Prostatopathie
Das chronische abakterielle Schmerzsyndrom des Beckens (Prostatopathie) ist eine Erkrankung, deren Ursache oft unklar ist und die meist Männer von 25-40 Jahren betrifft. Die Beschwerden gleichen denen bei chronischer Prostatitis.
Zu dieser Erkrankung werden zwei Krankheitsbilder (mit zahlreichen früheren Bezeichnungen) zusammengefasst: Die chronische abakterielle Prostatitis (Kongestionsprostatitis) und das chronische nicht entzündliche Schmerzsyndrom des Beckens (Prostatodynie, Prostatakongestion, Prostatose, Beckenbodenmyalgie, vegetatives Urogenitalsyndrom = VUG).
Ursache und Entstehung
Es handelt sich um ein psychosomatisches Krankheitsbild mit unklaren Ursachen. Eine chronische Entzündung der Prostata kann vorliegen, die aber nicht durch Krankheitserreger bedingt ist.
Krankheitszeichen
Die Beschwerden gleichen denen bei chronischer Prostatitis: Spannungs- oder Druckgefühl in der Dammgegend oder am Anus, ziehende Beschwerden in den Leisten mit Ausstrahlung in die Hoden, Druck- oder Kältegefühl oder Brennen hinter dem Schambein, Spannungsgefühl im Kreuzbeinbereich, Stuhlunregelmäßigkeiten, Stuhldrang, vermehrter Harndrang, gelegentlich erschwertes, verlangsamtes Wasserlassen, Brennen am Ende der Harnröhre, Nachträufeln von Harn und Restharngefühl.
Eher im Vordergrund stehen Störungen der Sexualfunktion wie verminderte Libido ("Lust"), Erektionsstörungen, vorzeitiger Samenerguss (Ejaculatio praecox) und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.
Untersuchung und Abgrenzung
Bei der digitalen rektalen Untersuchung (Abtasten mit dem Finger vom Mastdarm aus) kann gelegentlich eine leicht geschwollene Prostata zu tasten sein. Die Urinuntersuchung mit der Viergläserprobe ergibt in der Regel keine Entzündungszeichen, und Krankheitserreger lassen sich nicht nachweisen.
Bei der fachärztlichen Untersuchung werden systematisch alle organischen Veränderungen bzw. Erkrankungen ausgeschlossen, zum Beispiel mittels Harnröhrenabstrich, Spermauntersuchung, Harnflussmessung (Uroflowmetrie), Ultraschalluntersuchung (Sonographie), Spiegelung von Harnröhre und Harnblase (Urethrozystoskopie), Röntgendarstellung des Harntrakts mit Kontrastmittel und Probeentnahme (Biopsie) aus der Prostata. Auch proktologische Erkrankungen (Mastdarmerkrankungen, z.B. Hämorrhoiden) sind auszuschließen, weil sie ähnliche Krankheitszeichen auslösen können wie die chronische Prostatitis und Prostatopathie.
Behandlung
Am erfolgversprechendsten ist die Psychotherapie. Sie macht den Zusammenhang zwischen Psyche und körperlichen Beschwerden verständlich und fördert die Krankheitsbewältigung. Auch Körpertherapie, Entspannungsübungen (z.B. autogenes Training) und Bäderanwendungen können hilfreich sein.
Ergänzend werden beruhigende und durchblutungsfördernde, oft pflanzliche Präparate sowie krampflösende und schmerzlindernde Medikamente eingesetzt. Wichtig ist auch die Regulierung des Stuhlgangs bei Verstopfung.
Eine ausgewogene Ernährung unter Verzicht auf blähende Nahrungsmittel, scharfe Gewürze, Alkohol und sehr kalte Getränke trägt zur Heilung bei. Ebenso das Vermeiden von Faktoren, die die Prostata belasten: Auskühlung im Beckenbereich (z.B. längeres Tragen einer nassen Badehose, kaltes Wasser, kalte Sitzgelegenheit, Zugluft), kalte Füße, Überanstrengung, starke Belastung des Beckenbodens (z.B. Radfahren, Reiten).
Autor: Dr. med. Hubert E. Weiß, 10.11.2004
