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Dr. med. Hubert E. Weiß (23.05.2007)

Radikale Prostatektomie bei hohem PSA

Nach neueren, auf dem deutschen Urologenkongress 2006 vorgestellten Studien ist ein PSA-Wert von 20ng/ml keine eindeutige Grenze. Auch höhere Wert sprechen nicht gegen eine Operation, und ein früher Androgen-Entzug verbessert die Prognose.

Bei der radikalen Prostatektomie wird die Prostata einschließlich ihrer Kapsel und der beiden Samenblasen entfernt. Diese Operation ist die Therapie der ersten Wahl bei einem lokal begrenzten Prostatakarzinom. Sie kann aber auch bei einem lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom infrage kommen, das die Kapsel bereits durchbrochen hat, wobei die Aussichten auf Heilung jedoch geringer sind (s. Behandlung des Prostatakarzinoms).

Das klinische (mit Untersuchungen bestimmte) Tumorstadium stimmt nicht immer mit dem pathologischen überein, also dem, welches sich aus der Aufarbeitung des bei der Operation entfernten Gewebes ergibt. Um die Erfolgsaussichten einer Operation besser beurteilen zu können, werden deshalb weitere Befunde hinzugezogen, insbesondere der PSA-Wert (s. PSA-Bestimmung). Hierzu liegen drei neue Studien vor:

Die erste Studie umfasste mehr als 4.000 Männer nach radikaler Prostatektomie. Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen dem präoperativen PSA-Wert und der Progression der Erkrankung (PSA-Wiederanstieg oder klinisches Wiederauftreten). Dabei ergaben sich PSA-Grenzwerte von 4,5ng/ml und 11ng/ml, ab denen die progressionsfreie Überlebensrate jeweils deutlich schlechter wurde: Nach 5 Jahren waren 79,8% der Männer mit einem PSA bis 4,5ng/ml progressionsfrei, 71,5% der Männer mit einem PSA >4,5-11ng/ml und 58,5% der Männer mit einem PSA >11ng/ml. Ein weiterer, höherer Grenzwert fand sich nicht.

In der zweiten Studie wurden 371 Männer nach radikaler Prostatektomie im Mittel 59 (1-160) Monate nachverfolgt. Sie hatten alle präoperativ ein PSA von mehr als 20ng/ml, also ein hohes Progressionsrisiko. Bei 25,3% kam es zum PSA-Wiederanstieg, bei 14% zum klinischen Wiederauftreten der Erkrankung; die tumorspezifische Überlebensrate nach 5 (7) Jahren betrug 90% (86%; nicht am Tumor verstorben). Dabei wirkten sich negativ aus: Patientenalter, präoperativ festgestellter T4-Tumor (in Nachbarorgane eingewachsen) und Gleason-Score >8, pathologisch erkannter Befall der Samenblasen (pT3b) und Lymphknoten (pN+), adjuvante (postoperative) Strahlentherapie. Dagegen war ein adjuvanter Androgen-Entzug ein positiver Faktor. Die Autoren schlossen daraus, dass Patienten mit einem T4-Tumor und/oder Gleason-Score >8 nicht operiert werden sollten.

Die dritte Studie schloss 271 Männer mit einem präoperativen PSA ab 20ng/ml ein. Nach der radikalen Prostatektomie (1/86 - 6/05) wurde bei 56 ein pT1/pT2-Stadium festgestellt, bei 203 ein pT3-Stadium und bei 11 ein pT4-Stadium (1 keine Angabe), 78 hatten einen Lymphknotenbefall (pN+). Es verstarben 41 Patienten, davon tumorbedingt 16. So betrugen nach 5 (10, 15) Jahren die Gesamtüberlebensrate 85% (69%, 57%), die tumorspezifische Überlebensrate 94% (86%, 71%) und die „PSA-freie“ Überlebensrate 66% (45%, 30%). Ein frühzeitiger Androgen-Entzug verlängerte die PSA-freie Zeit. Wegen der günstigen Aussichten ist die Operation also auch bei hohem PSA eine gute Therapieoption.

Quelle (u.a.): 58. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie, Hamburg, 20.-23.9.06, Vortragssitzung 16 „Lokal begrenztes Prostatakarzinom Therapie II“ am 23.9.06:

Herkommer, K., et al.: Bis zu welchem präoperativen PSA-Wert ist eine radikale Prostatektomie noch gerechtfertigt? Abstract V 16.1
Spahn, M., et al.: PCa with PSA >20 - is there a chance of cure? Abstract V 16.8
Zwergel, U., et al.: Prostatakarzinom-Patienten mit initialem PSA von über 20 ng/ml: Langzeit-Ergebnisse nach radikaler Prostatektomie mit und ohne Hormontherapie. Abstract V 16.9

Weitere Informationen:

 

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