Stadien und Prognose des Prostatakarzinoms

Aus der Tumorausbreitung und der Biopsie ergibt sich das für die Prognose und Behandlungsplanung wichtige Tumorstadium. Die individuelle Prognose hängt von vielen Faktoren ab und kann mit Nomogrammen abgeschätzt werden.

Stadieneinteilung

Nachdem die Untersuchungen abgeschlossen sind, lässt sich aus den Ergebnissen das klinische Stadium angeben. Dies geschieht in der Regel nach dem TNM-System (selten nach Jewett in A-D, Näheres zu beiden siehe Wachstum und Ausbreitung). Zudem liegt der histologische (feingewebliche) Befund mit dem Tumor-Grading nach Gleason (Score 2-10) und Helpap (GIa-GIIIb) vor (Näheres zu beiden siehe Klassifikation).

Anhand dieser Daten kann man folgende Tumorstadien unterscheiden, was für die Wahl der richtigen Behandlung und eventuell die Abschätzung der Prognose (s.u.) wichtig ist (nach AJCC = American Joint Committee on Cancer. Anm.: Ein hierzulande zum Teil noch gebräuchliches System teilt in Stadium 0-4 ein):

  • Stadium I: (Kleines inzidentes = zufällig gefundenes Prostatakarzinom) = T1a, N0, M0, GIa
  • Stadium II: Lokal begrenztes Prostatakarzinom = T1a-2, N0, M0, GIb-GIIIb
  • Stadium III: Lokal fortgeschrittenes Prostatakarzinom = T3, N0, M0, GIa-GIIIb
  • Stadium IV: Metastasiertes Prostatakarzinom = T4, N0, M0, GIa-GIIIb oder T1-4, N1, M0, GIa-GIIIb oder T1-4, N0-1, M1, GIa-GIIIb

Prognose

Die Stellung einer individuellen Prognose (Vorhersage) über den weiteren Krankheitsverlauf ist sehr schwierig. Sie richtet sich nach zahlreichen Faktoren, zum Beispiel dem Alter und Gesundheitszustand des Betroffenen, dem klinischen (durch Untersuchungen festgestellten) TNM-Stadium, dem Biopsie-Befund und der vorgesehenen Behandlung.

Unbehandelt schreitet die Krankheit meist langsam fort. Die folgende Tabelle zeigt Durchschnittswerte für das Risiko von Metastasen (Tochtergeschwülsten) und für die Mortalität (Sterblichkeit) von unbehandelten Patienten in Abhängigkeit vom TNM-Stadium (nach R. Hautmann, H. Huland: Urologie. S.233, Springer, Heidelberg 2006):

TNM-Stadium   Metastasen vorhanden bei   Mortalität (ohne Behandlung)
T1a   0%   2% in 5-10 Jahren
T1b   25%   20% in 5-10 Jahren
T2a   15%   20% in 5-10 Jahren
T2c   35%   70% in 5-10 Jahren
T3   50%   75% in 5-10 Jahren
N1-3, M1   100%   über 50% in 3 Jahren

Der histologische Befund der Prostatabiopsie erlaubt Schlüsse auf das voraussichtliche pathologische TNM-Stadium (festgestellt nach Operation). Er trägt somit wesentlich zur Prognosestellung und Therapieplanung bei. So sprechen für eine eher günstige Prognose bei richtiger Behandlung:

  • Tumor-Typ: Adenokarzinom
  • Gleason-Score bis 7a (= 3+4)
  • Helpap-Grading bis GIIa
  • Niedrig- oder mäßiggradiges Prostatakarzinom (Low grade oder intermediate grade, s. Klassifikation)
  • Geringe Zahl positiver (befallener) Stanzzylinder (kleiner Tumor)
  • Niedriger Anteil des Tumors am gesamten Biopsiematerial (kleiner Tumor)
  • Einseitiger Befall der Prostata
  • Großer Abstand des Tumors zur Prostatakapsel
  • Kein Einwachsen des Tumors in Nervenscheiden (keine perineurale Infiltration)
  • Kein Einwachsen des Tumors in die Samenblasen

Risikoabschätzung mit Nomogrammen

Um die individuelle Vorhersage zu verbessern, wurden so genannte Nomogramme entwickelt. Dabei handelt es sich um Tabellen oder Diagramme, mit deren Hilfe sich anhand von Untersuchungsbefunden das pathologische (durch Operation festgestellte) TNM-Stadium sowie verschiedene Therapieergebnisse und Überlebenswahrscheinlichkeiten voraussagen lassen. Auf eine Darstellung wird hier verzichtet, weil sie ständig überarbeitet werden. Es gibt zahlreiche Nomogramme, die wichtigsten sind:

Partin-Tabellen: Sie dienen dazu, das pathologische TNM-Stadium vorherzusagen (pT und pN). In Abhängigkeit vom PSA-Wert und Gleason-Score zeigen die Tabellen von 2001 für die klinischen Stadien T1c, T2a, T2b und T2c jeweils die Wahrscheinlichkeiten für einen lokal begrenzten Tumor (pT2), eine Kapselüberschreitung (pT3a), einen Samenblasenbefall (pT3b) und Lymphknotenmetastasen (pN1).

Kattan-Nomogramme: Mit ihrer Hilfe lässt sich das Ausbleiben einer Progression (eines Fortschreitens) der Krankheit prognostizieren, abhängig von zum Beispiel PSA-Wert, Gleason-Score und klinischem TNM-Stadium. Es gibt Nomogramme für die Wahrscheinlichkeit einer fünfjährigen Progressionsfreiheit nach radikaler Prostatektomie, Brachytherapie mit Seeds (Einbringen radioaktiver Stoffe in die Prostata zur "inneren" Bestrahlung) und 3D-Bestrahlung von außen. Ein weiteres Nomogramm berücksichtigt den PSA-Wert vor und die Befunde nach einer radikalen Prostatektomie; es sagt die Wahrscheinlichkeit für eine siebenjährige Progressionsfreiheit nach der Operation voraus.

Ausblick: Spezielle Computerprogramme (artifizielle = künstliche neuronale Netze, ANN) können wesentlich mehr Befunde gleichzeitig berücksichtigen als Nomogramme. Sie versprechen damit in Zukunft eine noch genauere Risikoabschätzung.

Autoren: Prof. Dr. med. J. Sökeland und Dr. med. Hubert E. Weiß, 31.08.2007