Dr. med. Wolfgang Loeser (09.09.2003)

Während einer Chemotherapie oder Bestrahlung sollte keinerlei Diät durchgeführt werden. Meistens ist der Appetit deutlich reduziert. Hinzu kommen Übelkeit, Durchfall und Erbrechen, die das Befinden während der Therapie erheblich beeinträchtigen können. Der Geschmacksinn wird durch viele Therapiearten gestört.

Süß, sauer oder bitter wird verändert wahrgenommen und die Speisen haben nicht mehr den gewohnten Geschmack. Durch die Therapie kann der durch die Krebserkrankung ohnehin schon gesteigerte Energie- und Nährstoffbedarf noch gesteigert sein. Zusätzlich wird die allgemeine Immunabwehr geschwächt. Für den Wundheilungsprozess nach einer Operation ist eine ausreichende Zufuhr an Eiweiß wichtig. Ziel der Ernährung während der Therapie ist es, dem Körper ausreichend Nahrungsbestandteile zu geben und eine Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen zu gewährleisten. Patienten und ihre Angehörigen müssen über die oben genannten Notwendigkeiten ausführlich informiert werden, um die nötige Einsicht und eine gute Motivation für die Nahrungszufuhr aufrecht zu erhalten. Neben einer Vollwertkost kann bei schlechtem Appetit eine hochkalorische, hochwertige Flüssigkost (sogenannte Astronautenkost) die tägliche Nahrung ergänzen. Ein Wort noch zur Wunschkost: Hier gibt es - wie bei dem ganzen Thema Krebsdiät - unterschiedliche Meinungen.
Langjährige, klinische Erfahrungen haben gezeigt, dass mit Wunschkost während einer Krebstherapie sehr zurückhalten umgegangen werden sollte. Sehr oft wird die Übelkeit z.B. während einer Chemotherapie mit den zu diesem Zeitpunkt aufgenommenen Speisen in Verbindung gebracht. Im Therapieintervall schmeckt schließlich überhaupt nichts mehr.
Ist der Appetit so schlecht, sollte einer intravenösen Zusatzernährung der Vorzug gegeben werden. Diese Einschränkung der Wunschkost gilt nur für die Zeit der Therapie. Im therapiefreien Intervall ist die Wunschkost auf jeden Fall dem Nichtessen vorzuziehen.

Hinweise für sinnvolle Ernährung während der Therapie
Prinzipiell gilt: Alles was vertragen wird, ist in ausgewogenen Mengen erlaubt. Ziel ist die ausreichende Aufnahme aller wichtigen Nahrungsbestandteile.

  • Verteilen Sie das Essen auf viele kleine Portionen. Die meisten Krankenstationen versuchen Zwischenmahlzeiten zu berücksichtigen und geben sich Mühe, das Essenstablett nicht abzuräumen, um den Patienten ausreichend Zeit zum Essen zu geben. Nach Möglichkeit sollte das Essen nur gut gekaut geschluckt werden. Erstens werden manche Stoffe schon über die Mundschleimhaut aufgenommen und zweitens ist der gut zerkleinerte, schon mit Speichel versetzte Nahrungsbrei leichter verdaulich.
  • Fette sollten mit vielen ungesättigten Fettsäuren aufgenommen werden.
  • Die Patienten sollten nicht zu einem bestimmten Speiseplan gezwungen werden. Eine ausführliche Diätberatung vor der Therapie wird die Einsicht in verschiedene Kostformen verbessern und die Akzeptanz steigern.
  • Vor dem Beginn einer Chemotherapie sollte einige Stunden nichts mehr gegessen werden, da sonst die chemotherapieinduzierte Übelkeit mit Essen verknüpft wird.


Was man meiden sollte...
Was nicht bzw. nur wenig gegessen werden sollte:

  • sehr fettreich: fettes Fleisch, fetter Braten, fette Wurst, Buttercreme, Sahne, Sandgebäck, Shortbread
  • sehr süß: Schokolade, Pralinen, Nougat, Marzipan
  • sauer: Orangen, Zitronen, Grapefruit, Stachelbeeren, Johannisbeeren, Rhabarber oder Säfte dieser Obstsorten, Essigkonserven
  • stark gebraten: stark gebratenes Fleisch, Bratkartoffeln, gebratener Speck
  • frittiert: Pommes Frites, Fettgebackenes, Donuts
  • paniert: Wiener Schnitzel, Cordon Bleu
  • blähend: Bohnen, Erbsen, Linsen, Kohl, Zwiebeln, Paprikaschoten
  • stark gewürzt, geräuchert oder gesalzen: Rauchfleisch, Speck, Räucherfisch, Fischkonserven
  • hochprozentiger Alkohol: alle hochprozentigen Schnäpse, Magenbitter, keine Liköre (Wein, Cherry o.ä. in geringen Mengen sind erlaubt)


Die Therapie ist abgeschlossen - was nun?

Spätestens nach einer Krebstherapie besteht bei sehr vielen Patienten der Wunsch, die bisherige Lebensweise und Ernährungsgewohnheiten zu ändern und damit die eigene Gesundheit zu verbessern. Aber welche konkreten Diätvorschläge können ausgesprochen werden? Fasst man die bisher vorliegenden wissenschaftlichen Studien zusammen, kann davon ausgegangen werden, dass eine überwiegend vegetarische Kostform unter Einbeziehung von Milchprodukten, Eiern, gelegentlich Fisch und Fleisch die empfehlenswerteste Kostform darstellt. Durch die Ergänzung mit der Mittelmeerküche (viel Gemüse, Obst, Fisch, hochwertiges Olivenöl) lässt sich die Küche sehr schmackhaft und abwechslungsreich gestalten.

Ein Fleisch- und Fischverbot ist nicht sinnvoll. Jod, Vitamin B12, Mineralstoffe und Spurenelemente können durch maßvollen Fleisch- und Fischkonsum gut zugeführt werden.

Eine rein vegetarische Ernährung führt leicht zu Mangelerscheinungen.