Red. (08.09.2003)

Osteoporose bei Männern mit Behandlung durch Androgen-Entzug wegen eines Prostatakarzinoms

Männer mit Prostatakarzinom erhalten häufig über einen längeren Zeitraum eine Therapie mit LHRH-Agonisten, d.h. eine Hormon-Entzugsbehandlung. Die männlichen Geschlechtshormone (Testosteron) spielen im Knochenstoffwechsel eine entscheidende Rolle. In der Abwesenheit von Testosteron kann es zur Reduktion der Knochenmasse kommen, die eine Osteoporose begünstigt. Um die Osteoporose "aufzuhalten" gibt es verschiedene medikamentöse Therapiemaßnahmen (z.B. Bisphosphonate, Calzium, Vitamin D) sowie Verhaltensvorschläge, auch präventiver Art. Im Gesamtkonzept der Behandlung spielen neben den Ärzten auch die onkologischen Pflegekräfte eine wichtige Rolle.

Männer mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Prostatakarzinom erhalten häufig über einen längeren Zeitraum eine Therapie mit LHRH-Agonisten (Lutenisierendes Hormon- Releasing Hormon), d.h. eine Hormonentzugsbehandlung. Diese verlängerte Behandlung bedingt einen Abfall der männlichen Geschlechtshormone und somit einen chronischen Testosteron-Mangel. Die männlichen Geschlechtshormone spielen im Knochenstoffwechsel eine entscheidene Rolle. In der Abwesenheit von Androgenen kommt es zu einem Entzug von knochenaufbauenden Knochenformationen und andererseits zum Anstieg der knochenabbauenden Aktivitäten. Dies führt zu einem Abbau der Knochenmasse, die eine Osteoporose begünstigen kann.
In verschiedenen wissenschaftlichen Studien wurden die Effekte der Therapie mit LHRH-Agonisten auf die Osteoporose untersucht. Ebenso wurde geprüft, welche Einflüsse pharmakologische Substanzen (z.B. Bisphosphonate), diätetische Ergänzung ( z.B. Calcium, Vitamin D) oder sportliche Übungen (Leibesübungen) auf den Prozess der Osteoporose haben, d.h. ob sie ihn verlangsamen oder beschleunigen können. Diese Ergebnisse stellen einen wichtigen Beitrag zur Patienten-Beratung dar.

Medikamentöse Möglichkeiten
Für die Behandlungsmöglichkeiten der Osteoporose für Männer liegen wenig Ergebnisse vor. Bisphosphonate haben sich in der Prävention und Behandlung der Osteoporose als effektiv erwiesen. Durch Hemmung der knochenabbauenden Aktivität kommt es zur Zunahme der Knochendichte und somit zur Abnahme der Knochenbruch-Rate. Als Nebenwirkungen werden u.a. Magen-Darm-Beschwerden beschrieben. Bei Einnahme von Bisphosphonaten ist eine ergänzende Calcium- und Vitamin-D-Zufuhr erforderlich.
Calcitonin ist ein anderes Medikament, welches den Knochenabbau stoppen könnte.

Verhaltensvorschläge für die Praxis
Bei Männern mit Prostatakarzinom, die eine Hormonentzugstherapie erhalten oder erhalten haben, sollte eine regelmäßige Überwachung der Knochenmasse und -dichte stattfinden.
Zur Aufrechterhaltung der normalen Knochenfunktion ist eine ausreichende Aufnahme von Calcium und Vitamin D mit der Nahrung oft schwierig , zumal mit dem Alter auch die Calcium- und Vitamin-D-Aufnahme vermindert sind.
Männer sollten mit der täglichen Nahrungsaufnahme viel Milch- und Getreideprodukte zu sich zu nehmen, da diese viel Calcium enthalten. Mit der Nahrung, z.B. durch Zitrusfrüchte aufgenommenes Calcium wird besser vom Körper verstoffwechselt.
Das für den Knochenstoffwechsel erforderlicheVitamin D, das normalerweise durch Sonnenlicht gebildet wird, muss meist zusätzlich eingenommen werden.
Verschiedene körperliche Übungen können helfen, den Knochen in einem guten Zustand zu halten. Dieses beinhaltet krafterhaltende Übungen, z.B. Treppensteigen, Sport an Geräten, Jogging, Krafttraining. Sportarten wie Spazieren gehen, Fahrrad fahren und Schwimmen verbessern die "Knochenstärke" nicht. Diese Aktivitäten sollten daher durch "Krafttraining" beispielsweise zu Hause unterstützt werden. Die Übungen sollte 30-60 Minuten 3- 4mal pro Woche durchgeführt werden. Verschiede Programme in Turnvereinen oder Senioreneinrichtungen bieten ebenfalls entsprechende Übungen an.
Rauchen hat nachteilige Effekte auf die Knochenstärke und Dichte. Unter Alkoholmißbrauch kann es, ebenso wie bei neurologischen Erkrankungen, zu vermehrter Fallneigung und Schwindel oder bei Zusammenwirken verschiedener Erkrankungen, häufiger zu Stürzen und damit auch zu Knochenbrüchen kommen.

Neben den behandelnden Ärzten spielen ebenso die onkologischen Pflegekräfte eine wichtige Rolle bei der "Gesundheits-Erziehung" der betroffenen Männer, indem auch sie die Betroffenen auf die möglichen Effekte der Osteoporose durch LHRH-Agonisten-Therapie aufmerksam machen könnten. Auch die Pflegekräfte sollten Symptome geeignet bewerten können, damit entsprechende präventive Maßnahmen frühzeitig eingeleitet werden

Osteoporose
Die Osteoporose ist eine systemische, d.h. das ganze Organsystem betreffende, Skeletterkrankung, die durch eine Verminderung der Knochenmasse und eine Verschlechterung der Mikroarchitektur des Knochengewebes charakterisiert ist. Im Knochenstoffwechsel herrscht ein Gleichgewicht zwischen Knochenneubildung und Knochenabbau. Durch ein stoffwechselbedingtes Ungleichgewicht, d.h. wenn der Knochenabbau die Neubildung deutlich überschreitet, kann es zur Osteoporose kommen. Es kommt zu einem erhöhten Risiko, Knochenbrüche zu bekommen. Zu den zuerst befallenen Knochen gehören Hüfte, Becken, Handwurzelknochen und die Wirbelsäule.

Osteoporose kann die Lebensqualität der Betroffenen negativ beeinflussen durch:

  • das vermehrte Leiden unter Schmerzen oder Depressionen, 
  • durch Frakturen, die die Mobilität sowie die finanzielle Situation beeinflussen können und 
  • die Last, von anderen betreut werden zu müssen.

Die Behandlung und Prävention der Osteoporose bei Männern befindet sich, im Vergleich zu der Behandlung und Prävention der Osteoporose der Frau, noch in den Anfängen.

Andere Faktoren, die zum "Knochenverlust" führen können
Unzählige Faktoren, die die Knochendichte vermindern und zur Osteoporose bei Männern führen können beinhalten das Altern, ethnische Merkmale, Diät, Stress, körperliche Inaktivität, verschiedene Medikamente, niedriger Körpermassenindex (Body mass index: BMI = Körpergewicht (kg) / Körpergröße (m2), und Krankheit.
Im Kindes-und Jugendalter baut sich die Knochenmasse unter dem Einfluss von Sexualhormonen auf und erreicht um das 30.Lebensjahr den Höchstwert ("peak bone mass"), der bei Männern um ca. 30% höher liegt als bei Frauen. Die Reduktion der Knochenmasse wird hervorgerufen durch genetische, ernährungsbedingte, hormonale und umweltbedingte Faktoren.

Bei Frauen werden die Höchstwerte der Knochenmasse normalerweise in der Heranwachsenden-Phase gemessen und werden mit Abschluss der Pubertät erreicht. Bei Männern fängt die Pubertät später an und dauert länger an, wodurch es zu einer höheren Knochenmasse kommt. Nach dem 40.Lebensjahr kommt es bei allen Menschen zu einer Verminderung der Knochenmasse, wobei Frauen nach den Wechseljahren einen größeren Verlust zu verzeichnen haben. Bei gesunden Männern nimmt der Gehalt an männlichen Geschlechtshormonen mit dem Alter ab. Niedrige Testosteronwerte bedingen eine niedrigere Knochenmasse. Somit haben auch ältere Männer ein höheres Risiko, sich Knochenbrüche zu zuziehen.