Dr. med. Hubert E. Weiß (20.12.2004)
Fortschritte bei der Chemotherapie des hormonrefraktären Prostatakarzinoms
Die Behandlung eines fortgeschrittenen Prostatakarzinoms, das nicht oder nicht mehr auf eine Hormonbehandlung anspricht, galt lange als wenig Erfolg versprechend. Nun lassen neue Studien die Hoffnung wachsen.
Von einem hormonrefraktären Prostatakarzinom (HRPC) spricht man, wenn der PSA-Blutspiegel (PSA = Prostata-spezifisches Antigen) trotz Androgenblockade steigt, der Tumor also trotz Hormonbehandlung fortschreitet. So sind etwa 20% der Tumoren hormonrefraktär, die bei Diagnosestellung schon Metastasen gebildet, sich also auf die Lymphknoten oder entfernte Körperstellen ausgebreitet hatten. Zudem kann ein Tumor im Verlauf einer zunächst erfolgreichen Hormonbehandlung hormonrefraktär werden und weiter wachsen.
In diesem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung bemisst sich die weitere Behandlung daran, inwieweit sie die Beschwerden lindert, die Lebensqualität verbessert und die Überlebenszeit verlängert. Empfohlen werden derzeit zunächst weitere Stufen der Hormonbehandlung und dann eine Chemotherapie. Letztere galt lange als ausgesprochen schwierig, denn weniger als 10% der Tumoren sprachen auf Zytostatika (Zellgifte) an.
Doch in den letzten Jahren wurde die Chemotherapie-Forschung verstärkt. In zahlreichen Studien konnten zunächst die zur Behandlung des hormonrefraktären Prostatakarzinoms am besten geeigneten Wirkstoffe identifiziert werden: Nach Mitoxantron, das die Beschwerden deutlich lindert, wurde Estramustin zugelassen, worauf 20-30% der Tumoren ansprechen. Auch Taxane (Paclitaxel, Docetaxel) zeigten sich als gut geeignet (Docetaxel ist seit kurzem in Europa dafür zugelassen).
In neueren Studien wurden nun Zwei- und Mehrfachkombinationen aus diesen und anderen Wirkstoffen untersucht. Dabei hat sich bisher die Kombination aus Estramustin und Docetaxel am erfolgversprechendsten erwiesen. Im Vergleich zu Mitoxantron zeigte sich wesentlich öfter ein PSA-Abfall um mehr als 50% (50-70% gegenüber 30%). Zudem ließ sich damit erstmals ein deutlicher Überlebensvorteil nachweisen.
Die Ergebnisse sind ermutigend. Sie haben dazu geführt, dass diese Kombination als Standardbehandlung des hormonrefraktären Prostatakarzinoms vorgeschlagen wurde und neue Wirkstoffe und Kombinationen damit verglichen werden. Künftig geht es darum, die Ergebnisse zu verbessern, die Chemotherapie verträglicher zu machen und den besten Zeitpunkt für ihre Anwendung zu finden.
Quellen:
Heine, K., J. M. Wolff: Chemotherapie des hormonrefraktären Prostatakarzinoms. Aktuel Urol 35 (2004) 209-214
Baggstrom, M. Q., et al.: A phase II trial of neo-adjuvant docetaxel and estramustine in patients with high risk / locally advanced prostate cancer. Abstract 4753, 40. Jahrestreffen der American Society of Clinical Oncology (ASCO), New Orleans, Louisiana, USA, 5.-8.6.2004
Eymard, J.-C., et al.: Phase II randomized trial of docetaxel plus estramustine versus docetaxel in patients with hormone-refractory prostate cancer: A final report. Abstract 4603, 40. Jahrestreffen der American Society of Clinical Oncology (ASCO), New Orleans, Louisiana, USA, 5.-8.6.2004
Petrylak, D. P., et al.: SWOG 99-16: Randomized phase III trial of docetaxel / estramustine versus mitoxantrone / prednisone in men with androgen-independent prostate cancer. Abstract 3, 40. Jahrestreffen der American Society of Clinical Oncology (ASCO), New Orleans, Louisiana, USA, 5.-8.6.2004
