Dr. med. Hubert E. Weiß (25.04.2004)

Geringeres Risiko für Prostatakrebs durch Vitamin E

Schon vor etwa zehn Jahren haben finnische Forscher nachgewiesen, dass die Einnahme von Vitamin E das Risiko für Prostatakrebs senken kann. Nach neuen Ergebnissen hält dieser Effekt aber nicht an.

In der 1994 veröffentlichten ATBC-Studie (Alpha-Tocopherol, Beta-Carotene Cancer Prevention) erhielten fast 30000 Raucher (nur Männer) zwischen 5 und 8 Jahre lang täglich 50 mg Vitamin E oder 20 mg Betakarotin oder beides oder ein Placebo (Scheinmedikament). Etwa 18 Monate nach Beginn der Einnahme von Vitamin E sank das Risiko für Prostatakrebs ab. Betakarotin zeigte hingegen keinen Einfluss.

Um die Langzeitwirkungen zu untersuchen, wurden die Studienteilnehmer nachbeobachtet. Nun wurden die Ergebnisse einer 6jährigen Nachbeobachtungszeit veröffentlicht: Danach verschwindet der vorbeugende Effekt von Vitamin E nach Beendigung der Einnahme wieder, er geht schon in den ersten drei Jahren stark zurück. Eine allgemeine Empfehlung, täglich Vitamin E zur Vorbeugung gegen Prostatakrebs einzunehmen, lässt sich daraus aber nicht ableiten. Dazu seien weitere Studien nötig, so der Schluss der Wissenschaftler.

Hintergrund

Im Körper entstehen durch oxidative Vorgänge andauernd so genannte freie Radikale. Das sind sehr reaktionsfreudige Stoffe, die die Zellen schädigen können. Sie werden deshalb mit verschiedenen Krankheiten, auch mit Krebs in Verbindung gebracht.

Zwar besitzt der Körper wirksame Methoden, um diese gefährlichen Stoffe unschädlich zu machen. Daran sind auch Vitamin C (Ascorbinsäure), Vitamin E (Alpha-Tocopherol) und Betakarotin beteiligt, weshalb man sie Antioxidanzien nennt.

Jedoch können beispielsweise Umweltfaktoren (z.B. UV-Strahlung, Luftverschmutzung), Ernährung (z.B. vitaminarme Kost) und Genussmittel (z.B. Alkohol, Rauchen) die Bildung freier Radikale verstärken bzw. deren Abwehr schwächen. Man spricht von oxidativem Stress, der das Entstehen von Krankheiten fördert.

Aus diesem Grund wird seit Jahren in groß angelegten Studien untersucht, ob eine vermehrte Zufuhr (Supplementierung) von Antioxidanzien vor Krankheiten wie Krebs oder Herzkreislauferkrankungen schützt. Die Ergebnisse sind zum Teil widersprüchlich und werden kontrovers diskutiert. Denn die Studien unterscheiden sich in ihren Methoden und lassen sich nicht so einfach vergleichen: An der ATBC-Studie nahmen zum Beispiel nur Raucher teil.

Quelle:
ATBC-Study Group: Incidence of cancer and mortality following a-tocopherol und b-carotene supplementation. JAMA 290 (2003) 476-485