Häufigkeit des Prostatakarzinoms

Prostatakrebs ist bei Männern der häufigste bösartige Tumor und die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter bis ins achte Lebensjahrzehnt an und ist weltweit recht unterschiedlich verteilt.

Epidemiologische Daten über Prostatakrebs (s. auch Epidemiologie), also Zahlen über dessen Häufigkeit und Verteilung liefern wichtige Hinweise auf die Ursachen und Risikofaktoren sowie auf Fortschritte bei Untersuchung und Behandlung.

Neuerkrankungen

1998 hat das Prostatakarzinom in Deutschland den Lungenkrebs als häufigsten bösartigen Tumor bei Männern abgelöst. 2008 stand es mit 27,2% (etwa 70.800 Fälle) an der Spitze der Krebsneuerkrankungen, noch vor Dickdarmkrebs (14,6%, ca. 38.000 Fälle) und Lungenkrebs (13,3%, ca. 34.600 Fälle). Die Neuerkrankungsrate (Inzidenz, standardisiert) betrug etwa 126 je 100.000 Männer.

In den letzten Jahrzehnten war ein steiler Anstieg der Zahl der jährlichen Neuerkrankungen und weniger auch der Inzidenz zu verzeichnen (1980 20.100, 1990 30.800, 1996 40.900, 2001 51.200, 2006 60.120, 2008 70.800). Mögliche Erklärungen sind zuverlässigere Meldungen, mehr zufällige Entdeckungen bei Operationen wegen Prostatavergrößerung (TUR-P, s. Operationsverfahren zur BPS-Behandlung) und vor allem die erhebliche Zunahme der PSA-gestützten Früherkennung (s. Früherkennung von Prostatakrebs).

Wichtig für den letzten Punkt ist, dass sich bei vielen verstorbenen Männern Prostatakrebs finden lässt, der zu Lebzeiten nicht auffällig geworden war und das Leben der Betroffenen nicht beeinflusst hatte. Die Prävalenz (das Vorhandensein) dieses so genannten latenten Prostatakarzinoms steigt nach Daten aus anderen Ländern mit dem Alter an auf vergleichbare Werte von bis zu 60% bei über 80-Jährigen. Deshalb ist wahrscheinlich das seit den 1990er Jahren intensivere Screening (die Reihenuntersuchung) mittels PSA-Test Hauptursache für den Anstieg der Neuerkrankungen.

Altersverteilung und Erkrankungsalter

Die Häufigkeit des Prostatakarzinoms nimmt zunächst mit dem Alter stark zu und fällt im höheren Alter wieder etwas ab. 2006 traten keine Fälle vor dem 45. Lebensjahr und nur gut 12% vor dem 60. Lebensjahr auf. Die Inzidenz (Neuerkrankungsrate) betrug jeweils je 100.000 Männer etwa 15 bei 45-49-Jährigen, 61 bei 50-54-Jährigen, 212 bei 55-59-Jährigen, 417 bei 60-64-Jährigen, 608 bei 65-69-Jährigen, 716 bei 70-74-Jährigen, 719 bei 75-79-Jährigen, 611 bei 80-84-Jährigen und 498 bei Ab-85-Jährigen.

Diese Werte haben seit 1980 deutlich zugenommen, vor allem in den jüngeren und mittleren Altersgruppen und weniger oder kaum bei den Ab-70-Jährigen. In der letztgenannten Gruppe war nach einem Hochpunkt Mitte der 1990er Jahre sogar ein leichter Rückgang der Inzidenzraten festzustellen. Vermutlich hängt dies damit zusammen, dass sich die Männer immer früher und besser (mittels PSA-Test) untersuchen lassen.

Das mittlere Erkrankungsalter ist in den letzten Jahrzehnten gesunken: 1980 lag es bei 73 Jahren, 2002 bei 70 Jahren und 2006 bei 69 Jahren. Auch dies spricht für eine zunehmend frühere Diagnose durch eine häufigere Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen.

Krankenstand

2004 lebten in Deutschland fast 325.600 Männer mit Prostatakrebs, der höchstens 10 Jahre zuvor festgestellt worden war (10-Jahres-Prävalenz). Das entspricht 0,8% aller Männer. Mehr als die Hälfte (58%) waren mindestens 70 Jahre alt, also 5% aller Männer in dieser Altersgruppe. Bei 222.300 Männern lag die Diagnose maximal 5 Jahre zurück (5-Jahres-Prävalenz).

Auch diese Zahlen haben sich in den letzten Jahren erhöht und dürften weiter steigen: Allein seit 1990 war eine Zunahme etwa um das Eineinhalbfache zu verzeichnen, vor allem bei den 60-69-Jährigen (um mehr als das Doppelte) und bei der 10-Jahres-Prävalenz. Letzteres spricht wiederum für eine frühere Diagnose und bessere Überlebenschancen. Die 5-Jahres-Prävalenz betrug 2006 bereits 238.500, und für 2010 werden 259.000 erwartet.

Sterblichkeit

Unter den bei Männern zum Tode führenden Krebserkrankungen lag das Prostatakarzinom 2008 mit 10,4% (etwa 11.900 Fälle) nur an dritter Stelle, nach Lungenkrebs (25,4%, ca. 29.000 Fälle) und Dickdarmkrebs (12,5%, ca. 14.200 Fälle). Die Sterberate (Mortalität, standardisiert) betrug etwa 20 je 100.000 Männer.

Die Zahl der Sterbefälle an Prostatakrebs hat in den letzten Jahrzehnten langsam und stetig zugenommen (1980 8.800, 1990 10.500, 2000 11.100, 2008 11.900). Die Mortalität stieg jedoch zunächst etwas an und fiel danach unter das Ausgangsniveau ab (1980 ca. 25, 1994 ca. 30, 2008 ca. 20 je 100.000 Männer). Dies bedeutet höhere Überlebenschancen und geht vermutlich ebenfalls auf eine immer frühere Diagnosenstellung und bessere Behandlungsmöglichkeiten zurück.

Risiko und Prognose

Obwohl vor allem in höherem Alter sehr oft ein latenter Prostatakrebs vorliegt (s.o.), ist die Gefahr gering, einen behandlungsbedürftigen Tumor zu entwickeln. Nach Daten von 2006 steigt das Risiko, in den nächsten 10 Jahren an Prostatakrebs zu erkranken, für deutsche Männer mit dem Alter an, von 0,1% bei 40-Jährigen auf 6,3% bei 70-Jährigen. Das Risiko eines Mannes, irgendwann im Laufe seines Lebens daran zu erkranken (Lebenszeitrisiko), beträgt 12,3%. Das Risiko, in den nächsten 10 Jahren daran zu versterben, ist deutlich niedriger und nimmt ebenfalls mit dem Alter zu, von etwa 0,01% bei 40-Jährigen auf 1,3% bei 70-Jährigen. Das Sterberisiko im Laufe des Lebens beträgt insgesamt nur 3,3%.

Die Prognose bei Prostatakrebs ist gut. So hatten Männer, bei denen zwischen 2000 und 2004 ein Prostatakarzinom festgestellt wurde, eine 5-Jahres-Überlebensrate von 87%. Dies gilt für den Durchschnitt aller Formen des Prostatakarzinoms. Langsam wachsende Formen haben eine günstigere Prognose als schnell wachsende, die in jüngeren Jahren häufiger vorkommen. Auch diese Rate hat sich in letzter Zeit verbessert. Sie lag 1980 bei nur 70%. Ob und wie stark die Überlebenschancen tatsächlich gestiegen sind, zum Beispiel aufgrund besserer Behandlungsmöglichkeiten, ist noch unklar. Denn denkbar wäre, dass lediglich die Diagnose früher gestellt, der mögliche Todeszeitpunkt aber nicht beeinflusst wird. Vermutlich spielt beides eine Rolle.

Weltweite Verteilung

Prostatakrebs kommt weltweit recht unterschiedlich häufig vor. In Europa (27 Länder) stand Prostatakrebs wie in Deutschland 2008 bei Männern an der Spitze der Krebsneuerkrankungen (25,2%) und auf Platz 3 der zum Tode führenden Tumoren (10,2%). Die Inzidenz (Neuerkrankungsrate) betrug im Schnitt 111 je 100.000 Männer und zeigte ein Gefälle von Nord und West nach Süd und Ost: Es reichte von Irland (183), Frankreich, Norwegen, Schweden, Island, Belgien, Finnland und der Schweiz über Deutschland (126) und andere mittel- und osteuropäische Staaten bis hinunter zu Ländern vor allem auf dem Balkan und am Mittelmeer (letzter Platz Griechenland mit 31). Die Mortalität lag durchschnittlich bei 21 je 100.000 Männer und hat eher ein Nord-Süd-Gefälle: Von Litauen (39), Lettland, Schweden, Dänemark, Estland und Norwegen (alle über 30) bis hin zu Italien und Südosteuropa (letzter Platz Malta mit 12).

Im Vergleich mit Ländern in Übersee (Zahlen von 2006) liegen Australien und die USA bei der Inzidenz auf den vorderen Plätzen (163 bzw. 153) und bei der Mortalität im Mittelfeld (25 bzw. 18), während in Hong Kong beide Raten besonders niedrig sind (30 und 8). Bekannt ist weiterhin, dass in den USA farbige Männer deutlich häufiger an Prostatakrebs erkranken als weiße. In Asien und Indien soll dieser Tumor am seltensten vorkommen (Inzidenz z.B. in China 1988-1992 3, in Japan 1978-1982 7). Die Häufigkeit hat aber zumindest in einigen Ländern ebenfalls zugenommen (z.B. Japan 1993-1997 14).

Anmerkungen: In Deutschland sind Krebsregister Ländersache. Vorreiter waren hier Hamburg (seit 1926), die ehemalige DDR (seit 1953) und das Saarland (seit 1967), Schlusslichter sind Hessen (seit 2003) und Baden-Württemberg (seit 2009). Die Todesursachen-Statistik stützt sich nur auf (bekanntlich nicht immer korrekte) Angaben in den Totenscheinen, nachdem die in der DDR gültige Pflicht zur Sektion (Leichenöffnung) nach der Wende abgeschafft und nicht auf die alten Bundesländer ausgedehnt wurde. Die für Deutschland genannten Zahlen sind deshalb (gute) Schätzungen auf Basis (leider) unvollständiger Daten. Diese Einschränkungen dürften auch für manche anderen Länder gelten.

Quellen (u.a.)

  • DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.; Hrsg.): Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. Version 1.00, September 2009. Neueste Version verfügbar auf der Website der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften e.V.) über die Seite dieser Leitlinie als PDF
  • European Cancer Observatory: Most frequent cancers by sex in Europe (27 countries) 2008. Neueste Infos auf der Website der European Cancer Observatory.
  • European Cancer Observatory: Most frequent cancers by sex in Germany 2008. Neueste Infos auf der Website der European Cancer Observatory.
  • European Cancer Observatory: Prostate cancer: Estimated incidence and mortality in Europe (27 countries) 2008. Neueste Infos auf der Website der European Cancer Observatory.
  • Heidenreich, A., et al.: Guidelines on prostate cancer. European Association of Urology (EAU) 2011. Neueste Version verfügbar auf der EAU-Website über die Seite der onkologischen Leitlinien als PDF (englisch)
  • Robert Koch Institut (Hrsg.): Krebs in Deutschland 2005/2006. Häufigkeiten und Trends. 7. Ausgabe, Berlin 2010. Neueste Version verfügbar als PDF auf der RKI-Website (unter Gesundheitsmonitoring - Krebsregisterdaten)
  • Robert Koch Institut: Sterblichkeit, Todesursachen und regionale Unterschiede. Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 52, Berlin 2011. Verfügbar als PDF und bestellbar auf der RKI-Website (unter Gesundheitsmonitoring - Gesundheitsberichterstattung - Themenhefte)
  • Robert Koch Institut: Verbreitung von Krebserkrankungen in Deutschland. Entwicklung der Prävalenzen zwischen 1990 und 2010. Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Berlin 2010. Verfügbar als PDF und bestellbar auf der RKI-Website (unter Gesundheitsmonitoring - Gesundheitsberichterstattung - Beiträge zur GBE)
  • Rübben, H. (Hrsg.): Uroonkologie. 4. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2007