Beiträge lesen
Wollen Sie die Fragen anderer Nutzer samt Expertenantworten einfach einmal durchlesen? Hier finden Sie sie alle derzeit verfügbaren Beiträge in umgekehrt chronologischer Reihenfolge, das heißt, die neuesten zuerst.
| 03.08.2012 | Prostataentzündung, andere Frage Prostatopathie ? ! |
| Frage: | Hallo, hatte mit 23 meine erste Prostataentzündung, dann mit 28 meine zweite (23.06.2011)beide wurden mit Antibiotika behandelt. Jetzt hatte ich die letzten 6 wochen brennende Schmerzen in den Schenkelinnen-seiten,Hoden,Afterbereich. War bei drei Urologen bei allen wurde nichts festgestellt im : Blut /Sperma / Urin / Prostata wurde abgetastet überhaupt kein Schmerz also keine Anzeichen von einer Entzündung. Was kann das sein ? Stress Nervenreizung ? Gruss von Th.. |
| Antwort: | Von Prof. Dr. med. J. Sökeland >>Frage beantworten Sehr geehrter Patient, besten Dank für Ihre Mail. Ein so genanntes Prostatasyndrom kann schwierig zu behandeln sein. Eine Information lege ich bei. Mit freundlichen Grüßen Ihr Sökeland Prostata-Syndrom (Prostatitis) Als drüsiges, gut durchblutetes Organ, das regelmäßig normalen Schwellungen (Stuhlgang, Geschlechtsverkehr, Wasserlassen) unterliegt, ist die Prostata häufig Sitz von Infektionen. Ein „prostatischer Symptomenkomplex" ist bei jedem 2. Mann zumindest zeitweise im Laufe seines Lebens anzutreffen. Das Prostatitis Syndrom gliedert sich nach der Einteilung des National Institutes of Health (NIH) in folgende unterschiedliche Erkrankungen: I. akute, bakterielle Prostatitis II. chronische, bakterielle Prostatitis III. chronisches Schmerzsyndrom des Beckens (Prostatodynie) Entscheidungskriterium zwischen den Prostatitisformen ist der Nachweis eines entzündlichen Prostatasekretes. Akute Prostatitis Definition: Es handelt sich um eine akute, bakterielle Entzündung der Prostata. Ursache: Oft beruht die akute Prostatitis auf einer fortgeleiteten Harnwegsinfektion wie Harnröhrenentzündung –(Urethritis), Blasenentzündung-(Zystitis) oder einer fortgeleiteten Nebenhodenentzündung –(Epididymitis). Auch kann es nach urologischen Eingriffen wie Katheterisierung oder Blasenspiegelung (Zystoskopie) zur Entwicklung einer akuten Prostatitis kommen. Symptomatik: Wie bei einer Blasenentzündung finden sich zunächst Beschwerden beim Wasserlassen (häufig oder schmerzhaft) und nicht unterdrückbarer (imperativer) Harndrang. Darüber hinaus treten hohes Fieber mit Schüttelfrost, Dammschmerzen, häufiger Stuhldrang und Schmerzen bei der Stuhlentleerung sowie zuweilen ein leichter Ausfluss aus der Harnröhre auf. Diagnostik: Bei der Untersuchung kann eine vergrößerte, deutlich druckschmerzhafte Prostata getastet werden. Im Urin zeigen sich reichlich entzündliche Veränderungen(Leukozyten, Erythrozyten und Epithelien). Therapie: Wichtig in der Therapie der akuten Prostatitis ist eine hochdosierte Antibiotikatherapie. Weiterhin sind eine geregelte Darmentleerung sowie entsprechende Schmerzbekämpfung notwendig. Chronische bakterielle Prostatitis Definition: Bei der chronischen Prostatitis handelt es sich um eine chronische, bakterielle Entzündung der Prostata. Ursache: Die chronische Prostatitis kann als Restzustand einer akuten Prostatitis entstehen, sich aber auch aufsteigend über die Harnröhre (kanalikulär aszendierend) oder auf dem Blutweg (hämatogen) entwickeln. Symptomatik: Charakteristisch sind ein leichtes Spannungs , Druck und Kältegefühl in der Dammgegend mit Ausstrahlung in die Hoden und Leisten, Kreuzschmerzen, verstärkt beim Aufrichten nach längerem Sitzen, eine Kälteabhängigkeit der Beschwerden sowie Störungen der Sexualfunktion. Diagnostik: In der Anamnese finden sich eine akute Prostatitis, Nebenhodenentzündung (Epididymitis) oder Harnröhrenentzündung (Urethritis) in der Vergangenheit. Die Prostata ist bei der Untersuchung druckempfindlich, z.T. auch druckschmerzhaft. In der Harnprobe lassen sich Entzündungselemente (Leukozyten,Bakterien) nachweisen. Differentialdiagnostik: Bei Erkrankungen im Bereich des Afters (Analfissuren, Analfisteln und inneren Hämorrhoiden) bestehen gelegentlich ähnliche Symptome wie bei einer chronischen Prostatitis. Man spricht auch vom sog. Genito Anal Syndrom. Bei unklaren Prostatabeschwerden ist eine sorgfältige proktologische Untersuchung durchzuführen. Nach Sanierung der proktologischen Erkrankung können die Patienten von Seiten des Genitales beschwerdefrei werden. Therapie: Die chronische Prostatitis wird mit Antibiotika aber auch mit beruhigenden (sedierenden) und durchblutungsfördernden pflanzlichen Präparaten sowie mit Schmerzmitteln und krampflösenden Medikamenten (spasmoanalgetisch) behandelt. Wichtig sind auch die Stuhlgangsregulierung bei Verstopfung (Obstipation). Chronisches Schmerzsyndrom des Beckens Definition: Unter diesem Begriff werden die chronische abakterielle Prostatitis und die Prostatodynie zusammengefasst. Synonyme: Prostatopathie, Prostatose, Beckenbodenmyalgie, vegetatives Urogenitalsyndrom Definition: Bei dem nicht entzündlichen Schmerzsyndrom des Beckens bzw. Prostatodynie handelt es sich um ein psychosomatisches Krankheitsbild unklarer Genese mit vielfältiger Terminologie. Epidemiologie: Betroffen sind am häufigsten Männer zwischen 25 und 40 Jahren. Symptomatik: Die Prostatodynie hat die gleichen Symptome wie die echte Prostatitis, ohne dass eine Entzündung vorliegt. Lokale oder allgemeine Entzündungszeichen sind daher nicht nachweisbar. Charakteristisch für die Patienten ist eine intensive Beeinträchtigung durch die subjektiven Beschwerden: Druckgefühl am Damm, ziehende Beschwerden in den Leisten mit Ausstrahlung in die Hoden, vermehrter Harndrang, gelegentlich erschwertes, verlangsamtes Wasserlassen, Brennen in der distalen Harnröhre, Nachträufeln von Harn, Druck- oder Kältegefühl sowie Brennen hinter dem Schambein, Spannungsgefühl im Kreuzbeinbereich, Potenzstörungen. Diagnostik: Durch eine fachärztliche Untersuchung sind systematisch alle organischen Veränderungen bzw. Erkrankungen auszuschließen. Therapie: Es ist notwendig, dem Patienten die somatischen und psychischen Zusammenhänge seiner Erkrankung in verständlicher Form nahe zu bringen, um auch seine Eigenaktivität in der Krankheitsbewältigung zu fördern. Generell profitieren die Patienten von einer Psychotherapie. Vor allem psychodynamische und verhaltensmedizinische Therapieansätze zeigen positive Behandlungsergebnisse. Ergänzend können Entspannungsübungen (z.B. autogenes Training, Körpertherapie) hilfreich sein. Unterstützt wird die Behandlung mit sedierenden und durchblutungsfördernden, u.U. pflanzlichen Präparaten. Aber auch eine spasmoanalgetische Medikation kann zu einer Besserung führen. Wichtig ist die Stuhlregulation bei Obstipation. Antibiotika sind nur bei positiver Urin und Exprimatkultur indiziert. |