Operation bei Prostatakrebs trotz Knochenmetastasen?

Nur, falls der Tumor zu Komplikationen führt, ansonsten bei Hormontherapie unnötig, so die bisherige Meinung. Doch auf dem Jahreskongress der deutschen Urologen 2013 in Dresden war zu erfahren, dass es durchaus Gründe dafür gibt.

Bei Prostatakrebs entstehen Metastasen fast ausschließlich in Lymphknoten und im Skelett. Warum sich dies so verhält, ist jedoch völlig unbekannt. Der britische Chirurg Paget hat vor mittlerweile mehr als einhundert Jahren die so genannte seed-and-soil-Hypothese aufgestellt. Danach siedeln sich Tumorzellen (seed, Samen) dort an, wo die Umgebung (soil, Boden) günstige Bedingungen bietet. Wenn nun die Behandlung des Primärtumors (Ausgangstumor) bei metastasiertem Krebs die Prognose verbessert, spricht dies dafür, dass der Tumor selbst den Boden für seine Metastasen bereitet, möglicherweise durch Stoffe, die er ins Blut abgibt. Dass dies zutrifft, darauf gibt es bei anderen Krebsarten bereits Hinweise, in den letzten Jahren zunehmend auch bei Prostatakrebs:

Die Behandlung des Primärtumors bei metastasiertem Prostatakrebs erfolgte früher meist nur, um Komplikationen des weiter wachsenden Tumors zu vermeiden wie Beschwerden beim Wasserlassen, Blutungen und Schmerzen. Denn man ging davon aus, dass diese Behandlung unnötig ist, weil die Hormontherapie, die in diesen Fällen durchgeführt wird, ja sowohl gegen den Primärtumor als auch gegen die Metastasen wirkt.

Der Vergleich von Studien über die sofortige gegenüber der verzögerten Hormontherapie bei Prostatakrebs mit Lymphknotenmetastasen lässt jedoch erkennen, dass die Prognose besser ist, wenn man die Prostata zuvor operativ entfernt. Ähnliches gilt auch für die Bestrahlung der Prostata bei lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs: In Kombination mit einer Hormontherapie sind die Ergebnisse besser als bei jeder der beiden Behandlungsformen alleine.

Offensichtlich verhindert die Behandlung des Primärtumors eine weitere Aussaat von Tumorzellen. Eine mögliche Erklärung dafür lieferte vor wenigen Jahren eine Studie, in der das Erbgut der bösartigen Zellen untersucht wurde: Die Primärtumoren enthielten Zellen aus verschiedenen Linien (mehrere Klone), während die Zellen in Knochenmetastasen jeweils von einer einzigen Zelle aus dem Primärtumor oder aus Lymphknotenmetastasen abstammten.

Eine weitere Erklärung wäre, dass ein Primärtumor, der nicht entfernt, sondern beispielsweise bestrahlt wird, den Boden für seine Metastasen bereitet. Unterstützt wird diese Annahme von einer neueren Studie. Danach ermöglichen Prostatakrebszellen im Knochenmark nur dann eine Voraussage über das Auftreten von Knochenmetastasen, wenn sie vor einer radikalen Prostatektomie nachgewiesen werden, nicht jedoch, wenn man sie danach findet. Eine zusätzliche Unterstützung kommt von Studien, nach denen den Knochenmetastasen Veränderungen im Knochenmark vorausgehen, die von hormonellen Faktoren (Botenstoffen) aus der Prostata verursacht sein könnten.

Fazit des Autors

Bei Lymphknotenmetastasen verzögert die Entfernung des Primärtumors, kombiniert mit einer Hormontherapie, das Fortschreiten der Erkrankung und verbessert die Prognose. Prostatakrebsmetastasen stammen vermutlich von einzelnen Zellen aus dem Primärtumor oder aus Lymphknotenmetastasen. Dies spricht dafür, beide zu entfernen, wenn Knochenmetastasen vorhanden sind oder wahrscheinlich auftreten werden. Weiterhin könnten Stoffe aus der Prostata den Boden für Knochenmetastasen bereiten. Insgesamt gibt es wenige, erst in letzter Zeit zunehmend Daten zu diesem Thema.

Quellen

  • Schröder, F. H.: Prostatektomie bei ossär metastasiertem Prostatakarzinom? 65. Kongress der DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.), Dresden 25.-28.9.13, Forum 24 „Fokus Knochenmetastasen“ am 28.9.13, Vortrag
    • Schröder, F. H.: Prostatectomy in the presence of bone metastases? Biermann, Köln, Urologische Nachrichten 09/2013, Kongressausgabe 2, S. 21-22

Weitere Informationen

  • Zur Operation bei Prostatakrebs (auch zur Lymphknotenentfernung bei der Operation, zur Operation bei Lymphknotenbefall und zum Vorgehen bei einem Wiederauftreten des Tumors nach Operation) in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt „Prostatakarzinom“ unter radikale Prostatektomie sowie in der Rubrik „Weitere Infos“ im Abschnitt „Broschüren“ in der Broschüre Die Radikaloperation der Prostata beim Prostatakarzinom
  • Zur äußeren und inneren Bestrahlung bei Prostatakrebs (auch zur Lymphknotenentfernung, zur Bestrahlung bei Lymphknotenbefall und zum Vorgehen bei einem Wiederauftreten des Tumors nach Bestrahlung) in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt „Prostatakarzinom“ unter Strahlentherapie sowie in der Rubrik „Weitere Infos“ im Abschnitt „Broschüren“ in der Broschüre Methoden der Strahlentherapie beim Prostatakarzinom
  • Zur Hormonbehandlung von Prostatakrebs in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt „Prostatakarzinom“ unter Hormontherapie
    • Zur lindernden Behandlung von Knochenmetastasen in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt „Prostatakarzinom“ unter Palliativmedizin
Zuletzt aktualisiert: 04.06.2019