Keine erektile Dysfunktion durch TUR-P

Die transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P), die häufigste Operation bei gutartiger Prostatavergrößerung beeinträchtigt die Sexualfunktion nicht, gelegentlich ist sogar das Gegenteil der Fall, so eine neue Studie aus Schottland.

Unter einer erektilen Dysfunktion (ED) versteht man eine Störung der Gliedversteifung, genauer das dauerhafte Unvermögen, eine Erektion zu erreichen oder aufrecht zu erhalten, die für einen befriedigenden Geschlechtsakt ausreicht (Näheres dazu s. erektile Dysfunktion). Die TUR-P (transurethrale Resektion der Prostata), bei der überschüssiges Gewebe durch die Harnröhre hindurch abgetragen wird, ist die häufigste Operation wegen eines benignen Prostatasyndroms (BPS, „gutartige Prostatavergrößerung, s. Operationsverfahren zur BPS-Behandlung).

Ob die TUR-P eine ED zur Folge haben kann, darüber gibt es sehr widersprüchliche Berichte: Sie reichen davon, dass 81% der Männer nach TUR-P impotent seien und dass bei fast jedem dritten Mann nach TUR-P eine ED auftrete, bis zu einer deutlichen Verbesserung der Sexualfunktion nach dem Eingriff. Mögliche Ursachen dieser Verwirrung sind verschiedene Definitionen der ED, unterschiedliche Nachbeobachtungszeiten und Fehler in früheren Studien (z.B. retrospektive Untersuchung, nicht Einbeziehen schon vorher vorhandener ED). Außerdem kommt eine ED gehäuft bei Beschwerden des unteren Harntrakts vor (LUTS, z.B. beim Wasserlassen, s. Begriffe beim BPS), die Bestandteil des BPS sind; diese werden durch die Operation beseitigt, so dass sich die ED bessern kann.

Um den kurz- (6 Monate), mittel- (6 Jahre) und langfristigen (12 Jahre) Einfluss einer TUR-P auf die Sexualfunktion zu untersuchen, wurde diese prospektive (vorausschauende) Studie durchgeführt: Eingeschlossen waren 280 im Schnitt 68 Jahre alte Männer, bei denen 1993/1994 wegen Beschwerden des unteren Harntrakts eine TUR-P durchgeführt wurde. Von deren PartnerInnen nahmen 145 ebenfalls teil. Patienten und PartnerInnen füllten Fragebogen zur Sexualfunktion aus, und zwar vor der Operation und 3 und 6 Monate danach (nicht standardisierter Bogen) sowie nach 6 und 12 Jahren (standardisierter IIEF, nach 12 Jahren immerhin noch 113 Patienten und 60 PartnerInnen).

Vor der Operation hatten 57% der Männer (160 von 280) eine ED. Sechs Monate nach der Operation waren 41% (68 von 168) betroffen, darunter keiner der zuvor nicht Betroffenen (von denen aber nur knapp drei Viertel befragt werden konnten); hingegen berichteten 15% der zuvor Betroffenen über einer Verbesserung der Sexualfunktion. Sechs Jahre nach der Operation hatten 69% eine ED (70 von 101), von den bei der letzten Befragung nicht Betroffenen waren 64% noch sexuell aktiv. Zwölf Jahre nach der Operation waren 68% (77 von 113) von ED betroffen. Zu allen Zeitpunkten beurteilten die PartnerInnen das Vorhandensein einer ED zu deutlich mehr als 90% gleich und das Vorhandensein sexueller Aktivität um 5-15% niedriger. Von ED Betroffene waren im Schnitt etwas älter als nicht Betroffene.

Die Ergebnisse zeigen, so die Autoren, dass die ED unter Männern mit Beschwerden des unteren Harntrakts weit verbreitet ist (57%); nach einer anderen Studie nimmt ihre Häufigkeit mit der Stärke der Beschwerden zu. Zudem stieg der Anteil der von ED Betroffenen im Laufe der Nachbeobachtungszeit und damit mit dem Alter an, eine aus anderen Untersuchungen bekannte Tatsache. Die Ergebnisse widersprechen eindeutig der Behauptung, die TUR-P schädige die Sexualfunktion; laut Studien mit objektiver Messung der Erektion ist dies nur bei 8-14% der Fall (jedoch nimmt bei fast jedem zweiten Mann die Spermamenge ab, eine sehr häufige, gelegentlich mit ED verwechselte Nebenwirkung).

Im Gegenteil: Bei 15% der vorher Betroffenen besserte sich die Sexualfunktion sogar (laut anderen Studien keine Veränderung oder ebenfalls Besserung), was mit einer Linderung der Beschwerden durch die Operation einher ging. PDE-5-Hemmer standen damals noch nicht zur Verfügung, so dass sie diese 6-Monats-Ergebnisse nicht verbessern konnten, vielleicht aber die nach 12 Jahren. Andere Operationsverfahren beim BPS zeigten in früheren Untersuchungen ein ähnlich gemischtes Bild bezüglich ED wie die TUR-P.

Fazit der Autoren

Diese prospektive Langzeitstudie, an der auch PartnerInnen teilgenommen haben, bestätigt, dass eine ED (Erektionsstörung) in Verbindung mit Beschwerden des unteren Harntrakt auftritt und der TUR-P oft vorausgeht. Die anschließende Besserung einer vorbestehenden ED war verbunden mit der Linderung dieser Beschwerden. Die TUR-P beeinträchtigt die Sexualfunktion wahrscheinlich nicht, sondern kann eine vorbestehende ED in manchen Fällen sogar verbessern. Die Sexualfunktion blieb vielmehr nach dem Eingriff langfristig erhalten.

Quelle

Mishriki, S. F., et al.: TURP and sex: patient and partner prospective 12 years follow-up study. BJU Int., online veröffentlicht am 28.6.11, doi:10.1111/j.1464-410X.2011.10396.x

Weitere Informationen

Zuletzt aktualisiert: 25.07.2019