Verschiedene Varianten des Prostatakarzinoms identifiziert

Bisher konzentriert sich die Unterscheidung bei Prostatatumoren in „langsam wachsend“ oder „aggressiv“. Nun zeigt eine Studie erstmals, dass es sogar fünf verschiedene Prostatakarzinom-Typen gibt. 

Welcher Patient profitiert in welcher Form von einer bestimmten Krebsbehandlung? Diese Fragen stellt sich häufig, wenn Mediziner nicht wissen, wie sich ein Tumor im weiteren Verlauf der Erkrankung verhalten wird – extrem aggressiv, wodurch eine sofortige Behandlung notwendig wird, oder harmlos, sodass auf eine möglicherweise nebenwirkungsstarke Therapie verzichtet werden kann.

Antworten kann künftig eventuell eine aktuelle Studie des Cambridge Institute for Cancer Research UK geben. Den Wissenschaftlern gelang es, anhand der Proben von gesundem sowie krebsartigem Prostatagewebe von 259 Probanden insgesamt 100 verschiedene Gene zu identifizieren, die an der Entwicklung von Prostatakrebs mitwirken. Daraus konnten wiederum fünf unterschiedliche Karzinomvarianten abgeleitet werden – jeweils mit charakteristischen Eigenschaften bezüglich der Aggressivität. Diese Zuordnung war sogar zuverlässiger als herkömmliche Methoden wie der Test des prostataspezifischen Antigens (PSA).

Mit den Studienergebnissen ergeben sich neue Möglichkeiten in der Krebstherapie, wie Prof. Malcolm Mason vom Cancer Research UK erläutert: „Bislang gibt es keine zuverlässige Methode, die verschiedenen Krebstypen voneinander zu unterscheiden. Das bedeutet, dass einige Männer eine unnötige Therapie erhalten – inklusive möglicher Nebenwirkungen. Andere könnten dagegen von einer intensiveren Behandlung profitieren.“

Die neuen Erkenntnisse könnten folglich dabei helfen, die Therapie an die individuelle Krebsvariante anzupassen und so die Wirksamkeit, aber auch die Lebensqualität zu verbessern, erklärt Mason. Voraussetzung ist jedoch, dass die aktuellen Ergebnisse durch größere Studien bestätigt werden. Da dies voraussichtlich einige Jahre dauern wird, muss die Hoffnung von Patienten auf entsprechende Behandlungsoptionen aber wohl erst noch gedämpft werden.

Quellen

  • Ross-Adams H et al., EBioMedicine 2015; 2(9): 1133-44
  • Cambridge Institute for Cancer Research UK