Dr. Michaela Jahn (09.09.2003)

Geduld nach Prostatektomie

Nach einer radikaler Prostata-Operation bei einem Tumor kommt es auf eine konsequente Nachbehandlung an. Den Patienten wird zumeist noch in der Klinik die Einleitung einer Anschlußheilbehandlung (AHB) angeboten. Eine solche Reha-Maßnahme bietet sich an, um unter kompetenter Führung die nötige Gymnastik zu erlernen.

Wenn es nach einer Radikaloperation der Prostata zu einer Inkontinenz kommt, handelt es sich in den meisten Fällen um eine Belastungs- oder Streß-Inkontinenz. Bei der Operation muß aus Gründen der Radikalität häufig ein Anteil des Blasen-Schließmuskels entfernt werden; der verbleibende Anteil ist dann zu schwach in "Belastungssituationen" (wie Husten Niesen oder Pressen) den Urin in der Blase zurückzuhalten. Die Behandlung dieser Streß-Inkontinenz erfolgt nach einem Stufenplan.

Im ersten Schritt sollte der Patient unter Anleitung eines erfahrenen Physiotherapeuten die Beckenbodengymnastik erlernen. Beim Beckenboden handelt es sich um eine willkürliche Muskelgruppe, die auftrainiert werden kann. Der erste Erfolg kann sich erst nach 4 bis 6 Wochen intensivem Training einstellen. Auch danach sollte man konsequent weitertrainieren, da die Beckenbodenmuskulatur bei Nichtbetätigung auch wieder erschlafft. Unterstützt werden kann diese Gymnastik durch Elektrostimulation oder die Biofeedback-Methode. Die Geräte hierzu können vom Urologen verschrieben werden. Sie werden dann von der Krankenkasse für einen Zeitraum von 3 bis 6 Monaten dem Patienten zur Verfügung gestellt, so daß der Betroffene zu Hause die Übungen durchführen kann.

Sollte diese Therapie trotz konsequenter Durchführung keinen Erfolg bringen, steht an nächster Stelle der Behandlung schon die Implantation eines künstlichen Schließmuskels. Dabei wird eine kleine flüssigkeitsgefüllte Manschette unterhalb der Beckenbodenmuskulatur um die Harnröhre gelegt. Die Manschette ist mit feinen Schläuchen mit einer Pumpe und einem Druckausgleichreservoir verbunden. Die Manschette ist immer geschlossen und hält so den Urin in der Blase zurück. Zum Wasserlassen betätigt der Patient die Pumpe, die gut erreichbar im Hodensack implantiert wird, und die Flüssigkeit wird aus der Manschette in das Reservoir gepumpt. Auf diese Weise entleert sich die Manschette, die Harnröhre öffnet sich und der Urin kann abfließen. Nach kurzer Zeit füllt sich die Manschette wieder, die Harnröhre wird wieder komprimiert und der Patient ist kontinent. Bei dieser Operationsmethode wird eine Komplikationsrate von 10 bis 15 % beschrieben. Dies beinhaltet dann alle Komplikationen wie Abstoßungsreaktionen, Gerätedefekte oder Infektionen. In Deutschland wird diese Operation schwerpunktmäßig in einigen Zentren durchgeführt.