Prostatabiopsie unter Kernspin-Kontrolle

Um die Probeentnahme aus der Prostata zu verbessern, verwendet man in wenigen Kliniken Deutschlands die MRT schon seit einiger Zeit. Neues dazu gab es aus der Heidelberger Uniklinik und auf dem deutschen Urologenkongress 2010.

Die Urologische Universitätsklinik Heidelberg hat vor kurzem ein neues System zur Prostatabiopsie in Betrieb genommen. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus einer Hochfeld-MRT und einer speziellen Ultraschall-Technik. Zunächst werden mit dem besonders leistungsfähigen MRT-Gerät Aufnahmen angefertigt, auf denen der Radiologe verdächtige Bereiche markiert. Diese verknüpft der Urologe dann mit den Bildern aus dem hochauflösenden Ultraschall (s. auch TRUS), so dass er gezielt Proben entnehmen kann. Dies geschieht nicht wie sonst üblich vom Mastdarm aus, sondern über den Damm (perineal). Das System liefert schließlich ein dreidimensionales Modell der Prostata, das zeigt, wo sich verdächtiges Gewebe befindet und wo Proben entnommen wurden. Die Vorteile sollen in einer genaueren und nachvollziehbaren Diagnostik liegen, die dazu beitragen, dem Patienten gezieltere Therapien vorzuschlagen und ihm belastende Behandlungen zu ersparen.

Studien aus anderen Zentren zum Thema Prostatabiopsie unter Kernspin-Kontrolle wurden auf dem Urologenkongress vorgestellt: In der ersten Untersuchung (Seitz) verknüpfte man ebenfalls die Daten aus MRT und TRUS. Bei ein und demselben Patienten erfolgte dann zunächst eine gezielte Biopsie (aus markierten, verdächtigen Bereichen) und anschließend zusätzlich eine standardisierte Biopsie (mit Entnahme von 12 Proben aus Standardbereichen). Die Autoren stellten fest, dass die gezielte Biopsie in 9 von 10 Fällen zur Entdeckung eines Tumors ausgereicht hätte. Sie halten das Verfahren für machbar und für gezielte Probeentnahmen verwendbar, fordern jedoch größere Studien, um den Wert der Methode genauer zu bestimmen.

In zwei anderen Untersuchungen (Fehr, Garmer) wurde nur die MRT verwendet, zunächst zum Auffinden der verdächtigen Bereiche und dann zur Kontrolle bei der Entnahme der Proben, zumeist bei Patienten, die bereits mindestens eine negative (ohne Tumorbefund) Biopsie unter TRUS-Kontrolle hinter sich hatten. Auch damit ließen sich viele Tumoren aufspüren. Die MRT-gesteuerte Prostatastanzbiopsie sei allerdings aufwändig und erfahrungsabhängig, und die Auswahl der Patienten, bei denen sie eingesetzt werden sollte, müsste mittels neuerer Techniken noch verbessert werden, so die Autoren.

Quellen

Prostatakrebs punktgenau diagnostizieren: Heidelberger Urologie etabliert als eine der ersten Kliniken weltweit neues Ultraschall-Verfahren. Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), Heidelberg, Pressemitteilung vom 2.8.2010

62. Kongress der DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.), Düsseldorf, 22.-25.9.10:

  • Fehr, J.-L., et al.: Erfahrungen mit der MRT-gesteuerten Prostatabiopsie in der Re-Biopsie. Poster und Abstract P 20.1, Urologe 2010 (Suppl 1): 113
  • Garmer, M., et al.: Ergebnisse der MRT gesteuerten Prostatastanzbiopsie in einem halboffenen 1,5T Scanner in Rückenlage. Abstract V 1.2, Urologe 2010 (Suppl 1): 9
  • Seitz, M., et al.: MRT/real-time-TRUS Fusion zur gezielten Prostatastanzbiopsie. Abstract V 15.8, Urologe 2010 (Suppl 1): 43
     

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