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Dr. med. Hubert E. Weiß (31.10.2007)

Umstrittene Urintests zur Prostatakrebs-Diagnostik

In einer Pressemitteilung haben Bonner Urologen vor teuren Urintests gewarnt und damit eine Lawine von Veröffentlichungen ausgelöst, darunter auch eine Reaktion einer Herstellerfirma.

Gegenstand der Kontroverse sind neue Testverfahren, deren Ziel es ist, aus einer Urinprobe die Diagnosestellung eines Prostatakarzinoms zu verbessern. Dabei wird das Vorhandensein oder die Veränderung von bestimmten Stoffen (von so genannten Biomarkern) im Urin gemessen, zum Beispiel das Muster besonderer Eiweiße (Proteine).

Es gibt bereits viele Studien zur Prostatakarzinomdiagnostik anhand von verschiedenen, bislang bekannten Biomarkern im Urin, im Blut (z.B. PSA) und in entnommenem Gewebe, andere Studien laufen derzeit. Dabei müssen insbesondere folgende Fragen stichhaltig beantwortet werden: Zu welchem Zweck ist der Marker geeignet (z.B. zur Früherkennung)? Bietet der Marker Vorteile gegenüber dem derzeitigen Standard, dem PSA (inkl. Spezial- und Verlaufsmessungen des PSA; z.B. früheres oder sichereres Erkennen, kostengünstiger)? Kann man wegen der Messung des Markers auf eine sonst angezeigte Biopsie (Probeentnahme) oder gar auf die Sicherung der Diagnose mittels Biopsie verzichten?

In seiner Stellungnahme warnt das Urologische Netzwerk Bonn (UNB) vor falschen Erwartungen an neue Urintests zur Früherkennung des Prostatakarzinoms. Einige Tests seien bereits auf dem Markt erhältlich und würden zum Teil massiv beworben. Derzeit empfehle man Männern ab dem 45. Lebensjahr einmal im Jahr ein PSA-Test für rund 25 Euro. Ein neuer Test auf veränderte Eiweiße im Urin kostete den Patienten jedoch meist mehrere Hundert Euro.

Die Bonner Urologen sehen zudem den Nutzen dieser Tests als bislang nicht hinreichend belegt an. Es gebe "noch keine wissenschaftlich haltbaren Beweise, dass hier ein vertretbares Kosten/Nutzen-Verhältnis bestehe und diese Tests ein Prostatakarzinom besser vorhersagen könnten, als regelmäßige PSA-Bestimmungen, klinische Untersuchungen, transrektale Ultraschalldiagnostik und die nicht zu unterschätzende Erfahrung eines Urologen".

Dagegen wehrt sich die DiaPat GmbH in einer Pressemitteilung. Die Firma benutze die Protein-Muster-Diagnostik auch zur Diagnose von Prostatakrebs. Damit könne "Krebs aus einer Urinprobe, und damit für den Patienten risikolos, im Gegensatz zur Gewebeentnahme mittels Biopsie, diagnostiziert werden". Allerdings habe ihr Test "nicht zum Ziel, die Biopsie zu ersetzen, sondern als Ergänzung zum PSA-Test zu wirken", und mit dem Test ließen sich unnötige Biopsien vermeiden. Die Datenlage zur DiaPat-Technologie könne als gesichert bezeichnet werden. Hierzu verweist die Firma auf mehrere Studien, wovon die beiden für ihre Argumentation wichtigsten leider nicht mit einem Zitat belegt werden.

Fazit: Die Fachwelt ist sich offensichtlich noch uneins über den Wert der neuen Urintests zur Früherkennung des Prostatakarzinoms. Deshalb empfiehlt es sich, vor der Anwendung eines solchen Tests genaue Informationen einzuholen, sich am besten vom behandelnden Urologen eingehend und vor allem individuell beraten zu lassen.

Quellen:

Prostatakrebs: Warnung vor kostspieligen Urintests. Stellungnahme des "Urologischen Netzwerkes Bonn" (UNB). Pressemitteilung der Universität Bonn vom 9.7.07 (-> zum Artikel)
Diagnostik aus Urin zur Erkennung von Prostatakrebs. Pressemitteilung der DiaPat GmbH vom 13.7.07 (-> Download [PDF, 73 KB])

Weitere Informationen:

Stellungnahme der DGU: Für den Patienten kostenpflichtige Harnbestimmungen auf Prostatakarzinom. Artikel vom 12.7.07 auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU)
In der Rubrik "Wissen" im Abschnitt "Prostatakarzinom" unter Untersuchung
In der Rubrik "Wissen" im Abschnitt "Untersuchungen" unter Prostatabiopsie
In der Rubrik "Wissen" im Abschnitt "Untersuchungen" unter PSA-Bestimmung
Im Magazin im Abschnitt "Diagnostik" unter PSA-Test erneut in der Diskussion

 

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