Radikale Prostatektomie bei übergewichtigen Männern mit Prostatakarzinom (Prostatakrebs)

Übergewicht kann ungesund sein. Doch sein Einfluss auf die Operation beim lokal begrenzten Prostatakarzinom ist auf wenige, kaum ins Gewicht fallende Punkte begrenzt, so neue Studien vom deutschen Urologenkongress 2006.

Unter Übergewicht versteht man im allgemeinen eine Erhöhung der Körperfettmasse. Sie lässt sich näherungsweise am einfachsten mit dem Body-Mass-Index (BMI, Körpermassenindex) angeben, der sich als Quotient aus dem Körpergewicht (in kg) und dem Quadrat der Körpergröße (in m) berechnet. Als mäßiges Überwicht gilt ein BMI ab 25kg/qm, als deutliches ein BMI ab 30kg/qm und als extremes ein BMI ab 40kg/qm.

Übergewicht geht bekanntlich mit einer erhöhten Gesamtsterblichkeit einher (z.B. wegen erhöhtem Herzinfarktrisiko). Zudem soll es auch einer der Risikofaktoren für ein Prostatakarzinom sein (s. Ursachen des Prostatakarzinoms). In vier neuen Studien wurde nun geprüft, welchen Einfluss Übergewicht auf die Ergebnisse der radikalen Prostatektomie (RPE) hat.

In die erste Studie waren 1302 Patienten eingeschlossen, bei denen eine RPE durchgeführt worden war. Hierbei fand sich, dass ein BMI von mehr als 28kg/qm die Gesamtsterblichkeit unabhängig von anderen Faktoren erhöht, nicht jedoch die Sterblichkeit am Prostatakarzinom oder an einem möglichen zweiten Tumor. Der BMI sollte also, so die Autoren, neben dem Alter des Patienten, dessen möglichen Begleiterkrankungen sowie der Art und Ausbreitung des Prostatakarzinoms bei der Entscheidung über die Behandlung berücksichtigt werden.

Die zweite Studie umfasste 1545 Patienten nach RPE. Ein hoher BMI verlängerte danach lediglich den stationären Aufenthalt um einen Tag und erhöhte das Risiko für eine Wundinfektion nach der Operation (Anm.: Fettgewebe wird nicht gut durchblutet, und Wunden heilen langsam). Ansonsten hatte der BMI keinen Einfluss auf die Operation selbst, Komplikationen während und nach der Operation, das Wiedererlangen der Kontinenz (Fähigkeit zum Wasserhalten) und die Tumorbeseitigung (z.B. PSA-freies Überleben).

In den beiden restlichen Untersuchungen wurde die RPE endoskopisch durchgeführt (mittels Endoskop = „Spiegelung“, solche Verfahren gelten als minimal eingreifend). Auch hier ergab sich nur ein geringer Einfluss des BMI auf die ausgewerteten Parameter: Die Durchführbarkeit der Operation blieb unbeeinträchtigt, lediglich die Operationszeit verlängerte sich. Zudem waren in der einen Studie nicht übergewichtige Patienten im Schnitt früher wieder kontinent als übergewichtige. In der anderen Studie wurde noch darauf hingewiesen, dass bei Übergewichtigen der stationäre Aufenthalt nicht verlängert war, jedoch die endoskopische häufiger in eine offene Operation umgewandelt werden musste (erhöhte Konversionsrate wegen intraoperativer Schwierigkeiten).

Quelle (u.a.): 58. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie, Hamburg, 20.-23.9.06, klinische Postersitzung 9 „Lokal begrenztes Prostatakarzinom Therapie II“ am 22.9.06:

  • Fröhner, M., et al.: Der Body-Mass-Index als unabhängiger Prognosefaktor nach radikaler Prostatektomie. Abstract P klin 9.5
  • Schoeler, S., et al.: Sind adipöse Patienten bei der radikalen Prostatektomie tatsächliche eine operative Herausforderung oder handelt es sich nur um ein subjektives Empfinden des Operateurs? Abstract P klin 9.6
  • Mühlstädt, S., et al.: Einfluß des BMI auf die Ergebnisse der endoskopischen extraperitonealen radikalen Prostatektomie (EERPE) – eine Untersuchung an 500 Patienten. Abstract P klin 9.7
  • Ruszat, R., et al.: Einfluss des Body-Mass-Index (BMI) auf die perioperativen Ergebnisse der endoskopischen radikalen Prostatektomie. Abstract P klin 9.8

Weitere Informationen:

 

Zuletzt aktualisiert: 24.01.2019