Dr. med. Hubert E. Weiß (08.12.2011)

Unnötige Wiederholungsbiopsien vermeiden

Mit welchem Test lässt sich am ehesten vorhersagen, ob eine erneute Biopsie positiv sein wird, wenn nach der Erstbiopsie Prostatakrebs nicht ausgeschlossen ist? Zu dieser Frage wurde auf dem deutschen Urologenkongress eine neue Arbeit präsentiert.

Ist bei einer Prostatabiopsie kein Tumor nachweisbar (negative Biopsie), besteht aber weiterhin der Verdacht auf Prostatakrebs, so erfolgt üblicherweise eine erste oder weitere Rebiopsie (erneute Biopsie; Näheres zur Probeentnahme s. Prostatabiopsie). Dabei wird in 11-41% der Fälle ein Prostatakarzinom entdeckt (positive Biopsie), je nachdem, wie viele Proben entnommen wurden und um die wie vielte Rebiopsie es sich handelte. Die meisten Männer unterziehen sich dem Eingriff also „vergeblich“.

Um die Notwendigkeit der Biopsie zu beurteilen und die Zahl dieser „unnötigen“ Eingriffe zu senken, kann man die digitale rektale Untersuchung (DRU) und Labortests verwenden, zum Beispiel den PSA-Wert (t-PSA), den Anteil des freien PSA (f-%-PSA), die PSA-Dichte (PSA-D) und die PSA-Anstiegsgeschwindigkeit (PSA-V; zu den Tests s. PSA-Bestimmung). Leider nimmt deren Aussagekraft mit der Zahl der Rebiopsien ab, so dass sich das Krebsrisiko immer schwieriger vorher abschätzen lässt. Welcher Test hier die beste Vorhersage liefert, wurde nun genauer untersucht:

In die Studie eingeschlossen waren 127 Männer unter 70 Jahren, die sich wegen einer auffälligen DRU, einem erhöhten PSA-Wert oder einer verdächtigen vorherigen Biopsie einer Rebiopsie unterzogen. Für PSA, %-f-PSA, PSA-V und PCA3 (mehr zu Letzterem s. PCA3 zur Diagnose des Prostatakarzinoms) wurden anhand der Biopsie-Ergebnisse verschiedene Kennzahlen für die Aussagekraft der einzelnen Tests berechnet. Dabei musste man die Erkennungsrate der Biopsie schätzen, man nahm diese so genannte Sensitivität mit 75%, 85% und 95% an.

Insgesamt entdeckte man bei knapp 35% der Männer Prostatakrebs. Bei der ersten Rebiopsie hatte PCA3 mit 80% die größte Vorhersagegenauigkeit, gefolgt von %-f-PSA mit 74% und der PSA-V mit 57%; im Vergleich zu PSA hätte man bis zu 73% bzw. 56% bzw. 0% dieser Eingriffe einsparen können. Bei der zweiten Rebiopsie lag dagegen %-f-PSA mit 82% Vorhersagegenauigkeit vor der PSA-V mit 72% und PCA3 mit 70%, bei einem Anteil an ersparten Eingriffen von bis zu 67% bzw. 17% bzw. 33%. Bei drei oder mehr Rebiopsien betrug die Vorhersagegenauigkeit von f-%-PSA 70%, von PCA3 62% und der PSA-V 55%, der Anteil an ersparten Eingriffen bis zu 45% bzw. 5% bzw. 40%.

Fazit der Autoren

Die Aussagekraft der Labortests hängt stark von der Zahl der vorausgegangenen Biopsien ab. Der PSA-Wert war in der gesamten Analyse nicht aussagekräftig genug. Das freie PSA (f-%-PSA) war ab der zweiten Rebiopsie dem PCA3 und der PSA-V überlegen. Nur bei der ersten Rebiopsie war PCA3 besser, und man hätte damit im Vergleich zu PSA bis zu 73% dieser Eingriffe einsparen können.

Quellen

  • Chun, F., et al.: 1. vs. 2. vs. ≥3. Wiederholungsbiopsie: Welcher Marker hat die beste Prostatakarzinom Vorhersagefähigkeit? Ein direkter Vergleich von PSA, %fPSA, PSA Velocity und PCA3. Vortrag und Abstract V 25.3, Urologe 2011 (Suppl 1): 73
  • Chun, F., et al.: Wiederholungsbiopsie 1. vs. 2. vs. ≥3. Welcher Marker hat die beste Prostatakarzinom Vorhersagefähigkeit? Wiley-Blackwell, Berlin, MedReport 24/2011 zum 63. Kongress der DGU, S. 4

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