Dr. med. Hubert E. Weiß (08.12.2009)

Neues zur chronischen Prostataentzündung

Zum Zusammenhang zwischen Prostatitis und ungewollter Kinderlosigkeit sowie zur Behandlung der Prostatitis mittels Osteopathie und Medikamenten wurden auf dem deutschen Urologenkongress 2009 vier neue Studien vorgestellt.

Nach der ersten Untersuchung (Diemer) könnte die Rolle der Prostataentzündung bei ungewollter Kinderlosigkeit unterschätzt werden. Bis zu 20% davon sollen verursacht sein von der MAGI (engl. male accessory gland infection, wörtlich: Entzündung der männlichen Nebendrüsen, das sind Nebenhoden, Samenblasen und Prostata, medizinisch: Samenwegsinfektion). Sie ist nach Kriterien der WHO (World Health Organization) klassifiziert, während die Prostatitis nach Kriterien der NIH (National Institutes of Health, USA) eingeteilt wird. So waren zwar mit beiden Systemen alle Fälle einer chronischen Entzündung von Nebenhoden (Epididymitis) oder Harnröhre (Urethritis) erkennbar. Jedoch wurden mit der Diagnose MAGI nur ein kleiner Teil der Männer mit einer chronisch bakteriellen oder chronisch entzündlichen Prostatitis (NIH II und IIIa) erfasst. Damit erwiesen sich die WHO-Kriterien zum Erkennen solcher Entzündungen als ungeeignet.

Dagegen stellt eine andere Studie den Zusammenhang zwischen Prostataentzündung und Unfruchtbarkeit infrage (F. Wagenlehner). Darin zeigte sich kein Zusammenhang zwischen Entzündungszeichen im Sperma und der Spermaqualität, weder bei Männern mit chronisch entzündlicher oder chronisch nicht-entzündlicher Prostatitis (NIH IIIa oder IIIb) noch bei unfruchtbaren Männern. Die Entzündungszeichen im Sperma und die subjektive Befindlichkeit der Prostatitis-Patienten hingen ebenfalls nicht zusammen.

Die Behandlung der chronischen nicht bakteriellen Prostatitis (chronisches Beckenschmerzsyndrom, NIH III) war Gegenstand einer Studie mit 33 Patienten (Marx). Über 8 Wochen erhielten 20 davon je 5 osteopathische Behandlungen (ganzheitliche Therapie mit speziellen Grifftechniken), 13 jedoch nur gleich viele Scheinbehandlungen mit einfachen gymnastischen Übungen. Anschließend waren die Beschwerden beim Wasserlassen, die Schmerzen durch die Entzündung und die Lebensqualität in der Osteopathie-Gruppe deutlich besser, während sie in der Kontrollgruppe praktisch gleich blieben. Bei Kontrolluntersuchungen 6 Wochen nach der letzten Behandlung und 1,5 Jahre später waren die Verbesserungen in der Osteopathie-Gruppe sogar noch etwas höher. Damit ist die Osteopathie vielleicht eine interessante Option bei der nicht selten schwierigen Behandlung der chronischen Prostatitis.

Dass ein pflanzliches Präparat aus Gräserpollen, das zur Behandlung des benignen Prostatasyndroms (BPS) dient, auch bei Prostataentzündung wirksam ist, ergab eine Studie mit 93 Männern (F. M. E. Wagenlehner). Nach einer Behandlungsdauer von 24 Wochen besserten sich bei Patienten mit chronisch entzündlicher Prostatitis (NIH IIIa) sowohl die subjektive Befindlichkeit als auch die Zahl der Entzündungszellen im Urin, ohne dass bedeutende Nebenwirkungen auftraten.

Quellen

61. Kongress der DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.), Dresden, 16.-19.9.09, Vortragssitzung 10 „Infektionen“ am 18.9.09:

  • Diemer, T., et al.: Die WHO-Kriterien zur Diagnose einer „Male Accessory Gland Infection“ (MAGI) bei infertilen Männern korrespondieren nicht mit der NIH-Klassifikation der Prostatitis / Chronisches Beckenschmerzsyndroms (CP/CPPS). Abstract V 10.5, Urologe 2009; 48 (Suppl 1): 114
  • Marx, S., et al.: Einfluss osteopathischer Behandlungsverfahren auf die Symptome bei Patienten mit chronischer abakterieller Prostatitis / chronischem Beckenschmerzsyndrom (CAP/CPPS): Eine prospektiv randomisiert Placebo-kontrollierte Studie. Abstract V 10.4, Urologe 2009; 48 (Suppl 1): 114
  • Wagenlehner, F., et al.: Korrelation von Entzündungs- und Spermaqualitätsparametern bei Patienten mit chronischer Prostatitis/ chronischem Beckenschmerzsyndrom und infertilen Patienten. Abstract V 10.7, Urologe 2009; 48 (Suppl 1): 115
  • Wagenlehner, F. M. E., et al.: (Titel wegen Nennung von Produktnamen gelöscht) Abstract V 10.6, Urologe 2009; 48 (Suppl 1): 114–115

Marx, S., et al.: Chronische Prostatitis / chronisches Beckenschmerzsyndrom. Einfluss osteopathischer Behandlungen – eine randomisiert kontrollierte Studie. Urologe 2009, online first 26.8.09

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