Bestrahlung oder Hormontherapie (28.11.2016)

Frage:

Sehr geehrte Herren, im Alter von fast ** Jahren wurde bei mir eine Lymphadenektomie, radikale Prostatektomie ohne Nervenerhalt durchgeführt. Nach Entlassung wurde mir das Ergebnis der Tumorkonferenz mitgeteilt.Eine engmaschige Verlaufskontrolle wurde als angemessen empfohlen Bei einer Nachkontrolle wurde ein erhöhter PSA-Wert von 0,5 festgestellt. Es folgten ein PSMA-PET und ein MRT mit dem Ergebnis, dass sich eine kleine Metastase im 7. Brustwirbel befindet. Angeraten wurde mir eine permanente Hormontherapie. Ich fürchte aber die Nebenwirkungen. Wäre es nicht sinnvoller die Metastase zu bestrahlen und das Ergebnis abzuwarten? Für eine Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Antwort:

Sehr geehrter Herr *,

die Entfernung der Prostata wird unter der Vorstellung durchgeführt, dass sich die Erkrankung auf die Prostata begrenzt ist und sich nicht auf den übrigen Körper ausgebreitet hat. Wenn die Erkrankung nur ein Organ betrifft, dann ist nach der Entfernung dieses Organs auch mit der Heilung der Erkrankung zu rechnen. Eine lokale Erkrankung wird also mit einer lokalen Therapie behandelt.

Anders verhält es sich, wenn eine Tumorerkrankung metastasiert. Dies passiert immer dann, wenn der Tumor in Blut- oder Lymphwege hineinwächst, einzelne Tumorzellen sich vom Tumor lösen und über die Blut- oder die Lymphwege an andere Orte im Körper transportiert werden. Hat sich eine Tumorzelle dann an irgendeiner Stelle im Körper abgesiedelt, beginnt sie mit der Zellteilung und eine Metastase wächst heran. Dieser Vorgang ist in der Regel kein einzelnes Ereignis, sondern man muss davon ausgehen, dass sich mehrere Zellen an unterschiedlichen Orten im Körper absiedeln. Sobald dies geschieht, kann man die Erkrankung nicht mehr als eine lokale, also auf einen umschriebenen Ort des Körpers begrenzte, Erkrankung verstehen, sondern muss von einer generalisierten, also den ganzen Körper betreffenden, Erkrankung ausgehen. Eine generalisierte Erkrankung kann man natürlich auch nicht lokal behandelt, so wie man es durch eine Operation oder eine Bestrahlung tun würde.

Nun werden Sie zu recht einwenden, dass in der PET-Untersuchung nur eine Metastase gefunden wurde. Hierzu muss man wissen, dass auch die PET-Untersuchung nur eine begrenzte Auflösung hat. Erst wenn die Metastase schon aus vielen tausend Tumorzellen besteht, zeigt das PET einen positiven Befund an.

Ich hoffe diese Erklärung macht verständlich, warum man Ihnen mit der Hormontherapie eine generalisierte Therapie vorgeschlagen hat und sich nicht auf eine lokale Therapie verlassen möchte.

Mit freundlichem Gruß
Ihr Dr. Jürgen Linn

Zuletzt aktualisiert: 07.05.2018