Dr. med. Hubert E. Weiß (16.08.2005)

Neue Studien zur PSA-Anstiegsgeschwindigkeit (PSAV)


Wie im Mai 2005 auf dem amerikanischen Urologenkongress berichtet, könnte die PSAV helfen, den Zeitpunkt einer Prostatabiopsie und die Behandlung eines Prostatakarzinoms (Prostatakrebs) genauer zu steuern.

Es ist bekannt, dass ein Anstieg des PSA (Prostata-spezifisches Antigen) den Verdacht auf ein Prostatakarzinom verstärken kann. Als Maß dafür dient die PSA-Anstiegsgeschwindigkeit (PSAV, von engl. PSA velocity). Sie wird errechnet aus mindestens zwei PSA-Bestimmungen im jährlichen Abstand. Ihre Aussagekraft wird jedoch noch diskutiert. Nun bringen drei neue Studien mehr Klarheit:

In der ersten Studie wird eine Senkung des Schwellenwerts für die Empfehlung zur Prostatabiopsie (Probeentnahme) vorgeschlagen. Sie soll bereits bei einer PSAV von 0,5 anstatt 0,75ng/ml/Jahr erfolgen. Damit wird bei 45% der untersuchten Männer ein Prostatakarzinom festgestellt. Diese Rate bleibt mit 46% selbst bei erheblich höheren Schwellenwerten (bis 2,0ng/ml/Jahr) praktisch gleich. Der niedrigere Wert erhöht also wohl nicht die Zahl der negativen („unnötigen“) Biopsien, sondern führt dazu, dass Karzinome früher entdeckt werden.

Die zweite Studie beschäftigt sich mit der Frage der aufgeschobenen Rebiopsie (erneute Biopsie) nach negativer Biopsie (kein Karzinom oder verdächtiges Gewebe nachweisbar). Sie wurde bei einem PSA-Anstieg von mehr als 20% pro Jahr durchgeführt (bei 30% der Teilnehmer, davon wurde bei 36,6% ein Prostatakarzinom festgestellt). Männer ohne Karzinom hatten eher schwankende PSA-Werte und eine abnehmende PSAV. Bei Männern, bei denen ein Karzinom entdeckt wurde, waren die PSA-Werte gleichmäßiger, und die PSAV nahm zu. Somit wäre der Zeitpunkt der Rebiopsie anhand von PSA-Werten und PSAV zu steuern. Anmerkung: Eine aufgeschobene Rebiopsie kommt nur in Betracht, wenn keine anderen Umstände die erneute Biopsie ausschließen (z.B. ein hohes Alter) oder dringlich machen (z.B. ein auffälliger Tastbefund).

In der dritten Studie wurde ein direkter Zusammenhang festgestellt zwischen der PSAV und dem Risiko, an Prostatakarzinom zu versterben (bis 0,16ng/ml/Jahr weniger als 1%, darüber 8%). Die PSAV könnte also helfen zu erkennen, bei welchen Patienten das Karzinom gefährlich und deshalb eine Maximaltherapie anzuraten ist.

Quelle: Veröffentlichungen auf der Jahrestagung der American Urological Association (AUA), San Antonio, Texas, USA, 21.-26.5.2005:
(1) Antenor, J. A. V., et al.: PSA velocity cutoff for recommending biopsy: Positive predictive values. Nr. 534
(2) Wedmid, A., S. S. Taneja: The role of PSA velocity in the management of men with negative prostate biopsy. Nr. 1467
(3) Carter, H. B., et al.: PSA velocity and risk of prostate cancer death in the Baltimore Longitudinal Study of Aging. Nr. 951

Weitere Informationen zum PSA und zur PSA-Anstiegsgeschwindigkeit:
– Artikel PSA-Bestimmung im Abschnitt „Untersuchungen“ der Rubrik „Wissen“
– Broschüre Prostatakrebs - Viel häufiger als man denkt