Operative Eingriffe bei BPS (benignes Prostatasyndrom, gutartige Prostatavergrößerung)

Einen Überblick über die eingreifenden Verfahren zur BPS-Therapie gab es auf dem Urologenkongress im September 2006: Alle derzeit erfolgreich angewandten Methoden, aber auch die nicht empfehlenswerten.

Allgemeine Hinweise zum benignen Prostatasyndrom (BPS) und den aktuellen Stand der medikamentösen BPS-Therapie, vorgestellt auf demselben Kongress, finden Sie hier im Magazin im Abschnitt „Medikamente“ unter „Medikamente bei gutartiger Prostatavergrößerung“.

Die Entscheidung zum operativen Eingriff fällt in der Regel bei einer Restharnmenge von mehr als 100ml, einem maximalen Harnfluss von weniger als 15ml pro Sekunde, mäßigen bis starken Beschwerden (IPSS 17-35), zu geringem Ansprechen auf Medikamente sowie Komplikationen des BPS (z.B. wiederholte akute Harnverhaltung oder Harnweginfekte).

Für die Auswahl des Verfahrens spielen insbesondere eine Rolle: Die intra- und postoperativen Risiken (z.B. Blutung, Infektion, Inkontinenz), die Effektivität (z.B. Verbesserung von Beschwerden, Harnfluss und Restharn) und das Langzeitergebnis (z.B. anhand der Reoperationsrate = Zahl der in einem bestimmten Zeitraum erforderlichen erneuten Eingriffe).

Die Adenomenukleation (AE), also die offene Operation, ist auch heute noch die Methode der Wahl bei hohem Prostatavolumen (ab etwa 100ml) und bestimmten BPS-Komplikationen (z.B. großen Harnblasensteinen). Ansonsten kommen die folgenden Verfahren infrage:

TUR-P und Verwandte

Bei der transurethralen Resektion der Prostata (TUR-P) wird das Gewebe durch die Harnröhre hindurch (transurethral) unter Sicht abgetragen, und zwar mit Hilfe einer Elektroschlinge zur Koagulation (Verkochung) des Wundbettes. Nicht zuletzt wegen zahlreicher technischer Fortschritte (z.B. Niederdruck-Systeme, Videokontrolle, Verbesserung des Hochfrequenzstroms) sind die Risiken in den letzten Jahrzehnten auf heute sehr geringe Werte gefallen, und weitere Verbesserungen wie die bipolare oder die intermittierende Koagulation sind schon verfügbar. Die TUR-P ist also sicher und liefert hervorragende und stabile Ergebnisse (Reoperationsrate 8-12% in 10 Jahren). Sie gilt deshalb als Goldstandard, an dem sich alle anderen Verfahren messen lassen müssen.

Bei der transurethralen Vaporisation bzw. Vaporesektion der Prostata wird das Gewebe bzw. ein Teil davon mittels Strom verdampft (vaporisiert). Beide Methoden werden aus verschiedenen Gründen nur noch in speziellen Fällen eingesetzt.

Laser-Verfahren

Je nach Verfahren und verwendetem Laser wird das Gewebe sofort abgetragen (durch Resektion oder Vaporisation) oder nach Koagulation vom Körper abgebaut oder abgestoßen. Laser-Verfahren werden vor allem eingesetzt bei jüngeren Männern, Begleitkrankheiten und Patienten, bei denen bestimmte Medikamente nicht abgesetzt werden können. Ihre Langzeitergebnisse fehlen noch.

Die HoLEP (Holmium-YAG-Laser-Enukleation der Prostata) ist ein effektives Verfahren zur transurethralen Resektion des Prostatagewebes, das wegen der schwierigen Technik kaum angewandt wird. Auch die Anwendung der ILC (interstitielle Laserkoagulation) nimmt ab. Hingegen wird die PVP (photoselektive Vaporisation der Prostata) mit dem KTP-Laser („Greenlight Laser“) weiterentwickelt; sie ist ein wirksames und sicheres Verfahren. Neue, aussichtsreiche Methoden sind die Holmium-YAG-Laser-Vaporisation und die Behandlung mittels Thullium- und Dioden-Laser.

Weitere physikalische Verfahren

Bei der TUMT (transurethrale Mikrowellen-Thermotherapie) wird das Gewebe mittels (heute nur noch hoch energetischer) Mikrowellen durch Hitze geschädigt. Sie ist zwar weniger effektiv als die TUR-P (Reoperationsrate 4,5-12,5% in 1 Jahr), jedoch komplikationsärmer, vor allem bezüglich möglicher Auswirkungen auf die Sexualfunktion. Ähnliches gilt für die TUNA (transurethrale Nadelablation: Hitzeschädigung durch Radiofrequenzwellen über Nadelelektroden, Reoperationsrate 19-38% in 2 Jahren), ein bemerkenswert komplikationsarmes Verfahren.

Nicht zu empfehlen, unter anderem wegen hoher Reoperationsraten, ist die Behandlung mit HIFU (hoch intensiv fokussierter Ultraschall) und mit WIT (wasserinduzierte Thermotherapie). Die Einlage von Stents („Röhrchen“) in die Harnröhre bleibt wegen zahlreicher Komplikationen Einzelfällen vorbehalten.

Injektionstherapie

Ziel dieser Behandlung ist, die Prostata durch Einspritzen einer Substanz zu verkleinern. So schädigt zum Beispiel 100%iger Alkohol das Gewebe, das dann vom Körper abgebaut wird. Diese Methode wurde wegen möglicher Komplikationen wieder verlassen.

Als interessanter Kandidat gilt aber Botulinustoxin (BTX-A): Es wird vom Damm aus in die Prostata gespritzt und lässt das Gewebe dort schrumpfen. Die Wirkung ist Dosis-abhängig, die Ergebnisse sind sehr gut, und unerwünschte Wirkungen wurden bislang nicht bekannt. Anders als bei anderen Anwendungen (z.B. bei der Behandlung von Falten im Gesicht) hat Botulinustoxin an der Prostata einen dauerhaften Effekt und muss deshalb nicht nach kurzer Zeit erneut gegeben werden.

Quellen (u.a.):

  • 58. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie, Hamburg, 20.-23.9.06, Forum 20 „Therapie der BPH“ am 22.9.06: Michel, M. S.: TUR (Vortrag 2). Hakenberg, O. W.: Physikalische Alternativtherapien (Vortrag 3). Jünemann, K.-P.: Injektionstherapie (Vortrag 4). Reich, O.: Laserverfahren (Vortrag 5).
  • Berges, R., Th. Senge: Benignes Prostatasyndrom. In: Hautmann, R., H. Huland (Hrsg.): Urologie. 3. Aufl., Springer, Heidelberg 2006
     

Weitere Informationen zur BPS-Therapie in der Rubrik „Benignes Prostatasyndrom (BPS)“ unter „Behandlung des BPS“ und „Operationsverfahren zur BPS-Behandlung“.

Zuletzt aktualisiert: 22.03.2019