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Die Linderung von Beschwerden und weitere Maßnahmen sollen einem Patienten mit unheilbarem, fortschreitendem Prostatakrebs ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen, soweit und solange dies die Krankheit erlaubt.
Die Palliativmedizin soll die Lebensqualität von Patienten (und ihrer Angehörigen) verbessern, bei deren Erkrankung keine kurative (heilende), sondern nur noch eine palliative (lindernde) Behandlung möglich ist. Dies geschieht durch Vorbeugung gegen körperliche, psychische, soziale und spirituelle Probleme sowie deren Behebung oder Linderung. Diese Definition ist sehr umfassend und lässt erkennen, dass die Betreuung durch ein ganzes Team erfolgt, vom Arzt bis zum Seelsorger, bis über den Tod des Kranken hinaus. Alle Aspekte hier zu besprechen, wäre viel zu ausführlich. Deshalb sind nachfolgend vor allem medizinische Maßnahmen genannt, darüber hinaus sei auf den Abschnitt „Weitere Informationen“ verwiesen (s.u.). SupportivtherapieHierunter versteht man im allgemeinen eine unterstützende Behandlung, die sich gegen Nebenwirkungen und Komplikationen von anderen Therapien richtet. Dementsprechend können dafür viele verschiedene Maßnahmen infrage kommen. Beispiele finden sich in den Abschnitten Radikale Prostatektomie, Strahlentherapie und Hormontherapie. Verlegung der HarnwegeEin fortgeschrittener Tumor selbst oder befallene Lymphknoten können den Abfluss von Urin im Bereich der Harnröhre oder der Harnleiter beeinträchtigen. Mögliche Folgen sind Beschwerden beim Wasserlassen, aufsteigende Infektionen und dauerhafte Schädigungen der Nieren. Abhilfe schafft bei einem hormonrefraktären (Hormon-unempfindlichen) Prostatakarzinom eine Harnableitung mittels Stent (an die Engstelle eingelegtes Röhrchen) oder Katheter (vorzugsweise durch die Bauchdecke nach außen). Nur selten kommen operative Maßnahmen in Betracht, zum Beispiel eine Elektroresektion (TUR-P, evtl. nur minimal) oder Laserabtragung der Prostata, ähnlich wie die Eingriffe bei gutartiger Prostatavergrößerung (s. Operationsverfahren zur BPS-Behandlung). KnochenkomplikationenMetastasen von Prostatakrebs finden sich bevorzugt im Skelett. Dort können sie Schmerzen verursachen (zur Behandlung s. nächster Abschnitt), die Blutbildung und umliegende Organe beeinträchtigen sowie zur Instabilität von Knochen führen. Letztere kann aber auch die Folge eines Knochenabbaus (Osteoporose) durch eine lang dauernde Hormontherapie sein (zur Behandlung s. dort).
Zur Vorbeugung gegen Skelettkomplikationen können bei einem hormonrefraktären Prostatakarzinom mit Knochenmetastasen so genannte Biphosphonate (z.B. Zoledronsäure) gegeben werden, die auch schmerzlindernd wirken. Droht ein Bruch oder eine Beeinträchtigung des Rückenmarks soll die betreffende Stelle bestrahlt werden. Dies gilt auch bei lokalen Knochenschmerzen trotz eingeleiteter allgemeiner medikamentöser Therapie. Sind mehrere schmerzhafte Knochenmetastasen vorhanden, so kommt die Gabe von radioaktiven Stoffen (Radionukliden) in Betracht. Bei Instabilität oder Bruch eines Knochens kann eine äußere Stabilisierung (z.B. durch ein Korsett) oder eine Operation erforderlich sein. SchmerzenBei weit fortgeschrittenem Prostatakrebs treten oft Schmerzen auf, durch den Tumor selbst, durch seine Metastasen oder auch aus anderen Gründen. Die Behandlung kann kausal sein (gegen die Ursache gerichtet, z.B. gezielte Bestrahlung oder Operation von Metastasen). Meist ist sie symptomatisch (gegen das Krankheitszeichen gerichtet, z.B. Physiotherapie, Stimulation oder Blockade von Nervengewebe, Hilfsmittel wie Korsetts).
Hierzu gehört auch die medikamentöse Therapie. Sie soll nach dem Stufenschema der WHO (World Health Organization, Weltgesundheitsorganisation) erfolgen. Verwendet werden verschiedene Schmerzmittel (Analgetika, einschließlich Opioide wie Morphin) und unterstützende Substanzen (Ko-Analgetika, z.B. Psychopharmaka, krampflösende Mittel). Hilfreich sind außerdem bestimmte psychotherapeutische Verfahren wie die progressive Muskelentspannung oder die Verhaltenstherapie. Magen-Darm-BeschwerdenÜbelkeit (Nausea) und Erbrechen (Emesis) können nicht nur von einer Strahlen- und Chemotherapie ausgelöst werden, sondern bei einem ausgedehnten Prostatakrebs auch durch Metastasen, eine Stoffwechselstörung (z.B. durch Knochenbefall oder Nierenschädigung) und Medikamente (z.B. Schmerzmittel). Sie lassen sich medikamentös behandeln. Falls möglich ist aber eine kausale Therapie vorzuziehen wie die lokale Bestrahlung einer Metastase oder die Beseitigung des Auslösers (z.B. Umsetzen des Schmerzmittels). Psychotherapeutische Verfahren können unterstützend wirken.
Eine Verstopfung (Obstipation) kann ähnliche Gründe haben und wird oft verstärkt durch mangelnde Bewegung und veränderte Ess- und Trinkgewohnheiten. Ist die Ursache nicht zu beseitigen, werden Abführmittel (Laxanzien) gegeben. Bei mechanischer Verlegung des Darms (z.B. Einengung des Mastdarms durch den Tumor) und bei Darmlähmung (Ileus) kann eine Operation notwendig sein. AtembeschwerdenMögliche Ursachen für Husten und Luftnot (Dyspnoe) sind ebenfalls sehr zahlreich. Die Behandlung erfolgt auch hier möglichst kausal, ansonsten symptomatisch, beispielsweise mit Medikamenten, durch physikalische Therapie wie Befeuchten der Atemluft oder Atemtherapie, durch zusätzliche Gabe von Sauerstoff und mit psychotherapeutischen Verfahren. Palliative SedierungBesteht in der Endphase der Krankheit trotz maximal möglicher Therapie weiterhin ein unerträgliches körperliches oder psychisches Leid, ist eine Sedierung (Beruhigung) mit Medikamenten möglich. Die Einschränkung des Bewusstseins kann dabei gesteuert werden, führt also nicht unbedingt zum Verlust von Sinneswahrnehmungen wie Hören oder Sehen. Ob diese Möglichkeit für ihn in Betracht kommt, sollte der Kranke rechtzeitig mit seinem Arzt besprechen. Psychoonkologische UnterstützungDie Diagnose Krebs kann sich erheblich auf das seelische und soziale Leben von Betroffenen auswirken. Psychoonkologen (psychosoziale Onkologen) sind speziell auf diesem Gebiet geschulte Ärzte oder Psychologen, die Krebspatienten und ihre Angehörigen begleiten, beraten und behandeln. Ziel ist, sie bei der Bewältigung der Krankheit zu unterstützen, körperliche Beschwerden (z.B. Schmerz) und psychische Belastungen zu verringern und die Lebensqualität zu verbessern. Der behandelnde Arzt sollte nach entsprechenden Problemen fragen und gegebenenfalls eine psychoonkologische Unterstützung anbieten oder vermitteln. VorsorgeNiemand beschäftigt sich gerne mit seinem eigenen Tod. Es erleichtert den Abschied jedoch, wenn die wichtigsten Dinge geregelt sind. Am besten rechtzeitig, beispielsweise um keine Zweifel an der Testierfähigkeit aufkommen zu lassen (z.B. beim Ausstellen einer Vollmacht) oder um keine Fristen zu versäumen (z.B. spielt bei manchen Rentenversicherungen die Dauer einer Ehe für den Rentenanspruch eine Rolle).
Ratsam ist, wichtige Dokumente auszustellen und Unterlagen zu ordnen sowie dafür zu sorgen, dass eine Person des Vertrauens Zugriff darauf hat (Zettel mit dem Ort oder Schließfachschlüssel bei sich tragen oder aushändigen). Beispiele:  | Patientenverfügung (Patiententestament): Was soll in welchem Fall medizinisch unternommen werden, falls man das selbst nicht mehr entscheiden kann.
|  | Betreuungsverfügung: Wer soll als Betreuer bestellt werden, falls man entscheidungsunfähig wird.
|  | Vorsorgevollmacht: Wer soll in welchem Umfang über persönliche Angelegenheit (z.B. Betreuung, Vermögen) Vollmacht erhalten, falls man entscheidungsunfähig wird.
|  | Testament: Handschriftlich oder beim Notar.
|  | Verzeichnis und Unterlagen von Konten und Vermögen: Evtl. dem Testament beilegen.
|  | Post- und Bankvollmacht: Über den Tod hinaus wirksame Form wählen.
|  | Ausweise und Urkunden: Z.B. Personalausweis, Reisepass, Geburtsurkunde, Heiratsurkunde, Familienstammbuch, Scheidungsurteil, Sterbeurkunde des Partners.
|  | Verzeichnis und Unterlagen von Versicherungen: Z.B. Krankenkasse (inkl. Karte), Rentenversicherung (inkl. letztem Bescheid), Lebensversicherung (Bezugsberechtigung prüfen), Unfallversicherung, Sterbegeldversicherung.
|  | Verzeichnis und Unterlagen von Verträgen: Z.B. Mietvertrag, Bestattungsvorsorgevertrag. |

Weitere InformationenFalls Sie weitere Informationen brauchen, fragen Sie am besten Ihren behandelnden Arzt. Für eigene Recherchen, hier eine kleine Auswahl als erste Anlaufstellen:  | Selbsthilfe: Adressen zum Informationsaustausch mit Betroffenen. Hier in der Rubrik Selbsthilfe
|  | Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ): Informationen über Prostatakrebs (in der Rubrik Krebsarten) und Schmerzen (in der Rubrik Leben), Informationsblätter, Broschüren, Adressen (auch von Psychoonkologen), Links, kostenlose telefonische Beratung. -> Zur Website ...
|  | Deutsche Krebshilfe e.V.: Informationen über Prostatakrebs, zahlreiche blaue Ratgeber zum Thema (z.B. Nr. 17, 40, 42, 50, 51, 57), Links, telefonische Beratung. -> Zur Website ...
|  | Theodor Springmann Stiftung – INKA (Informationsnetz für Krebspatienten und ihre Angehörigen): Informationen über Prostatakrebs, telefonische Beratung, Pinnwand. -> Zur Website ...
|  | |  | |  | Deutscher Hospiz- und Palliativverband e.V. (DHPV; früher: BAG Hospiz): Allgemeine Informationen, Adressen (auch der Landesarbeitsgemeinschaften), Links. -> Zur Website ...
|  | Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung: Broschüren, Adressen, telefonische Beratung. -> Zur Website ...
|  | Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V.: Vereinigung von Fachpersonal. Allgemeine Infos, Adressen (auch von Ärzten), Links. -> Zur Website ...
|  | Wegweiser Hospiz und Palliativmedizin Deutschland: Allgemeine Informationen, Links (unter Texte / Texte 2006/2007 / Internet), Adress-Suchmaschine. -> Zur Website ...
|  | LAGO (Landesarbeitsgemeinschaft onkologische Versorgung) Brandenburg e.V.: Netzwerk zahlreicher Mitglieder zur Verbesserung der Versorgung Krebskranker. Informationsmaterial, Adressen. -> Zur Website ...
|  | Medizinische Medien Informations GmbH (MMI): Adressen zum Thema Hospizarbeit und Palliativmedizin. -> Zur Website ...
|  | |  | Claudia Bausewein, Susanne Roller, Raymond Voltz (Hrsg.): Leitfaden Palliativmedizin - Palliative Care. Elsevier, 3. Auflage 2007, 672 Seiten, gebunden, ISBN 978-3-437-23311-1, 39,95 EUR, 62,00 CHF: Kurze, umfassende Informationen für Fachpersonal. -> Buch bei amazon.de bestellen |
Anmerkung: Insbesondere die Therapieempfehlungen basieren auf der neuesten Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU: Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, September 2009, Volltext bei der AWMF verfügbar als PDF, 3,3 MB). Autoren: Prof. Dr. med. J. Sökeland und Dr. med. Hubert E. Weiß, 29.01.2010 Nächster Abschnitt: Rehabilitation nach Prostatakrebs-Behandlung
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