Dr. med. Hubert E. Weiß (02.02.2011)

Erneut positive Ergebnisse beim PSA-Screening

Die Reihenuntersuchung mittels PSA-Test senkt die Sterblichkeit an Prostatakrebs nach 14 Jahren um fast die Hälfte, so der wichtigste Schluss in der Zwischenauswertung einer schwedischen Langzeitstudie.

Unter dem PSA-Screening versteht man die Reihenuntersuchung Gesunder auf das Vorliegen eines Prostatakarzinoms mittels PSA-Test. Dieser ist kein Bestandteil der gesetzlichen Krebsvorsorge, weil die Wirksamkeit des PSA-Screening bislang als unbewiesen galt. Hierzu wurden 2009 die Zwischenauswertungen von zwei Studien veröffentlicht, von der wegen ihrer Methodik kritisierten amerikanischen PLCO und von der europäischen ERSPC (wir berichteten, s. Diskussion um das PSA-Screening trotz positiver Ergebnisse). Bei Letzterer betrug die Nachbeobachtungszeit (nur) 9 Jahre, und es wurde gezeigt, dass das PSA-Screening das Sterberisiko an Prostatakrebs um 20% senkt. Dieses positive Ergebnis wurde jetzt von der Zwischenauswertung einer schwedischen Studie noch übertroffen:

Dabei wurden Ende 1994 aus dem Einwohnerregister von Göteborg 20.000 zwischen 1930 und 1944 geborene (50-64 Jahre alte) Männer ausgewählt und zufällig entweder einer Screening-Gruppe oder einer Kontrollgruppe zugeteilt. Die Männer der ersten Gruppe lud man dann alle zwei Jahre zu einem PSA-Test ein bis zu einem Alter von höchstens 71 Jahren. Ab einem PSA-Grenzwert, der zunächst bei 3,4ng/ml, ab 1999 bei 2,9ng/ml und ab 2005 bei 2,5ng/ml lag, bot man ihnen eine urologische Diagnostik an mit Tastuntersuchung (DRU), Ultraschall (TRUS) und Prostatabiopsie.

Eingeschlossen waren schließlich in beiden Gruppen jeweils 9.952 Männer, und die Nachbeobachtungszeit betrug im Schnitt 14 Jahre. In der Screening-Gruppe ließen sich 7.578 (76%) Männer mindestens einmal testen; bei 1.046 (13,8%) von ihnen entdeckte man Prostatakrebs, zum allergrößten Teil in einem frühen Stadium, und 27 starben daran. Von den restlichen 2.374 Ungetesteten erkrankten 92 (3,9%), und es starben 17. Insgesamt kam es in dieser Gruppe zu 1.138 Erkrankungsfällen (11,4%) und 44 Todesfällen. In der Kontrollgruppe erkrankten dagegen 718 (7,2%) und starben 78 an Prostatakrebs.

Die statistische Auswertung ergab, dass in der Screening-Gruppe die Wahrscheinlichkeit für die Entdeckung eines Prostatakarzinoms viel höher ist als in der Kontrollgruppe (11,4% gegenüber 7,2%, sog. Hazard Ratio 1,64), das absolute Sterberisiko an Prostatakrebs jedoch um 44% geringer (kumulativ über 14 Jahre 0,5% gegenüber 0,9%, sog. Rate Ratio 0,56). Letzteres fiel mit 56% sogar noch deutlicher aus, wenn man nur die Getesteten mit der Kontrollgruppe verglich, während bei den Ungetesteten kein Unterschied festzustellen war (Rate Ratio 1,05). Um den Tod eines Mannes an Prostatakrebs zu verhindern, mussten 293 Männer zum PSA-Screening eingeladen und 12 behandelt werden.

Von den an Prostatakrebs gestorbenen Männern, die sich hatten testen lassen, waren 70% (19 von 27) zu Beginn der Studie mindestens 60 Jahre alt, und die Hälfte war schon beim ersten Test aufgefallen. Bei einem echten Screening, das alle Männer ab 50 Jahren nutzen, würde der Tumor bei einigen davon in einem noch heilbaren Stadium erkannt, so dass die Verminderung des Sterberisikos noch größer ausfallen könnte, so die Autoren.

Dass der Effekt des PSA-Screenings deutlicher ist als in der europäischen ERSPC-Studie, erklärt sich an den Kurven für das Sterberisiko an Prostatakrebs in der Screening-Gruppe und in der Kontrollgruppe: Sie bewegen sich erst ab einer Nachbeobachtung von mehr als 10 Jahren weiter auseinander. Die Anzahl der Untersuchungen beziehungsweise Behandlungen zur Verhinderung eines Todesfalls sind hingegen viel niedriger als bei der ERSPC-Studie (Screening bei 293 gegenüber 1.068, Behandlung bei 12 gegenüber 48). Dies bedeutet ein wesentlich geringeres Risiko unnötiger Diagnosen und Behandlungen (sog. Überdiagnose bzw. Übertherapie) während der längeren Nachbeobachtungszeit. Zur Vermeidung der Übertherapie hatten sich hier 30% der erkrankten Männer aus der getesteten Screening-Gruppe für eine aktive Überwachung, also zunächst gegen eine eingreifende Behandlung entschieden (s. hierzu auch Aktive Überwachung bei Prostatakarzinom).

Fazit der Autoren

Da der Vorteil des PSA-Screening in den ersten 10 Jahren nur gering ausfällt und erst nach weiteren Jahren ausgeprägter wird, sollte man nicht allen älteren Männern den Test empfehlen. Die größten Bedenken betreffen das Risiko der Überdiagnose und Übertherapie, so dass das Angebot an Männer über 70 Jahren fraglich scheint. Das PSA-Screening wurde gut akzeptiert und kann das Sterberisiko an Prostatakrebs erheblich vermindern. Die Risikoreduktion ist sogar größer als beim Screening auf Brustkrebs und Darmkrebs.

Quellen

  • Hugosson, J., et al.: Mortality results from the Göteborg randomised population-based prostate-cancer screening trial. Lancet Oncol 2010; 11: 725–732
  • Gulden, J.: Prostatakarzinom - Halbierung der Mortalität durch PSA-Screening. Deutsches Ärzteblatt 2010; 37: A 1751
  • Stöckle, M.: PSA-gestützte Früherkennung des Prostatakarzinoms – neue Daten zu einer Dauerkontroverse. 62. Kongress der DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.), Düsseldorf, 22.-25.9.10, Eröffnungs-Pressekonferenz am 23.9.10, Vortrag und Pressemappe

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