Operatives Entfernen von Metastasen sinnvoll?

Einzelne Prostatakrebsmetastasen können in ausgesuchten Fällen operiert werden, zum Nutzen gibt es aber keine aussagekräftigen Studien, so das Fazit einer Übersicht, die auf dem deutschen Urologenkongress 2012 vorgestellt wurde.

Das operative Entfernen von Metastasen, die bei der Erstbehandlung eines bösartigen Tumors bereits vorhanden waren oder die erst später auftreten, ist bei vielen Tumoren Standard und verbessert die Prognose des Patienten. Beim Prostatakarzinom sehen die aktuellen Leitlinien ein solches Vorgehen jedoch nicht als Behandlungsmöglichkeit vor, obwohl es dazu immer mehr Berichte gibt.

Entfernen von befallenen Lymphknoten

Unter einer Salvage-Lymphadenektomie (SLA, wörtlich: Rettungs-Lymphknotenentfernung) versteht man das operative Entfernen einzelner Lymphknotenmetastasen nach einer Erstbehandlung, die auf Heilung abzielte, also nach radikaler Prostatektomie oder Strahlentherapie. Befallen sind meist regionäre Lymphknoten (in der Umgebung der Prostata) oder Lymphknoten hinter dem Bauchfell. Sie lassen sich beispielsweise mittels PET/CT aufspüren, deren Ergebnis jedoch von zahlreichen Faktoren abhängt wie der Höhe des PSA-Werts (s. hierzu auch die Anmerkung unten).

Zur Wirkung der SLA gibt es nur wenige Studien. Nach der größten fiel der PSA-Wert bei etwas mehr als der Hälfte der Patienten innerhalb von 40 Tagen auf weniger als 0,2ng/ml. Allerdings hatte davon etwa ein Drittel eine zusätzliche Hormontherapie erhalten, die vermutlich zu dem Effekt beigetragen hat. Bei Patienten mit einem solchen PSA-Abfall, aber ohne weitere Hormontherapie konnte letztere zumindest bis zu einem erneuten PSA-Anstieg aufgeschoben werden. Zum Einfluss der SLA auf die Überlebenszeit gibt es keine Daten.

Entfernen anderer Metastasen

Hierzu liegen keine Studien vor, lediglich einzelne Fallberichte. Diese beziehen sich auf die Operation einzelner Organmetastasen, zumeist in der Lunge. Die Nachbeobachtungszeiten waren sehr unterschiedlich, ebenso wie die zusätzlichen Behandlungen (z.B. Hormon- und Chemotherapie). Deshalb ist weder zu beurteilen, welche Auswirkung die alleinige Operation der Metastasen hat, noch ob die Zusatzbehandlungen dadurch effektiver werden. Aussagen darüber wären ohnehin nicht repräsentativ, weil es keine Berichte über die Entfernung einzelner Knochenmetastasen gibt. Denn diese entwickeln sich in der weit überwiegenden Zahl der Fälle, und man kann nicht ausschließen, dass die Prognose schon alleine davon abhängt, ob sich Metastasen im Knochen oder „nur“ in anderen Organen bilden.

Fazit des Autors

Wegen der spärlichen Daten kann weder die Salvage-Lymphadenektomie noch das operative Entfernen anderer Metastasen empfohlen werden. Beide sind in ausgesuchten Fällen eine Möglichkeit, eventuell eine Hormon- oder Chemotherapie aufzuschieben, wobei sich ihr Nutzen jedoch nicht einschätzen lässt. Über ihren Einsatz ist deshalb im Einzelfall zusammen mit dem Patienten zu entscheiden, der über den experimentellen Charakter der Methoden informiert werden muss.

Anmerkung

Nach der deutschen Leitlinie gilt für die Untersuchung auf ein Rezidiv (Wiederkehren) des Tumors nach radikaler Prostatektomie: Bei einem PSA-Wert unter 1ng/ml soll keine PET/CT zur Beurteilung der Tumorausdehnung erfolgen. Bei einem PSA-Wert über 1ng/ml kann eine solche Untersuchung aber durchgeführt werden, wenn eine operative Entfernung oder gezielte Bestrahlung befallener Lymphknoten im Rahmen „eines individuellen Heilversuchs“ angestrebt wird.

Quellen

  • Ohlmann, C.-H.: PCA-Metastsasenresektion - eine sinnvolle Option? 64. Kongress der DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.), Leipzig 26.-29.9.12, Forumssitzung 21 "Prostatakarzinom II" am 28.9.12, Wiley-Blackwell, Berlin, MedReport 27/2012, S. 6
  • Heidenreich, A., et al.: Guidelines on prostate cancer. European Association of Urology (EAU) März 2012. Neueste Version verfügbar auf der EAU-Website über die Seite der onkologischen Leitlinien als PDF (englisch)
  • Leitlinienprogramm Onkologie (Hrsg.): Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. Version 2.0, 2011. Neueste Version verfügbar auf der Website der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften e.V.) über die Seite dieser Leitlinie als PDF
     

Weitere Informationen

  • Zur Operation bei Prostatakrebs (auch zur Lymphknotenentfernung bei der Operation, zur Operation bei Lymphknotenbefall und zum Vorgehen bei einem Wiederauftreten des Tumors nach Operation) in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt „Prostatakarzinom“ unter radikale Prostatektomie sowie in der Rubrik „Weitere Infos“ im Abschnitt „Broschüren“ in der Broschüre Die Radikaloperation der Prostata beim Prostatakarzinom
  • Zur äußeren und inneren Bestrahlung bei Prostatakrebs (auch zur Lymphknotenentfernung, zur Bestrahlung bei Lymphknotenbefall und zum Vorgehen bei einem Wiederauftreten des Tumors nach Bestrahlung) in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt „Prostatakarzinom“ unter Strahlentherapie sowie in der Rubrik „Weitere Infos“ im Abschnitt „Broschüren“ in der Broschüre Methoden der Strahlentherapie beim Prostatakarzinom
  • Zur Hormonbehandlung von Prostatakrebs in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt „Prostatakarzinom“ unter Hormontherapie
  • Zur Behandlung von Prostatakrebs mit Zytostatika in der Rubrik „Wissen“ im Abschnitt „Prostatakarzinom“ unter Chemotherapie
Zuletzt aktualisiert: 17.09.2019