MRT-gesteuerte Prostatabiopsie

Auf dem deutschen Urologenkongress 2008 gab es gleich drei Vorträge zur Probeentnahme unter Kernspin-Kontrolle. Danach ist dieses neue Verfahren vor allem zum Aufspüren des Krebses nach negativer Erstbiopsie geeignet.

Mit der MRT (Magnetresonanztomographie, auch „NMR“ oder „Kernspin“) lassen sich mittels starker Magnetfelder, also ohne Strahlenbelastung Schichtaufnahmen vom Körper erstellen. Zur Diagnostik des Prostatakarzinoms werden auch verschiedene Abwandlungen verwendet, zum Beispiel mit Kontrastmittel, Endorektalspule (in den Mastdarm eingeführte Magnetspule) oder erhöhter Feldstärke (3T-MRT).

Bei der Prostatabiopsie unter TRUS-Kontrolle (TRUS = transrektaler Ultraschall) lässt sich trotz Krebsverdacht (z.B. erhöhtem PSA-Wert) oft kein Tumor nachweisen (negative Biopsie), selbst bei einer Rebiopsie (erneuten Biopsie). Deshalb wurde die MRT-gesteuerte Prostatabiopsie entwickelt, die jedoch um einiges aufwändiger ist: Ein Urologe entnimmt die Gewebeproben, während ein Radiologe die MRT-Aufnahmen macht, um verdächtige Bereiche der Prostata zu identifizieren und die Lage der Biopsienadel zu kontrollieren. Hierzu wurden jetzt drei neue Untersuchungen vorgestellt:

In der ersten (Schilling 1+2) ging es um die Übereinstimmung zwischen den Befunden im MRT und im operativ entfernten Gewebe. Dazu wurde bei 69 Männern, die ein mittels Biopsie gesichertes Prostatakarzinom hatten, vor der radikalen Prostatektomie ein MRT mit Endorektalspule durchgeführt. Radiologen, die das Biopsieergebnis nicht kannten, markierten in den MRTs insgesamt 211 verdächtige Bereiche, und Pathologen fanden 533 Krebsherde in den Operationspräparaten. Der Vergleich ergab, dass die Erkennungsrate nicht nur mit der Größe des Herdes stieg, sondern auch mit dessen Lage von vorn-unten nach hinten-oben. Die Autoren folgerten, dass die MRT als Grundlage für die MRT-gesteuerte Biopsie dienen kann und sich für Tumoren bis hinab zu 0,5cm Durchmesser eignet.

In der zweiten Untersuchung (Engehausen 1+2) wurde bei 115 Männern, darunter 93 mit 1-6 (!) vorherigen negativen TRUS-Biopsien, zunächst eine normale MRT und dann eine MRT-gesteuerte Biopsie durchgeführt. Am häufigsten fanden sich (Mehrfachdiagnosen waren möglich): Bei 41% ein Prostatakarzinom (bei 40% von denen mit vorheriger negativer Biopsie), bei 70% eine BPH (Prostatavergrößerung) und bei 32% eine Prostatitis (Entzündung). Zu schweren Komplikationen kam es nicht. Die Untersuchungszeit betrug jedoch 40-60 Minuten, was die Autoren neben der derzeit fehlenden Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen als nachteilig ansahen. Deutliche Vorteile erkannten sie gegenüber dem Vorgehen, bei dem man nach negativer Biopsie zunächst ein MRT mit Endorektalspule anfertigt und dann unter TRUS-Kontrolle mehrere Proben entnimmt, auch aus im MRT verdächtigen Bereichen.

In die dritte Untersuchung (Schilling 3) waren 69 Männer nach negativer TRUS-Biopsie und mit verdächtigem Befund im MRT mit Endorektalspule eingeschlossen. Die anschließende MRT-gesteuerte Biopsie mit 3-7 Proben dauerte bis zu 1,5 Stunden und wurde von allen gut vertragen. Bei 48% fand sich ein Prostatakarzinom, bei 20% eine Prostatitis und bei 12% eine Zellveränderung. Die Autoren hielten das Verfahren deshalb für eine gute Ergänzung zur TRUS-Biopsie, vor allem bei Patienten mit vorheriger negativer Biopsie und erhöhtem PSA-Wert.

Fazit: Die MRT-gesteuerte Prostatabiopsie könnte künftig insbesondere dazu beitragen, nach einer ersten negativen TRUS-gesteuerten Biopsie und nach wie vor bestehendem Krebsverdacht weitere, möglicherweise ebenfalls negative TRUS-Biopsien zu vermeiden. Es sind aber sicher noch mehr Studien nötig, vor allem auch zum Vergleich mit anderen, eventuell weniger belastenden und kostengünstigeren Methoden wie neuen Ultraschallverfahren (z.B. Elastographie, s. hierzu Artikel im Magazin).

Quellen:

  • Engehausen, D. G.: MRT-gesteuerte Prostatastanzbiopsie. Hohe Prostatakarzinom-Detektionsrate in der Re-Biopsie. Biermann, Köln, Urologische Nachrichten 9/08, 2. Ausgabe zum 60. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie 2008, S. 15
  • Engehausen, D. G., et al.: MRT-gesteuerte Prostatastanzbiopsie mit einer hohen Prostatakarzinom-Detektionsrate in der Re-Biopsie. 60. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie, Stuttgart, 24.-27.9.08, Abstract V 6.1, Urologe 2008 (Suppl 1):84
  • Schilling, D. A., et al.: Genauigkeit der T2-gewichteten endorektalen MRT für die Planung MRT-gesteuerter Prostatabiopsien - eine Korrelation mit Großflächenprostatektomiepräparate bei 70 Patienten. 60. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie, Stuttgart, 24.-27.9.08, Abstract V 6.2, Urologe 2008 (Suppl 1):84
  • Schilling, D.: Ist die MRT-Biopsie verlässlich? Genauigkeit der T2-gewichteten endorektalen MRT für die Planung bildgebungsgesteuerter Prostatabiopsien. Biermann, Köln, Urologische Nachrichten 9/08, 2. Ausgabe zum 60. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie 2008, S. 10
  • Schilling, D., et al.: Erfahrungen mit der MRT-gesteuerten transrektalen Prostatabiopsie nach vorhergegangener negativer TRUS-Biopsie im klinischen Einsatz. 60. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie, Stuttgart, 24.-27.9.08, Abstract V 6.3, Urologe 2008 (Suppl 1):84-85
  • Prostatakarzinom zuverlässiger aufspüren. Reed Business Information, München, Ärztliche Praxis Urologie, Kongresszeitung 25.9.08 S. 2
     

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