH). Mit benigner Prostatahypertrophie und Prostataadenom ist dasselbe gemeint. Diese Begriffe sind aber medizinisch nicht ganz richtig und werden deshalb immer seltener verwendet. Unter einem benignen Prostatasyndrom (BPS) versteht man die Krankheitszeichen (z.B. Miktionsstörungen), die von einer BPH verursacht werden. Die einzelnen Begriffe werden im Lexikon genauer erklärt.
Frage: Wie oft kommt eine gutartige Prostatavergrößerung vor?
Antwort: Die Häufigkeit von BPH und BPS nimmt mit dem Alter zu, auf mehr als 80% bzw. 56% im Alter ab 70 Jahren. Näheres hierzu siehe Häufigkeit des BPS.
Frage: Wodurch wird eine gutartige Prostatavergrößerung verursacht?
Antwort: Die genauen Ursachen sind nach wie vor unbekannt. Man weiß aber, dass mit zunehmendem Alter hormonelle Veränderungen eintreten, die eine Rolle spielen. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter Ursachen und Entstehung des BPS.
Frage: Welche Beschwerden kann eine gutartige Prostatavergrößerung auslösen?
Antwort: Die Beschwerden können ausgesprochen vielfältig sein. Sie hängen sehr davon ab, wie stark der Harnabfluss aus der Blase behindert ist und ob Reizerscheinungen (wie zum Beispiel bei Entzündungen) vorliegen. Die ersten Zeichen sind meist eine verzögert einsetzende Harnentleerung, eine Abschwächung des Harnstrahls und - oft am auffälligsten - das nächtliche Wasserlassen. Eine Übersicht gibt der Artikel Zeichen und Komplikationen des BPS.
Frage: Warum soll man sich beim BPS untersuchen lassen und was wird untersucht?
Antwort: Wichtig ist die Untersuchung aus drei Gründen: Erstens, um eventuelle unbemerkte Komplikationen wie eine Rückstauung (Restharnbildung) festzustellen. Zweitens ist es nützlich, einen Ausgangsbefund zu haben, um eine mögliche Veränderung besser beurteilen zu können. Und drittens lässt sich ohne Untersuchung keine vernünftige Entscheidung über die Behandlung treffen. Neben der Vorgeschichte, der körperlichen Untersuchung und Urinuntersuchungen, kommt vor allem die Harnflussmessung und eine Ultraschalluntersuchung in Betracht. Einzelheiten hierzu siehe Untersuchung beim BPS.
Frage: Wie wird eine gutartige Prostatavergrößerung behandelt?
Antwort: Die Behandlung richtet sich nach den Untersuchungsbefunden und eventuell vorhandenen Komplikationen, insbesondere aber auch nach den Beschwerden. Zunächst geht es um die Weichenstellung zwischen kontrolliertem Zuwarten, medikamentöser Behandlung und operativem Eingriff. Hinweise zu dieser Entscheidungsfindung gibt der Artikel Behandlung des BPS.
Frage: Welche Medikamente kommen bei BPS infrage?
Antwort: Phytopharmaka, Alpha-Blocker und 5-alpha-Reduktase-Hemmer. Phytopharmaka (pflanzliche Arzneimittel) können die Beschwerden deutlich lindern und bessern den Harnabfluss. Die Wirkung von Alpha-Blockern setzt schneller ein, und sie verbessern den Harnabfluss aus der Blase intensiver. 5-alpha-Reduktase-Hemmer führen außerdem noch zur Verkleinerung der Prostata. Die Auswahl richtet sich vor allem nach den Untersuchungsbefunden. Am besten, Sie besprechen mit Ihrem Arzt, welches Medikament in Ihrem Fall am besten geeignet, wirksam und verträglich ist. Näheres hierzu siehe Medikamente zur BPS-Behandlung.
Frage: Ich habe Werbung für ein Medikament mit Vitaminen bekommen, das bei gutartiger Prostatavergrößerung hervorragend helfen soll. Was ist davon zu halten?
Antwort: Ohne Kenntnis des Präparats lässt sich dazu nur folgendes sagen: Eine positive Wirkung von Vitaminen bei BPS ist bisher nicht nachgewiesen. Heilversprechen gelten generell als unseriös, und Sie sollten immer hellhörig werden, wenn Betroffene begeistert von sagenhaften Verbesserungen berichten. Denn dann geht es meist nicht um Ihre Gesundheit, sondern um finanzielle Interessen des Anbieters. Im Magazin finden Sie einen Artikel über eine solche unseriöse Werbung. Weiter ...
Frage: Wie kann eine vergrößerte Prostata operiert werden? Ist Lasern besser als Abhobeln?
Antwort: Zur Operation bei BPS gibt es zahlreiche Verfahren. Die Auswahl richtet sich vor allem nach den Untersuchungsbefunden, dem Ziel der Operation und dem Eingriff selbst: Mögliche Belastung, eventuelle Komplikationen und Erfolgsaussichten. Standard ist die TUR-P ("Abhobeln"), und daran müssen sich neuere Verfahren messen lassen. Für die verschiedenen Laserverfahren liegen zum Teil noch keine ausreichenden Langzeitergebnisse vor, obwohl sie hinsichtlich des Blutverlustes von Vorteil zu sein scheinen. Die Zeit nach der Operation kann hingegen belastender sein, und eine Untersuchung des entfernten Gewebes auf Krebs ist bei den meisten Verfahren nicht möglich. Mehr Informationen finden Sie unter Operationsverfahren zur BPS-Behandlung.
Frage: Kann man mit asiatischer bzw. mediterraner Kost gegen eine Vergrößerung der Prostata vorbeugen?
Antwort: Leider konnten bislang nur wenige Möglichkeiten zur Vorbeugung gegen BPS nachgewiesen werden. Weder eine bestimmte Ernährungsform oder Diät, noch Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel. Es sind aber auch keine beeinflussbaren Faktoren bekannt, die das Risiko erhöhen würden. Eine fettreduzierte und eiweißarme Kostform wie die asiatische und mediterrane Kost, die gegen zahlreiche andere Krankheiten vorbeugen sollen, wird allgemein empfohlen. Weiteres hierzu siehe Vorbeugung gegen BPS.
Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie in der Rubrik "Wissen" im Abschnitt Benignes Prostatasyndrom (BPS).
Autoren: Prof. Dr. med. J. Sökeland und Dr. med. Hubert E. Weiß, 30.06.2005
