Dr. med. Hubert E. Weiß (10.08.2011)

Sind deutsche Männer Vorsorgemuffel?

Krankheiten lassen sich um so besser behandeln, je früher man sie erkennt. Dies gilt vor allem für Krebs. Dennoch vernachlässigen viele die Früherkennung, Männer mehr als Frauen. Vielleicht holen sie aber langsam auf.

Im Herbst 2009 vermeldete die Techniker Krankenkasse: „Männer sind Vorsorgemuffel“. Sie hatte 1001 zufällig ausgewählte Deutsche im Alter von 20 bis 70 Jahren von Forsa befragen lassen. Danach gingen 71% der 482 befragten Frauen, aber nur 51% der 519 befragten Männer regelmäßig einmal jährlich zur Krebsfrüherkennung mit Untersuchung der Geschlechtsorgane. Die äußeren Umstände wie Bildung, Einkommen, Wohnort und Kassenzugehörigkeit beeinflussten die Nutzung meist kaum. Bei Männern stieg sie jedoch mit dem Alter stark an (36-45 Jahre 26%, 46-55 Jahre 38%, 56-65 Jahre 59%, ab 66 Jahre 67%).

Die Gründe gegen die Früherkennungsuntersuchungen waren vielfältig (Mehrfachnennungen möglich): So sagten 58%, dass sie nur zum Arzt gehen, wenn sie wirklich krank sind. 41% seien manche Untersuchungen unangenehm, 41% kannten ihren Anspruch nicht, 38% gingen ohnehin ungern zum Arzt und 27% wollten sich nicht mit schlimmen Erkrankungen auseinandersetzen. Immerhin noch jeweils etwa jeder fünfte hatte sich noch keine Gedanken über die Vorsorge gemacht, behauptete gesund zu sein, also beträfe ihn das Thema nicht, oder fürchtete sich vor dem Ergebnis. Unterschiede zwischen den Geschlechtern waren dabei gering, Tendenziell erwiesen sich Männer als die besseren Verdränger und Frauen als die größeren „Angsthasen“. Beim Gesundheits-Check-up, bei der Vorsorge gegen andere Krebsarten und bei der Zahnvorsorge waren Frauen übrigens ebenfalls eifriger, allerdings nur geringfügig.

Neuere Zahlen kommen von der Apotheken Umschau: Im Juli 2010 hat sie in einer repräsentativen Umfrage 953 Männer ab 14 Jahren durch ein Marktforschungsinstitut befragen lassen. Danach nutzt knapp die Hälfte (49%) die jährliche Untersuchung zur Krebsfrüherkennung. Bei 34% sei eine digitale rektale Untersuchung (DRU) und bei 28% ein PSA-Test erfolgt. Erwartungsgemäß steigt die Nutzung der Vorsorge mit dem Alter stark an: Bei 20-29-Jährigen sind es 19%, bei 30-39-Jährigen 38%, bei 60-69-Jährigen 76% und bei Ab-70-Jährigen 81%. Dieser Trend betrifft auch die DRU und den PSA-Test: Im Alter ab 50 Jahren lassen 62% bzw. 53% diese Untersuchungen durchführen. Von den 1003 befragten Frauen ab 14 Jahren gehen dagegen mit 79% deutlich mehr regelmäßig zur gynäkologischen Untersuchung. Die Altersabhängigkeit ist jedoch genau umgekehrt: 30-39-Jährige 91%, 40-49-Jährige 87%, Ab-70-Jährige 59%.

Fazit

Die Früherkennung von Krankheiten, besonders von Krebs ist wichtig, weil die Behandlung dann bessere Heilungschancen bietet. Unwissenheit und Ängste halten noch zu viele, vor allem Männer davon ab, die Angebote zu nutzen. Eine breite Aufklärung tut also not. Hier sind vor allem Politiker, Krankenkassen und Ärzte gefordert (in der Forsa-Umfrage gaben nur 22% der Männer an, von ihrem Urologen an die Untersuchung erinnert zu werden). Aber auch jeder andere kann mithelfen, indem er das Thema in seiner Familie und unter seinen Freunden offen anspricht.

Quellen

  • Apotheken Umschau: Vorsorge-Checks: Wer geht regelmäßig? Pressemitteilung, Baierbrunn 1.3.11
  • Apotheken Umschau: Repräsentativbefragung zum Thema „Gesundheitsprävention“ im Juli 2010 durch die GfK-Marktforschung im Auftrag der Apotheken Umschau. Ergebnisse (Auszug)
  • Techniker Krankenkasse: TK-Studie: Mit diesen Ausreden drücken sich Männer vor der Krebsvorsorge. Pressemitteilung, Hamburg 4.10.09
  • Techniker Krankenkasse: Forsa-Umfrage im September 2009 im Auftrag der Techniker Krankenkasse. Tabellenband vom 2.10.09

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