Dr. med. Hubert E. Weiß (10.08.2004)

Unterstützende Behandlung bei Hochrisiko-Prostatakrebs


Hormonbehandlung, Bestrahlung und Chemotherapie können bei der Erstbehandlung eines Hochrisiko-Prostatakarzinoms unterstützend eingesetzt werden. Ein neuer Fachartikel fasst die bisherigen Studienergebnisse zusammen und gibt eine Übersicht, in welchen Fällen welches Verfahren Erfolg verspricht.

Trotz optimaler lokaler Erstbehandlung eines Prostatakarzinoms schreitet die Erkrankung bei manchen Patienten fort. Wenn die weitere Behandlung erst zu diesem Zeitpunkt begonnen wird, ist eine Heilung oft nicht mehr möglich. Deshalb wird für jeden Patienten das individuelle Risiko für das Fortschreiten bestimmt und anhand dessen über den Einsatz von unterstützenden Behandlungsmethoden entschieden.

Unterstützende Hormonbehandlung

Zur Unterstützung nach radikaler Prostatektomie oder Bestrahlung bei Prostatakarzinom kommen zwei Wirkstoffgruppen in Frage: LHRH-Analoga und Antiandrogene. Die erste Gruppe verhindert die Bildung des männlichen Geschlechtshormons Testosteron in den Hoden, die zweite Gruppe die Wirkung von Testosteron an den Zielzellen. Die möglichen unerwünschten Wirkungen sind ähnlich, zum Beispiel Verlust von Potenz und Libido, Müdigkeit, Hitzewallungen, Brustschwellung.


Nach den bisherigen Studienergebnissen wird eine unterstützende Hormonbehandlung empfohlen, wenn der Tumor die Prostatakapsel durchbrochen, die Ränder des entfernten Gewebes erreicht oder sich auf die Lymphknoten ausgebreitet hat. In diesen Fällen kann sie die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung und die Überlebenszeit verlängern. Zum Zeitpunkt (sofort oder aufgeschoben) und zur Dauer der Behandlung gibt es noch keine abschließenden Empfehlungen.

Unterstützende Bestrahlung

Die unterstützende Bestrahlung direkt nach radikaler Prostatektomie ist niedriger dosiert als eine Bestrahlung zur Erstbehandlung des Prostatakarzinoms. Sie ist deshalb besser verträglich und hat weniger Nebenwirkungen, zum Beispiel auf den Magen-Darm-Trakt und den Harntrakt.

Nach dem derzeitigen Stand wird sie für Patienten empfohlen mit einem hohen Risiko für ein örtliches Wiederauftreten des Tumors, aber geringem Risiko für eine Fernmetastasierung. Dies ist beispielsweise der Fall bei niedrigem Gleason-Score, vergleichsweise niedrigem PSA-Wert vor der Operation, oder wenn der Tumor die Prostatakapsel überschritten oder die Ränder des entfernten Gewebes erreicht hat.

Die unterstützende Bestrahlung kann das Risiko für ein örtliches Wiederauftreten des Tumors und eine Fernmetastasierung senken. Eine Verlängerung der Überlebenszeit wurde bisher nicht nachgewiesen.

Unterstützende Chemotherapie

Eine Chemotherapie mit Zellgiften wie Taxane, Estramustin oder Mitoxantron lindert vor allem die Beschwerden bei Prostatakarzinomen, die nicht auf eine Hormonbehandlung ansprechen, und erhöhen so die Lebensqualität.

Derzeit werden zahlreiche Wirkstoffe in Studien geprüft, und es liegen für einzelne Substanzen schon Ergebnisse vor. Jedoch sind noch keine allgemeinen Empfehlungen für einen Wirkstoff oder eine Wirkstoffkombination, die Dauer der Behandlung, eine zusätzliche Hormonbehandlung oder Risikogruppen möglich.

Quelle:
Hammerer, P.: Adjuvant therapy in high risk prostate cancer: The argument pro. European Urology Supplements 3 (2004) 39-42