Neues zur Prostatakrebs-Früherkennung

Das Screening senkt die Prostatakarzinom-Sterblichkeit, erfordert einen niedrigen PSA-Schwellenwert und bietet ab 75 Jahren kaum noch Vorteile. Dafür sprechen neue, im Mai 2005 auf dem amerikanischen Urologenkongress veröffentlichte Studien.

Aus Österreich wurden folgende Beobachtungen vermeldet (1): Seitdem der PSA-Test im Bundesland Tirol kostenlos angeboten wird, ging dort die Sterblichkeit an Prostatakarzinom stärker zurück als im Rest der Alpenrepublik; zugleich wurden die Karzinome häufiger in früheren Stadien entdeckt, und mehr davon waren organbegrenzt, also potenziell heilbar. Zwar ist damit kein ursächlicher Zusammenhang nachgewiesen, denn es könnten andere Faktoren dafür verantwortlich sein. Die Ergebnisse – so die Autoren – unterstützen jedoch die Hypothese, dass kostenlose PSA-Tests 
und deren breite Akzeptanz mit einem Rückgang der Prostatakrebs-Sterblichkeit verbunden sind.

Dies deckt sich mit einer amerikanischen Studie (3) über das Prostatakarzinom-Screening (Reihenuntersuchung) mittels DRU (digitale rektale Untersuchung) und PSA-Test. Auch darin deutet sich an, dass das Screening die Sterblichkeit an Prostatakarzinom senkt. Den endgültigen Nachweis sollen derzeit laufende Studien erbringen.

Ebenfalls in Österreich (2) wurden Männer untersucht, die sich zwischen 1995 und 2003 wegen erhöhter PSA-Werte einer Prostatabiopsie unterzogen hatten. Obwohl dabei im Laufe der Zeit immer mehr Proben entnommen wurden, blieb die Prostatakarzinom-Erkennungsrate fast gleich. Jedoch sank der durchschnittliche PSA-Wert bei Diagnosestellung stark. Deshalb plädieren die Autoren für ein Screening mit niedrigem PSASchwellenwert für die Biopsie.

Aus den Niederlanden kommt eine Studie zur oberen Altersgrenze für das Prostatakarzinom-Screening (4). Danach tritt nur bei 1,7% der Männer, die im Alter von 71-74 Jahren mit negativem Befund untersucht wurden, in den nächsten 5 Jahren ein Prostatakarzinom klinisch in Erscheinung. Um diese Fälle vielleicht früher zu erkennen, hätten alle nach 4 Jahren erneut untersucht und etwa 20% davon biopsiert werden müssen. Dies spricht für die jetzige Praxis, das Screening ab 75 Jahren nicht mehr zu empfehlen. Denn obwohl dann bei sehr vielen Männern ein Prostatakarzinom mikroskopisch nachweisbar ist, erhöht dessen Behandlung die Lebenserwartung normalerweise nicht, kann aber erhebliche Folgen haben.

Quelle: Veröffentlichungen auf der Jahrestagung der American Urological Association (AUA), San Antonio, Texas, USA, 21.-26.5.2005: 
(1) Bartsch, G., et al.: Prostate cancer mortality following introduction of prostate specific antigen (PSA) mass screening in the Federal State of Tyrol, Austria: Follow-up until 2003. Nr. 536.
(2) Berger, A. P., et al.: Effects of PSA screening on the prostate cancer detection rate. Nr. 1482.
(3) Bergstralh, E. J., et al.: Population-based case-control study of PSA and DRE screening on prostate cancer mortality. Nr. 535 
(4) Roobol, M. J., et al.: The use of an upper age limit in prostate cancer screening. Nr. 1462

Weitere Informationen zur Prostatakrebs-Früherkennung: 
Broschüre Die Prostatastanzbiopsie