Dr. med. Hubert E. Weiß (10.08.2011)
Gute Lebensqualität nach Prostatakrebsbehandlung
Dies ergab eine Befragung von Mitgliedern des Bundesverbands Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. (BPS) im Rahmen der HAROW-Studie. Es gibt jedoch Einschränkungen in Bereichen, die die Partnerschaft betreffen.
Mit der HAROW-Studie wird seit 2008 die Versorgung von Patienten mit Prostatakrebs im deutschsprachigen Raum umfassend untersucht. Dabei sollen wichtige, bislang noch ungeklärte Fragen beantwortet werden, vor allem zur Behandlung unter Alltagsbedingungen (Näheres dazu hier im Magazin unter „Prostatakrebs-Patienten geben ihren Ärzten gute Noten“). Um herauszufinden, wie sich die Männer nach der Behandlung fühlen, wurden die Teilnehmer einer Teilstudie nach ihrer gesundheitsbezogenen Lebensqualität befragt. Die ersten Ergebnisse liegen jetzt vor:
Zugelassen waren nur Mitglieder des Bundesverbands Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. (BPS), da es noch keine Daten über Männer in Selbsthilfegruppen gab und diese als besonders kritisch gelten. Von ihnen nahmen 504 Männer teil, deren Erstbehandlung mindestens ein Jahr zurücklag. Sie beantworteten jeweils allgemeine Fragen (z.B. zu Alter, Partnerschaft, Beruf), Fragen zur Therapie des Prostatakarzinoms (z.B. zu Beginn, Art der Erst- und ggf. Zweitbehandlung, Heilungsaussicht) und weitere, für die Beurteilung wichtige Fragen. Zusätzlich bewerteten sie ihre Lebensqualität in zwei standardisierten Fragebogen auf Skalen, die von 0 bis 100 reichten: Der erste Bogen (sog. EORTC-QLQ-C30) beinhaltete Fragen zu 6 Funktionsbereichen (z.B. Körperfunktion, soziale Funktion, allgemeine Gesundheit) und 9 Krankheitsfolgen (z.B. Erschöpfung, Schmerzen, finanzielle Probleme), der zweite Bogen (sog. PSM) Fragen zu 8 Bereichen, die speziell die Prostata betrafen (z.B. erektile Dysfunktion, Partnerprobleme, psychische Belastung).
Die Teilnehmer waren im Schnitt 69 Jahre alt und zum weit überwiegenden Teil berentet (84%) und verheiratet (86%). Bei zwei Dritteln wurde zuerst eine radikale Prostatektomie durchgeführt, bei 10% eine Hormontherapie, bei 6% eine externe Bestrahlung und bei 4% eine Kombination aus Hormontherapie und Bestrahlung. Bei gut der Hälfte (58%) lag die Erstbehandlung 2-5 Jahre zurück und bei mehr als einem Drittel aller (39%) war noch keine Zweitbehandlung nötig.
Die Art der Erstbehandlung beeinflusste die Lebensqualität insgesamt nur wenig, in Teilbereichen, die eine der Behandlungsmethoden besonders betrafen, erwartungsgemäß etwas stärker: So waren zum Beispiel die soziale Funktion nach Bestrahlung etwas besser als nach Kombinationsbehandlung, sexuelle Probleme dafür deutlich seltener. Der zeitliche Abstand zur Erstbehandlung spielte bei der Selbsteinschätzung so gut wie keine Rolle. Im Gegensatz dazu hielten geheilte Männer ihre Lebensqualität für besser als nicht geheilte und noch in Behandlung befindliche (bessere Funktionen und geringere Beschwerden). Im Vergleich zu Gesunden beurteilten Prostatakrebs-Patienten ihre allgemeinen Funktionen und Symptome praktisch nicht schlechter, die Zeichen bezüglich der Prostata jedoch durchaus, zum Teil deutlich (erektile Dysfunktion, sexuelle Schwierigkeiten, Partnerprobleme, Hitzewallungen und psychische Belastung).
Diese Ergebnisse, so die Autoren, seien verhältnismäßig gut. Sogar besser als bei Mitgliedern von Selbsthilfegruppen erwartet, wofür es mehrere Gründe geben könne wie die bevorzugte Teilnahme zufriedener Männer. Auch wenn die Erstbehandlung sehr oft schon mindestens 2 Jahre zurücklag, beeinflusse sie die Lebensqualität; diese scheine vor allem von der Kombination aus Bestrahlung und Hormontherapie deutlich reduziert zu werden. Auch für den mangelnden Einfluss des Zeitabstands zur Erstbehandlung fanden die Autoren eine Erklärung: Mit der Zeit könnten zwar die behandlungsbedingten Einschränkungen abnehmen, die altersbedingten aber zunehmen. Die allgemeine gesundheitsbezogene Lebensqualität sei bei den Teilnehmern fast normal, nicht jedoch die Prostata-bezogene (z.B. Sexualität). Insgesamt übe die Heilung den größten Einfluss auf die Lebensqualität aus und scheine damit für das Befinden des Patienten am wichtigsten.
Fazit der Autoren
Jede der verschiedenen Erstbehandlungen beeinflusst die Lebensqualität auf besondere Weise. Weil die Überlebenszeiten speziell beim lokal begrenzten Prostatakarzinom als vergleichbar gelten, sollte man die Daten zur Lebensqualität mehr in die Entscheidung über die Therapieform einbeziehen. Im Vergleich zu Gesunden fanden sich Einschränkungen vor allem in den Bereichen psychische Belastung, Sexualität und Partnerschaft. Deshalb scheint es sinnvoll, die Partnerin / den Partner frühzeitig mit einzubinden.
Quelle
Bestmann, B., et al.: Lebensqualität nach Prostatakarzinom bei Teilnehmern von Selbsthilfegruppen. Erste Ergebnisse der HAROW-Retrostudie. Urologe 2011; 50: 333-339; verfügbar über eine Internet-Seite der Stiftung Männergesundheit als PDF (162 KB)
Weitere Informationen
- Zu den Behandlungsmöglichkeiten bei Prostatakrebs in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt „Prostatakarzinom“ unter Aktive Überwachung, Radikale Prostatektomie, Strahlentherapie, Abwartendes Beobachten und Hormontherapie
- Zur Operation bei Prostatakrebs in der Rubrik „Weitere Infos“ im Abschnitt „Broschüren“ in der Broschüre „Die Radikaloperation der Prostata beim Prostatakarzinom“
- Zur Bestrahlung bei Prostatakrebs in der Rubrik „Weitere Infos“ im Abschnitt „Broschüren“ in der Broschüre „Methoden der Strahlentherapie beim Prostatakarzinom“
- Zur Hormonbehandlung in der Rubrik „Weitere Infos“ im Abschnitt „Broschüren“ in der Broschüre „Informationen zur Hormontherapie des Prostatakarzinoms mittels LHRH-Agonisten“
