Dr. med. Hubert E. Weiß (15.09.2008)
Fettverzehr beeinflusst das Risiko für TumorrezidivGesättigte Fettsäuren erhöhen die Gefahr für einen PSA-Wiederanstieg nach radikaler Prostatektomie, also für ein Rezidiv (Wiederauftreten) des Prostatakarzinoms, so das Ergebnis einer neuen amerikanischen Studie.
Fette sind für viele Organismen, auch für den Menschen wegen ihres hohen Brennwerts der wichtigste Energiespeicher. Jedes Fettmolekül besteht aus Glyzerin, einem dreiwertigen Alkohol, der mit drei, gegebenenfalls sehr unterschiedlichen Fettsäuren verbunden ist. Deren Sättigung (mit Wasserstoff) bestimmt ihren Wert für die Ernährung:
Nur Pflanzen können bestimmte ungesättigte Fettsäuren bilden, die der Mensch als Ausgangsstoff für unverzichtbare Bestandteile jeder Zelle braucht. Sie gelten deshalb als essentiell, als lebensnotwendige Nahrungsbestandteile wie Vitamine. Tierische Nahrungsmittel enthalten überwiegend gesättigte Fettsäuren und nur wenig ungesättigte.
Dass ungesättigte Fettsäuren gesünder sind als gesättigte, ist allgemein bekannt. So gelten Fett (vor allem tierische, gesättigte Fettsäuren) und Übergewicht als Risikofaktoren für die Entstehung eines Prostatakarzinoms (s. Ursachen). Übergewicht erhöht zudem das Risiko für einen PSA-Wiederanstieg nach radikaler Prostatektomie und perkutaner Strahlentherapie bei lokal begrenztem Prostatakarzinom (zu diesen Behandlungen siehe radikale Prostatektomie und Strahlentherapie).
Eine mögliche Erklärung dafür ist der bei Übergewicht veränderte Hormonstoffwechsel. Da Übergewicht mit einer erhöhten Zufuhr von Energie und damit von Fett einhergeht, könnte der Effekt aber auch auf gesättigte Fettsäuren zurückgehen. Dieser Möglichkeit gingen Forscher aus Houston (Texas, USA) in einer neuen Untersuchung nach:
Teilnehmer der Studie waren 390 Männer, die sich wegen eines lokal begrenzten Prostatakarzinoms einer radikalen Prostatektomie unterzogen hatten. Sie wurden über ihre Ernährungsgewohnheiten im Jahr vor der Diagnose befragt, in zwei Gruppen mit unterschiedlich hohem Verzehr an gesättigten Fettsäuren eingeteilt und bei einem BMI (Body-Mass-Index) ab 30kg/qm als (stark) übergewichtig eingestuft. Daneben erfasste man viele weitere Daten, auch über andere Risikofaktoren (z.B. des Tumors anhand des histologischen Befunds) und die körperlichen Aktivitäten.
Ergebnisse
Im Vergleich zu der Gruppe mit niedrigem und mäßigem Anteil an gesättigten Fettsäuren in der Nahrung (Gruppe N) waren in der Gruppe mit hohem Anteil (Gruppe H) das Durchschnittsalter etwas geringer sowie (erwartungsgemäß) der BMI und die Zufuhr von Kalorien und Fett etwas höher. Sonst waren die Gruppen vergleichbar. Ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Anteil an gesättigten Fettsäuren und anderen Faktoren fand sich nicht, auch nicht mit körperlichen Aktivitäten oder dem Körpergewicht.
Fünf Jahre nach der Operation waren 80% der N-Gruppe „PSA-frei“ (darunter 85% der Normalgewichtigen und 70% der Übergewichtigen), aber nur 65% der H-Gruppe. Insgesamt stieg der PSA-Wert während der Nachbeobachtungszeit bei 20% der Männer wieder an. In der H-Gruppe geschah dies deutlich häufiger und früher als in der N-Gruppe: Im Schnitt fast doppelt so oft und nach 27 gegenüber 45 Monaten. Übergewichtige Männer der H-Gruppe hatten die kürzeste „PSA-freie“ Überlebenszeit (19 Monate), Normalgewichtige der H-Gruppe (29 Monate) wie Übergewichtige der N-Gruppe (42 Monate) eine mittlere und Normalgewichtige der N-Gruppe die längste (46 Monate).
Fazit der Autoren
Das Risiko für einen PSA-Wiederanstieg nach radikaler Prostatektomie bei lokal begrenztem Prostatakarzinom steigt bei hohem Anteil an gesättigten Fettsäuren in der Nahrung vor der Diagnose: Er tritt fast doppelt so oft und erheblich früher ein als bei niedrigem Anteil. Und dies unabhängig von einem eventuellen Übergewicht, das sich als eigener, schwächerer Risikofaktor gezeigt hat.
Wie die Wirkung der gesättigten Fettsäuren zustande kommt, ließ sich mit dieser Studie nicht erklären (z.B. Einfluss auf die Geschlechtshormone oder auf Insulin, gleichzeitige Zufuhr von anderen, in den gleichen Nahrungsmitteln vorkommenden Stoffen). Auch dafür sind weitere Untersuchungen nötig. Dann würde man den Zusammenhang zwischen der Krankheit und beeinflussbaren Faktoren wie Ernährung und Übergewicht besser verstehen und könnte Methoden entwickeln, um bei Patienten mit Prostatakarzinom durch eine geringere Zufuhr von gesättigten Fettsäuren das Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung zu vermindern sowie um Patienten mit einem hohen Risiko zu erkennen und gezielt zu behandeln.
Anmerkungen: In einer anderen Studie fand sich kein Einfluss des BMI auf das „PSA-freie“ Überleben (s. Radikale Prostatektomie bei übergewichtigen Männern mit Prostatakarzinom). Weil bei Übergewichtigen die PSA-Werte geringer sind als bei Normalgewichtigen, könnte bei ihnen ein Rezidiv etwas später erkannt werden, also eher noch früher eintreten, als in dieser Studie festgestellt wurde (s. Spätere Krebsdiagnose bei Übergewicht?).
Quelle: Strom, S. S., et al.: Saturated fat intake predicts biochemical failure after prostatectomy. Int. J. Cancer, 122:2581–2585 (2008)
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