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Eine solche allgemeine Behandlung mit modernen Verfahren wie der Target-Therapie und der Immuntherapie kann bei Hormon-unempfindlichem Prostatakrebs versucht werden, jedoch nur im Rahmen von Studien.
Im Gegensatz zur lokalen wird bei der systemischen Therapie der gesamte Körper (das System) behandelt. Bei Prostatakrebs wird eine systemische Therapie in der Regel durchgeführt, wenn der Tumor wahrscheinlich oder nachgewiesenermaßen nicht mehr auf die Prostata begrenzt ist. Sie umfasst die Hormontherapie und in fortgeschritteneren Stadien die Chemotherapie sowie weitere, moderne Verfahren, die im folgenden beschrieben werden. Sie werden derzeit nur in Studien bei Patienten mit hormonrefraktärem (Hormon-unempfindlichem) Prostatakarzinom eingesetzt. Target-TherapieUnter Target-Therapie (engl. targeted therapy = gezielte Therapie) fasst man verschiedene Methoden der medikamentösen Behandlung bösartiger Tumoren zusammen. Allen ist gemein, dass sich die verwendeten Wirkstoffe gegen spezielle Moleküle richten (z.B. Rezeptoren), die mit dem Wachstum von Tumorzellen zu tun haben wie der Teilung oder Reifung der Zellen, dem programmierten Zelltod (der Apoptose), der Weiterleitung von Signalen in den Zellen oder der Neubildung von Gefäßen (Angiogenese). Auch manche Zytostatika wirken über derartige (z.T. noch unbekannte) Rezeptoren. Dennoch rechnet man sie zur Chemotherapie, während zur Target-Therapie neuere Medikamente zählen. Die Abgrenzung ist also nicht ganz scharf.
Die Wirkstoffe blockieren als Antikörper (monoklonale Antikörper = MAB) spezielle Rezeptoren (z.B. den Androgen-Rezeptor) oder hemmen als kleine Moleküle (engl. small molecules) die Bildung wichtiger Eiweiße (Antisense-Moleküle) oder die Wirkung von Enzymen, die zur Aktivierung von Rezeptoren nötig sind (z.B. Tyrosinkinase). So wirken sie zum Beispiel gegen Rezeptoren für Wachstumsfaktoren (Wachstumshemmer), für Faktoren, die die Gefäßneubildung anregen (Angiogenesehemmer), für das gefäßverengende Endothelin (Endothelin-1-Antagonisten) oder für Serotonin, einen Botenstoff des Nervensystems. Beispiele sind Trastuzumab, Sunitinib, Sorafenib, Gefitinib, Imatinib, Bevacizumab, Thalidomid, Atrasentan, Rapamycin, Oblimersen, Suramin und hoch dosiertes Calcitriol (Vitamin D).
Solche Wirkstoffe wurden bislang in der Regel bei metastasiertem hormonrefraktärem Prostatakarzinom geprüft, zumeist in Kombination mit Zytostatika wie Docetaxel. Sie lieferten in diesen Studien zum Teil viel versprechende Ergebnisse, so dass sie weiter untersucht werden. Ihr Einsatz außerhalb von Studien wird jedoch noch nicht empfohlen. Immuntherapie („Impfung“)Bei der Immuntherapie werden Medikamente zugeführt, die das körpereigene Abwehrsystem (Immunsystem) beeinflussen. Beispielsweise kann man es unterdrücken (Immunsuppression, z.B. mit Kortison gegen Transplantatabstoßung), es mit Antikörpern (Abwehrstoffen) unterstützen (passive Impfung, z.B. bei Verletzung gegen Tetanus) oder es durch Zufuhr von Antigenen (Abwehr erregende Stoffe) zur Bildung von Antikörpern anregen (aktive Impfung, z.B. gegen Grippe). Die Verabreichung von Impfstoffen (Vakzinen) dient also der Vorbeugung gegen Krankheiten.
Dennoch spricht man auch bei der Behandlung bösartiger Tumoren von (therapeutischer) Impfung, wenn dabei Impfstoffe aus Tumorantigenen gegeben werden (Tumorvakzinen). Diese sollen dann das Immunsystem dazu bringen, den Tumor gezielt zu bekämpfen. Dies wird allerdings dadurch erschwert, dass maligne Tumoren vor allem im fortgeschrittenen Stadium ihre Antigene ändern können und das Immunsystem negativ beeinflussen, so dass sie der Abwehr entgehen.
Zur Immuntherapie von Prostatakrebs gibt es verschiedene Ansätze: Die Gabe von monoklonalen Antikörpern (s.o.) oder von Tumorvakzinen. Letztere können hergestellt sein aus Tumorzellen des Patienten (autologe Zellen), aus Labor-Zell-Linien oder Tumorzellen anderer Patienten (allogene Zellen), aus speziellen Abwehrzellen des Patienten (DC = engl. dendritic cells, für sog. DC-Vakzinen) oder aus mit Tumorantigenen beladenen Viren.
„Impfungen“ mit solchen Tumorvakzinen haben in Studien mit Patienten mit hormonrefraktärem Prostatakarzinom bereits ermutigende Wirkungen gezeigt. Bis sie routinemäßig angewendet werden können, sind jedoch noch viele Verbesserungen nötig wie die Aufhebung der tumorbedingten Immunsuppression und die Identifizierung von Antigenen, die ausschließlich auf bösartigen und nicht auf normalen Zellen vorkommen (zu diesem Thema s. auch im Magazin: Impfung gegen Prostatakrebs?). Weitere TherapieverfahrenDie Gentherapie hat zum Ziel, defekte Gene (Erbinformationen in Form von DNA) in Zellen zu ersetzen oder zusätzliche Gene dort einzuschleusen. Dazu werden in der Regel ungefährliche Viren als „Gen-Fähren“ benutzt. Ein weiterer Ansatz ist die Zerstörung von Zellen durch Viren (z.B. Prostatakrebszellen durch das Sendai-Virus). Alle diese Verfahren stehen noch vor ungelösten Problemen und sind als experimentell anzusehen. Autoren: Prof. Dr. med. J. Sökeland und Dr. med. Hubert E. Weiß, 21.09.2009 Nächster Abschnitt: Unkonventionelle Behandlungsverfahren bei Prostatakrebs
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