Funktionen, Steuerung und Medikamente

Frage: Was sind Androgene und was tun sie?

Antwort: Androgene sind die männlichen Geschlechtshormone, das wichtigste ist Testosteron. Sie werden hauptsächlich in den Hoden gebildet und haben zahlreiche Aufgaben: Sie sorgen beispielsweise für die Spermabildung, den Geschlechtstrieb und die männliche Behaarung. Zur Behandlung von Prostataerkrankungen lässt sich mit so genannten 5-alpha-Reduktase-Hemmern die Aktivierung der Androgene hemmen, und mit Antiandrogenen ihre Wirkung.

Frage: Haben Männer auch weibliche Geschlechtshormone?

Antwort: Ja, allerdings nur in geringer Menge: In Hoden, Nebennieren und Fettgewebe werden Androgene in Östrogene umgewandelt, die zum Beispiel für die Reifung der Spermien (Samenzellen) wichtig sind. Die Umwandlung ist mit so genannten Aromatase-Hemmern unterdrückbar, Östrogene selbst können auch zur Behandlung des Prostatakarzinoms verwendet werden.

Frage: Wie wird die Hodenfunktion gesteuert?

Antwort: Unter dem Einfluss übergeordneter Hirnzentren bildet der Hypothalamus (Teil des Zwischenhirns) mit Beginn der Pubertät das Hormon LH-RH und gibt es an die Hypophyse ab (Hirnanhangdrüse). Sie schüttet daraufhin die Hormone FSH und LH aus, die wiederum auf die Hoden wirken: FSH fördert die Spermienbildung und LH die Androgen-Produktion.

Frage: Wie werden die Androgene reguliert?

Antwort: Die Höhe des Blutspiegels wird mit Hilfe eines Regelkreises gesteuert: Androgene bremsen die Bildung von LH-RH im Hypothalamus und von LH in der Hypophyse und somit ihre eigene Produktion. Weil sie aber rasch abgebaut werden, dauert dieser Effekt nur kurz, so dass LH-RH und LH und damit auch der Androgen-Spiegel wieder steigen. Im Endeffekt ergibt sich daraus ein Fließgleichgewicht zwischen Bildung und Abbau der Androgene mit einem konstanten Blutspiegel. Der Hypothalamus kann aber dessen Höhe in wenigen Stunden an den aktuellen Bedarf anpassen.

Frage: Warum können dann LH-RH-Analoga die Androgene absenken?

Antwort: LH-RH-Analoga sind Wirkstoffe, die wie (analog) LH-RH wirken, nur länger. Sie können die Androgen-Produktion deshalb senken, weil sie als Depot unter die Haut gespritzt werden und über mehrere Wochen daraus kontinuierlich freigesetzt werden. Dies verstärkt die LH-Ausschüttung aus der Hypophyse zunächst, so dass der Androgen-Spiegel steigt. Nach kurzer Zeit aber werden die Hypophysenzellen unempfindlich gegen LH-RH, das normalerweise nur alle paar Stunden freigesetzt wird. Dann sinken LH und infolge dessen auch das in den Hoden gebildete Testosteron auf sehr niedrige Werte ab.

Ausführlichere Informationen zu diesem Thema finden Sie in der Rubrik „Wissen“ unter Geschlechtshormone. Zur Hormonbehandlung siehe: